Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

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Magdalena61
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Magdalena61 »

Helmuth hat geschrieben: Sa 28. Feb 2026, 04:33 Wovon muss er dann erlöst werden?
Wer ernsthaft daran geht, den zweiten oder dritten Schritt vor dem ersten zu machen, der wird mit Sicherheit auf die Schnauze fliegen.
Der erste Schritt ist, Menschen in Kontakt mit Gott zu bringen oder einen glimmenden Docht darin zu unterstützen, Vertrauen zu fassen und intensiver nach Gott zu fragen. Und dieser erste Schritt kann u.U. viel Zeit in Anspruch nehmen.

Wenn keine Verbindung da ist zwischen dem Menschen und Gott, hat es der Geist Gottes schwer, zu wirken. Wie soll da ein "Sündenbewußtsein" entstehen, dafür braucht man doch einen Maßstab, welcher definiert, was als Sünde zu betrachten ist. Hier ist ein allgemeiner Beichtspiegel, da kannst du mal testen, ob du diesen uneingeschränkt annehmen würdest und bereit wärest, Buße zu tun... oder ob du dich von vornherein weigerst, dich damit auseinander zu setzen... schließlich stammt diese Beichthilfe aus katholischer Feder.

Du wirst darin sicher einiges finden, das du in Frage stellst oder ablehnst. Vielleicht hilft dir das, dich besser in das Denken von Menschen einfühlen zu können, deren Moral-und Wertesystem nicht mit deinem identisch ist.
Helmuth hat geschrieben: Sa 28. Feb 2026, 04:33Erkläre mir bitte, wozu Jesus den Aufruf zur Umkehr predigt? Es waren dies seine allerersten Worte, als er in den Dienst gestellt wurde:
Es wurde dir schon mehrmals vermittelt. Jesus wurde zum Haus Israel gesandt, welches in einem Bund stand mit JHWH.
Wie gelangt es nun zu allen Nationen und wer predigt unserer Generation?
Das Evangelium kann man doch bezeugen: Gott sandte seinen Sohn... damit alle, die an Ihn glauben... was ist denn so schwer daran?
Helmuth hat geschrieben: Sa 28. Feb 2026, 04:33Mein vorsichtiger Rat: Bleib du bei Gesprächen und unterlasse es zu verkünden, wenn du Angst hast andere vor den Kopf zu stoßen.
Mein vorsichtiger Rat: Bleib du besser zu Hause, wenn du weiterhin in diesem Stil "verkündigen" willst:
Wahrheit ohne Liebe heilt nicht, sondern stellt bloß. Sie fixiert Menschen auf das Negative, das auch in ihnen ist. Sie urteilt ab. Sie richtet hin, statt dass sie aufrichtet.

Liebe ohne Wahrheit ist Heuchelei. Sie erreicht den Mitmenschen nicht so, wie er wirklich ist, sondern so, wie ICH ihn gerne haben will.

Quelle
Der Link hinter "Quelle" führt zu einem weiteren Gewissensspiegel. Den finde ich übrigens echt gut.
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Hiob
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Hiob »

Magdalena61 hat geschrieben: So 1. Mär 2026, 17:35 Wie soll da ein "Sündenbewußtsein" entstehen, dafür braucht man doch einen Maßstab, welcher definiert, was als Sünde zu betrachten ist.
Weil ich das gerade lese, hier einige grundsätzliche Gedanken.
Das Buch „Genesis“ beschreibt anfangs ein harmonisches Sein, das durch Ereignisse in einen dialektischen Raum führt. Zur Erläuterung: Dialektik ist die Lehre davon, dass alles Bestehende aus Gegensätzen zusammengesetzt ist und sich nur durch das Spannungsverhältnis zwischen diesen Gegensätzen weiterentwickelt. Der entscheidende Punkt: Bestehendes sowohl im „Paradies“ als auch in der „Visio Beatifica“ kennt keine Gegensätze, was bspw. der Grund ist, warum der Mensch im „Himmel“ keine Geschlechtlichkeit (männlich vs. weiblich) hat.

