Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

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Lea
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Lea »

Helmuth hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 17:51Musste Eva vom Baum essen? Da sagst ja, ich sage nein.
Im Falle ja, wäre sie aber nicht frei gewesen in ihrer Entscheidung, was wiederum ein Gebot ad absudum führt und sinnlos macht. Und im Falle nein wäre sie aber frei geblieben.
Sie musste nicht. Aber sie war versuchbar. Und das ist der Punkt, der den Unterschied macht, zu dem Leben im Paradies und nachher außerhalb davon.

Wenn ich manchmal über meine eigenen (Re-)Aktionen und Fehl-Entscheidungen im Rückblick nachdenke, dann habe ich oft den Eindruck, ich wäre in den verschiedenen Situationen ein anderer Mensch.
Das liegt dann nicht daran, dass ich gewusst hätte, was "richtig" gewesen wäre. Aber ich war schwach. Manchmal wegen körperlichen Schmerzen oder psychische Verletzungen, die mir zugefügt wurden. Manchmal wegen Sehnsüchten, die nicht erfüllt wurden. Meine Erfahrungen und meine Grenzen haben mich schwach gemacht. Es gab irgendwo Mangel, für den ich einen Ersatz suchte... oft unbewusst.

In dem Moment erscheint es mir manchmal, als sei ich nicht ich selbst gewesen. Im Rückblick denke ich dann, ich hätte es wissen müssen. In dem entscheidenden Moment war dieses Wissen weit entfernt. Ich war versuchbar wegen Mängel, welche Gefühle in mir bewegten, diese Lücken zu füllen.

Und manchmal denke ich dann im Rückblick: ich konnte doch gar nichts dafür. Weil ich den Mangel nicht so deutlich als solchen wahrgenommen habe und auch die "Füllung der Lücke" mir Heilung versprach. Erst am Ausgang, wenn es schief gelaufen ist, frage ich mich manchmal: warum habe das getan?

Im Garten Eden wurde Eva erst von der Schlange dazu gebracht, einen Mangel zu fühlen - sie wurde versuchbar. Eva wusste nicht, was Gut oder Böse bedeutet. Es war etwas Göttliches, das sie nicht verstand - und glaubte, ihr würde etwas fehlen, wenn sie es nicht probierte. Erst als sie aß, wusste sie es. Nur, dass es da keinen Weg zurück mehr gab.
Glauben (an Gott) funktioniert nicht, indem man "über" den Glauben redet, sondern indem man Glauben LEBT.
Sichtbar werden die Spuren indem sie hinführen zu Gott. Denn Gott findet man nur bei Gott selbst.
Hiob
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Hiob »

Helmuth hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 17:51 Musste Eva vom Baum essen? Da sagst ja, ich sage nein.
Genau das ist der Unterschied. Ich verstehe die Genesis als eine Offenbarung zur Vermittlung des Sinns der Heilsgeschichte. Unsere modernen Zeiten, die stark ego-zentriert funktionieren, lassen diese Offenbarung quasi als Entscheidungsnarrativ interpretieren. Geistig gesehen ist es mehr.
Helmuth hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 17:51 Gott erklärt alles sehr gut getan zu haben.
Man muss den Hymnus am Anfang, der eine ideale Welt beschreibt, streng vom Handlungsstrang der Genesis unterscheiden. Der Hymnus zeigt den Idealzustand, damit der Unterschied zu dem, was tatsächlich geschieht deutlich wird.
Helmuth hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 17:51 Mit deiner Fügungs-Theologie hätte Gott Eva reingelegt und nicht die Schlange.
Nein - Gott hat Adam und Eva so geschaffen, dass sié einen Erkenntnisweg gehen können, der ohne den baum der Erkenntnis nicht möglich ist. Das ist doch gerade der Gag am NT, dass Gott (in Jesus) noch mehr Last auf sich nimmt als Adam und Eva. Gott schickt also die beiden nicht ins Verderben und bleibt zurück, sondern er geht mit.
Helmuth hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 17:51 Die Schlange wiederum, deren Ansinnen war Eva zu Fall zu bringen, hätte sich selbst reingelegt.
Letztlich ja. Das Böse erkennt nicht, dass es letztlich Gott unterlegen ist.
Helmuth hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 17:51 Wenn ich sündige bzw. wenn ich ich nicht sündige, sind die Folgen dieselben?
Nein - egal ob man Sünde als bewusste Entscheidungsgröße versteht oder als Attribut des Menschen an sich (Der Mensch hat die Sünde wie ein Elefant einen Rüssel hat): Die Folgen sind dieselben.
Lea hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 19:12 Aber sie war versuchbar.
Richtig. Gott hatte sie so gebaut. Eva funzt rein trieborientiert (Neugier/es könnte gut schmecken) und keinesfalls mit reflektierendem Ich-Bewusstsein.
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Helmuth
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Helmuth »

Hiob hat geschrieben: Fr 6. Mär 2026, 01:24 Nein - Gott hat Adam und Eva so geschaffen, dass sié einen Erkenntnisweg gehen können, der ohne den baum der Erkenntnis nicht möglich ist.
Das ist (d)eine theologische Hypothese, eine fiktive Annahme, aber keine geoffenbarte Tatsache. Wir haben die Freiheit sich für oder gegen etwas zu entscheiden und das ist m.E. biblisch untermauert. Man muss nicht sündigen, aber man tut es. Fakt ist auch, dass wir Erkenntnis auf anderem Weg ebenso erlangen, der auch schmerzfrei wäre, was ich aber nicht ausführe, denn dann zerre ich das Thema ins OT.

