Galahad hat geschrieben: ↑So 20. Sep 2026, 14:11
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Jesu Worte waren punktgenau.
Der Begriff ist sehr dehnbar.
Die Bereitschaft, "Nächstenliebe" zu praktizieren, also, aus freien Stücken Fürsorge zu üben und anderen zu dienen, wird immer wieder ausgenützt. Und irgendwann ist man in der Situation, dass man zu einer pervertierten Form von "Nächstenliebe" gedrängt wird, und dass man damit überfordert ist und spürt: Hier läuft etwas falsch.
Aber aus solchen Situationen kommt man kaum noch heraus. Der oder die Nutznießer der Leistung reagieren u.U. mit Ärger und emotionaler Bestrafung oder anderen Rüpeleien, weil es für ihn oder sie sehr bequem war, die Zuwendung/ das Engagement zu genießen.
Ich würde mal die von Dir eingangs zitierten Verse auch ganz anders lesen. Heilig zu leben heißt nicht über irgendein Rumgetue zu obsessieren. Beispiel: Ich kenne Christen, die halte Alkoholtrinken für "eine Sünde" und man soll ja heilig leben also nicht "eine Sünde" tun.
Vieles ist Ansichtssache.
Die Bibel fordert uns auf, das "rechte Maß" zu halten. Wieder ein dehnbarer Begriff.
Erstmal stellt man mit so einer Haltung alle möglichen Dinge "eine Sünde" auf ein Podest.
... und ignoriert möglicherweise die Kamele--
Gesetzlichkeit meinte ich jetzt eigentlich
nicht. Solche Christen gibt es auch, und wir sollen Rücksicht auf deren "kleinen Glauben" nehmen, für mich ist deren Maßstab aber nicht verbindlich.
Es gibt so viele Anweisungen, gut gemeint, aber in der Gesamtheit erdrückend. Eine neue Gesetzlichkeit eben. Menschengebote.
Irgendwann fällt einem auf: Vieles in meinem Leben ist aufgedrückt, künstlich... ich versuche, mich den Erwartungen anderer anzupassen, aber in Wirklichkeit kann ich mich innerlich nicht damit identifizieren, bin also nicht überzeugt davon, dass Gott dieses von mir verlangt. Ich nenne mal ein Beispiel: Das Bekreuzigen mit Weihwasser.
O.k., das ist jetzt nicht Usus bei Evangelikalen, deshalb wählte ich ja gerade diese Illustration. Um aufzuzeigen, wie fremd manches auf mich wirkt.
Aber andere Vorgaben/ Empfehlungen, die in evangelikalen Kreisen üblich sind, sind eventuell auch nur "äußerlich" und "frommes Ritual" und haben wenig bis keinen Einfluß auf den geistlichen Status. Dazu zählen teilweise sogar ganze "Gottesdienste".
Schließlich ist es ja auch keine Leistung, wenn man sich einer Sünde versagt, die keine Versuchung darstellt.
Allerdings.
Die "eine Sünde" muß also etwas darstellen.
Ich glaube eher, es ist nicht eine spezielle Sünde, bei den meisten ist es das wohl nicht... jedenfalls keine schweren Sünden...sondern: Der
Lebensstil könnte korrekturbedürftig sein, und man merkt es vielleicht nicht. Wie sehen unsere Prioritäten aus?
Das hat mit der ersten Liebe zu tun.
Dadurch ist ein ständiges Sündenbewußtsein vorhanden, welches bedrückt. Und zu nichts gut ist.
Also: Sünden
frei werden wir mit Sicherheit
nicht werden in diesem Leben.
Jesus sagt, wir sollen vollkommen sein.
Deshalb muss man sich Gedanken machen, was man noch verbessern kann.
Dann ist das alles ein ständiges moralisieren. Was ist moralisch? Was ist unmoralisch? Was ist "eine Sünde"? Was ist "keine Sünde"? Was ist gut? Was ist böse? Was ist die Erkenntnis von gut und böse?
Jaaaaaa...
Und schließlich verbirgt eine solche Sichtweise auch einfach den Blick auf die eingangs zitierten Verse, was es bedeutet, heilig zu leben. Was wird da eigentlich wirklich gesagt?
Jetzt sind wir beim Thema.
LG