Deshalb erscheint Adam nicht als „Mann“ (ādām heißt im Hebräischen „Mensch“), sondern als geschlechtsneutrales Wesen mit exklusiver Orientierung zu Gott hin – also ohne Gegenüber auf seiner Ebene und ohne Auseinandersetzung mit seinem Ich. Im Bild gesprochen: Adam ist wie ein Neutron - ein neutrales, spannungsfreies Sein. Gut und Böse existieren hier nicht, weil diese nur in Spannungsfeldern, also im dialektischen Raum, möglich sind.
Mit Eva entsteht ein Gegenüber und für Adam eine zweite Orientierungsgröße neben Gott. Es entsteht also eine Polarität und somit ein dialektisches Feld. Wieder im Bild gesprochen: Eva ist das Elektron, das aus dem Neutron herausgelöst wird. Sie ist also von Beginn an Frau und macht durch ihre Herauslösung aus Adam diesen zum Proton, also zum Mann.
Das daraus entstandene dialektische Feld bleibt jedoch vorerst dormant, also passiv ruhend. Zwar bildet sich mit der Schaffung Evas sozusagen ein Antigen, jedoch gibt es dazu im Paradies keinen Trigger– außer beim Baum der Erkenntnis. Deshalb können sich Adam und Eva zunächst „nicht schämen“, wie es in der Genesis heißt. Scham verstanden als Einsicht in eine Diskrepanz zwischen dem eigenen Zustand (Ist) und einer inneren Norm (Soll), also eine Diskrepanz, die es im harmonischen Paradies jedoch nicht geben kann, eben weil dieser Raum „heil“ ist (Holon = das Ganze, also das Nicht-Dialektische). Trotzdem: Das dialektische System ist durch die Schaffung Evas sensibilisiert.
Die Schlange verkörpert die Kraft, die ein dialektikfähiges System aktivieren kann, also ein dormantes in ein aktives System überführen kann. Dabei ist das Essen der Frucht des Baums der Erkenntnis der Trigger, durch den - ein medizinisches Bild - die immunologische Reaktion eines zuvor sensibilisierten Systems ausgelöst wird. Dies ist für Adam und Eva einerseits ein Trauma, weil dadurch das Universelle und Harmonische des bisherigen Systems zusammenbricht. Andererseits wird der Mensch nun erkenntnisfähig (deswegen heißt dieser Baum ja „Baum der Erkenntnis“), weil durch die Polarisierung der Orientierungsgrößen (einerseits zu Gott hin, andererseits zum menschlichen Gegenüber und zum Ich hin) ein dialektischer Raum geschaffen ist. Dies wird sofort im Bibeltext erkennbar, wenn sich Adam und Eva unmittelbar nach dem Essen der Frucht „schämen“, weil sie erstmals die Diskrepanz zwischen dem eigenen Zustand (Ist) und der harmonischen Norm (Soll) erkennen.

Damit wird das Essen vom Baum zum Übergang von latenter zu entfesselter Dialektik — zur Geburt des bewussten Ich und zum Beginn der Weltgeschichte, die zugleich die Matrix dessen wird, was man theologisch „Heilsgeschichte“ nennt. Heilsgeschichte verstanden als dialektische Grundstruktur menschlicher Entwicklung, die sich sowohl stammesgeschichtlich bei der Menschheit als auch individualgeschichtlich im Leben jedes Einzelnen vollzieht – mit der geistigen Epigenetik als biologischen Marker.