Stelle diese Überlegung an: Wozu gibt Gott ein Gebot, wenn man es ohnehin nicht einhalten kann? Welchen Sinn hat das? Überdies versieht Gott die Übertretung mit der Todesstrafe! Wer tut so etwas? Man macht so aus Gott den Teufel, denn diese Dreistigkeit entspricht seinem Wesen.

Es würde auch aus dem Opfertod Christi eine Farce machen. Nun brachte auch Jesus sein Opfer freiwillig. Er musste es nicht bringen, aber er tat es. Auch hier gilt die Freiheit der Entscheidung.

Unser Wille ist Gott heilig, dass er auch eine bewusste Entscheidung gegen seinen Willen in Kauf nimmt. Um seiner Liebe willen erträgt er das in Geduld. Wir kennen aber auch die Folgen. Jesus hätte es auch anders kommen lassen können, das zeigt uns diese Aussage:
Mt 26,53-54 hat geschrieben: Oder meinst du, dass ich nicht meinen Vater bitten könnte und er mir jetzt mehr als zwölf Legionen Engel stellen würde?
So habe ich dich verwiesen keine tiefenpsychologischen Untersuchungen am Menschen anzustellen, die nur aus halbgaren Überlegungen welticher Wissenschaft entspringen, oder indem man philosophische Gedankegebäude aufbaut, die das Werk Christi sogar verteufeln.

Solche Auffassungen sollten Christen ablegen, aber nicht alle tun es. Sie denken weiter in weltlichen Kategorien, wie sie erzogen wurden, woran auch die RKK maßgeblichen Anteil hat. Christ werden ist ein Umerziehungsprozess, den der Heilige Geist vorantreibt und nicht die Kirche. Sucht man Gründe für den Ungehorsam, findet man sie ohnehin in der Schrift, in unserem Fall bereits in der Genesis:
1. Mo 3,6 hat geschrieben: Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Speise und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begehrenswert wäre, um Einsicht zu geben; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß.
Diese Lust und Begierde hat die Schlange, für mich der der Teufel, in der Frau angestachelt. Darin bestand das Werk der Verführung, indem man uns falsche Hoffnungen einredet basiernd auf Lügen wider Gottes Wort. Und auch der Mann unterlag dann seiner Frau, indem er aß. So wurde ihm seine eigenen Frau zum Satan.

Meine Aussage bleibt darum aufrecht: Man muss nicht (!) sündigen, die Gründe dafür sind anders gelagert, was uns z.B. das nächste Kapitel der Genesis zeigt, wobei man dort schon vom sündhaften Menschen ausgehen muss.

Zum Thema nun diese Konsequenz: Es ist wichtig, den Menschen auch den Betrug, den ihre Begierden hervorrufen, dem sie seit Adam und Eva unterliegen, vor Augen zu halten, sprich sie sind Sünder und damit böse Menschen. Ansonsten greift die Botschaft des Evangeliums gar nicht.

Der Mensch muss zu dieser Einsicht gelangen, damit er auch umkehrt, und das freiwillig. Es gibt darin keinen Zwang, denn das wäre Manipulation. Das wollte ich zeigen, dass Gott uns nicht manipuliert, in dem er der Verursacher unserer Sünde wäre. Das ist vielmehr das Werk des Samens der Schlange. Mit dem fiesen Trick bringt der Teufel Menschen dazu, sogar Gott die Schuld zu geben.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Hiob
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Hiob »

Helmuth hat geschrieben: Fr 6. Mär 2026, 06:18 Wir haben die Freiheit sich für oder gegen etwas zu entscheiden und das ist m.E. biblisch untermauert.
Ein nichtssagender Satz, weil Adam und Eva natürlich wirklich frei in dem Sinne sind, dass sie Gott nicht hindert. Aber Freiheit heißt doch nicht, dass das darin geschehende Handeln bewusst ist. Nun kann man auf dem Satz "Unwissenheit schützt nicht vor Strafe" beharren, also eine objektive Verantwortung definieren: "Egal, ob Du gecheckt hast, was Du getan hast: Du bist verantwortlich dafür". Aber das ist etwas ganz anderes als ein Satz wie "Du hast dich bewusst gegen mich entschieden". - Das konnten Adam und Eva noch gar nicht, als es geschah.
Helmuth hat geschrieben: Fr 6. Mär 2026, 06:18 Diese Lust und Begierde hat die Schlange, für mich der der Teufel, in der Frau angestachelt.
Richtig - das war die Funktion der Schlange. Sie setzt auf den Trieb, den auch Tiere haben. Das hat nichts mit Bewusstsein zu tun.
Helmuth hat geschrieben: Fr 6. Mär 2026, 06:18 Der Mensch muss zu dieser Einsicht gelangen, damit er auch umkehrt, und das freiwillig.
So ist es. Jeder Mensch hat seine eigene Heilsgeschichte, die auf für uns unergründlichen Wegen zum Telos führt.
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