Telos, also Zielpunkt dieser Entwicklung, ist im Christlichen die Erlösung durch Gott, die zur Aufhebung des dialektischen Raums in den universellen Geist führt, in dem es keine dialektische Entwicklung mehr geben kann. Erlösung ist deshalb von außen, also durch Gott, nötig, da der Mensch einen dialektischen Prozess mit eigenen Mitteln nicht zu einem Ende führen kann, also selbst keinen dialektfreien Raum des universellen Geistes schaffen kann. Die Tür des Reichs der Dialektik hat für ihn sozusagen nur beim Eingang eine Klinke, nicht aber beim Ausgang.
Warum aber wäre es überhaupt notwendig, den Menschen aus dem Zustand seiner harmonischen, aber erkenntnislosen Welt zu entlassen? Die Antwort in der Sprache der abrahamitischen Religionen: Der universelle Geist, also Gott, will erkannt werden, da das Wahre unvollendet wäre, wenn es dem Menschen nicht bewusst würde. So sagt Jahwe im Judentum „Erkenne mich“ (bspw. Hosea 6,6). Im Christentum sagt Paulus „Gott will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1. Tim 2,4). Im Islam spricht Allah unter 51,56 „damit sie Mich erkennen“.Darum muss der Mensch durch die Schleuse gehen, als die der Baum der Erkenntnis fungiert, dadurch Bewusstsein, Konflikt und Entfremdung erfahren, um selbst erkennend auf den Weg zur höheren Einheit zurückkehren zu können

„Sünde“ ist in diesem Sinne nicht Ausdruck im landläufigen Verständnis von Schuld, als hätte man etwas ausgefressen und müsse es nun auslöffeln. „Sünde“ ist vielmehr ein Attribut des Menschseins an sich, da nach dem Fall und vor der Erlösung kein Mensch ohne Sünde sein KANN. Deshalb der Begriff der Erbsünde im Katholizismus.
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Helmuth
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Helmuth »

Hiob hat geschrieben: Mi 4. Mär 2026, 20:21 Warum aber wäre es überhaupt notwendig, den Menschen aus dem Zustand seiner harmonischen, aber erkenntnislosen Welt zu entlassen?
Abgesehen von deinem Hang zur Philosophie frage ich, wo geschrieben steht, dass der Mensch nie zu Erkenntnis gelangen sollten? Die Basis unserer Überlegung sollte Gottes Wort sein. Dafür sehe ich in deinen Überlegungen kaum eine Grundlage. Auf welche Schritstellen stützt du dich? Oder anders gefragt: Gibt es überhaupt eine Stelle, die man heranziehen könnte?

Wenn ich der Schrift folge, lässt sich zeigen, dass Adam und Eva mit der Zeit schon zur Erkenntnis aller Dinge gelangen sollten, sie sollten es nur nicht auf diese Weise, also über den Weg der Sünde. Wenn uns ewiges Leben beschert sein soll, dann wird jeder mit der Zeit Erkenntnis sammeln und es wird dem kein Ende sein. Dazu lege ich diese Stelle vor:
Jer 31,34 hat geschrieben: Und sie werden nicht mehr jeder seinen Nächsten und jeder seinen Bruder lehren und sprechen: „Erkennt JHWH!“, denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht JHWH. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken.
Die Stelle beschreibt den Zustand in dem die Sünde bereinigt ist. So würde ich auslegen, dass Sünde den Erwerb aller Erkenntnis nur gehemmt hat. Erst im Urzustand sind wir wieder so lernfähig wie Adam und Eva. Der größte Hemmer ist eben der Tod. Damit fährt all deine Erkennntnis in den Sheol hinab und wäre verloren, aber Gott will nicht, dass wir dort ewig verbleiben.

Die Entwicklung Adams ist m.E. vergleichbar mit der Aufzucht von Kleinkindern, die erzogen werden müssen. Das meine ich nicht bloß im intlellktuellen Sinn, denn darin entwickelte er sich ohne Sünde länger als alle Nachfahren, sondern im geistlchen Sinn, d.h. in der Gemeinschaft mit Gott. Adam und seine Frau konnten ja tun und lassen was sie wollten und es gab nur ein einziges Gebot zu beachten. Das ist Freiheit ohne Ende.

Wie alt sie waren, als sie in Sünde fielen, offenbart uns der Text nicht, aber sie waren jedefalls intellektuell in der Lage klar zu beschreiben, was dieses eine einzige Gebot ausmacht. Dazu haben wir dieses Zeugnis:
1. Mo 3,2-3 hat geschrieben: Und die Frau sprach zu der Schlange: Von der Frucht der Bäume des Gartens essen wir; aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Davon sollt ihr nicht essen und sie nicht anrühren, damit ihr nicht sterbt.
Sie hatten damit schon Erkenntnis, genau die, welche für sie auf ihrer Entwicklungsstufe gesund war. Mehr brauchten sie in dem Zustand nicht. Die Frau ergänzt, was zeigt, dass der Mensch den Hang hat Eigenes hinzuzufügen, was Gott gar nicht gesagt hat. Von einer Berührung redete Gott nicht, sondern lediglich davon nicht zu essen.

Das ganze tiefenpsychologisch zu betrachten führt ins geistliche Nirwana, also dort wo jede Philosophie hinführt und zwar deshalb, weil uns dazu die Erkenntnis gar nicht gegeben wurde. Auf die Weise wird die Sünde nur relativert und man erkennt nicht ihr tödlisches Gift.

Menschliche Deutungen sind wie Wasser, also ohne nährenden Inhalt. Aber ist dir schon aufgefallen, dass Gott seinen Plan zur Erlösung gar nicht zuvor gefasst hatte, sondern erst nach (!) der Übertretung und dazu den ersten Schritt so gesetzt hatte:
1. Mo 3,15 hat geschrieben: Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen.
"ich werde setzen" und nicht "ich habe gesetzt". Klares Futurum. Und zuvor heißt "weil du dies getan hast" und nicht "weil ich schon weiß, dass du das tun wirst". Hier klares Perfekt. Gott reagierte also. Es anders zu deuten ist spekulativ und halt menschlich.

Das war allerdings damit der erste Schritt zu einem Erlösungsplan, der sich aber erst Schritt für Schritt offenbaren sollte bis zum endgültigen Auftreten des Erlösers, Jesus Christus von Nazareth, der Messias Israels und aller Völker.
Hiob hat geschrieben: Mi 4. Mär 2026, 20:21 „Sünde“ ist in diesem Sinne nicht Ausdruck im landläufigen Verständnis von Schuld, als hätte man etwas ausgefressen und müsse es nun auslöffeln. „Sünde“ ist vielmehr ein Attribut des Menschseins an sich, da nach dem Fall und vor der Erlösung kein Mensch ohne Sünde sein KANN. Deshalb der Begriff der Erbsünde im Katholizismus.
Wer bitte lehrt solchen Bullshit? Du weißt ja eh, dass die RKK für mich keine Autorität hat. Hier kommt aber zum Ausdruck, dass du Sünde umdeutest, als ein dialektisches Prinzip, einen bloß negtiven Effekt, der auch sein musste, nicht aber als todbringendes Übel, weshalb wir erlöst werden müssen. Die Sünde von der Schuld auch noch zu entkoppeln ist für mich wie das Gerede der Schlange:
1. Mo 3,1 hat geschrieben: Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott JHWH gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: "Hat Gott wirklich gesagt: ..."
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Hiob »

Helmuth hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 06:19 wo geschrieben steht, dass der Mensch nie zu Erkenntnis gelangen sollten?
Das Gegenteil steht in der Bibel. Du hast selbst ein Beispiel aus dem AT gebracht. Bei Joh. gibt es ebenfalls Aussagen.
Aber ist dir schon aufgefallen, dass Gott seinen Plan zur Erlösung gar nicht zuvor gefasst hatte, sondern erst nach (!) der Übertretung
Wenn Du Gott als Wesen verstehst, das der Zeit untertan ist, haben wir sehr unterschiedliche Gottesbilder. --- Mit dem von Dir zitierten Satz wird für die Menschen (nicht für Gott) ein kausaler Zusammenhang offenbart. Natürlich erscheint Gott auf Offenbarungsebene in der Zeit.
2. Kön 19,25 Hast du nicht gehört: / Vor langer Zeit habe ich es gemacht, / seit den Tagen der Vorzeit habe ich es so gefügt; / jetzt ließ ich es kommen.
DAS ist die Grundlage.
Hier kommt aber zum Ausdruck, dass du Sünde umdeutest, als ein dialektisches Prinzip, einen bloß negtiven Effekt, der auch sein musste, nicht aber als todbringendes Übel, weshalb wir erlöst werden müssen.
Das ist nicht "bloß Effekt", sondern schlimm. Denn dadurch sind wir ohne Gott der Sünde ausgeliefert.

Der Unterschied bei uns ist, dass Du "Sünde" als vermeidbare Größe verstehst. Unabhängig davon sind die Folgen dieselben.
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Lena
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Lena »

Hiob hat geschrieben: Mi 4. Mär 2026, 20:21 Sünde“ ist in diesem Sinne nicht Ausdruck im landläufigen Verständnis von Schuld, als hätte man etwas ausgefressen und müsse es nun auslöffeln. „Sünde“ ist vielmehr ein Attribut des Menschseins an sich, da nach dem Fall und vor der Erlösung kein Mensch ohne Sünde sein KANN. Deshalb der Begriff der Erbsünde im Katholizismus.
Wir sind alle Sünder. Gottes Erlösung macht uns heil, indem wir wieder in eine Beziehung zu Ihm dem Leben kommen. Doch solange wir hier sind, müssen wir mit unserem Leben offenbaren, dass wir von der Gottferne befreit sind, indem wir nicht mehr sündigen. Weil sündigen aus der gestörten Beziehung zu Gott entstanden ist und entsteht.
Einverstanden Hiob?
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Magdalena61
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Magdalena61 »

Hiob hat geschrieben: Mi 4. Mär 2026, 20:21 „Sünde“ ist in diesem Sinne nicht Ausdruck im landläufigen Verständnis von Schuld, als hätte man etwas ausgefressen und müsse es nun auslöffeln. „Sünde“ ist vielmehr ein Attribut des Menschseins an sich, da nach dem Fall und vor der Erlösung kein Mensch ohne Sünde sein KANN. Deshalb der Begriff der Erbsünde im Katholizismus.
Die EKD sieht es ähnlich. Erläuterungen der beiden Kirchen:
Lat. peccatum originale = "Ursünde"; der Begriff drückt aus, dass jeder Mensch in eine Welt hineingeboren wird, in der er ohne eigenes Zutun Leid, Tod, Unrecht und Schuld vorfindet. Jeder Mensch ist, ohne etwas dagegen tun zu können, in Zusammenhänge hineingestellt, die ihn mitschuldig werden lassen, noch bevor er aus eigenverantwortlichem Handeln schuldig werden kann. Kein Mensch erlebt die Welt, wie sie sein sollte - das macht es ihm schwerer, selber gut zu sein, und wirkt sich außerdem negativ auf die Mitmenschen aus.
...
Erbsünde bedeutet, dass niemand vollkommen sein kann, sondern zwingend Schuld auf sich lädt.
https://katholisch.de/lexikon/953-erbsuende
Der Begriff „Sünde“ meint nicht, wie im heutigen Sprachgebrauch oft üblich, nur kleine moralische Verfehlungen wie das Missachten von Verkehrsregeln oder Diätplänen. Die Tatsache, dass Menschen in ihrer Freiheit immer wieder Entscheidungen treffen, die ihre Beziehung zu sich selbst, anderen Menschen und vor allem zu Gott erschüttern, beschreibt vielmehr einen wesentlichen Aspekt des Menschseins.
...
Den Begriff Sünde definiert der Grundlagentext als Entfremdung des Menschen von Gott, die Schuld nach sich zieht. Sünde kann sich auf verschiedenste Art und Weise manifestieren – und dies nicht nur da, wo Menschen schwächeln oder versagen, sondern auch da, wo sie sich stark und überlegen wähnen, die ihnen gegebene Freiheit aber dennoch verspielen.
https://www.ekd.de/grundlagentext-sunde ... -60853.htm
Die Erklärungen finde ich beide gut und zutreffend; die Katholische ist vielleicht etwas stärker... klarer formuliert.

Fazit bei beiden: "Sündhaftigkeit" ist etwas, das dem Menschen von Geburt an mitgegeben ist, eine Veranlagung.
Die Veranlagung gab es umsonst...und ungebeten noch dazu... das Angebot der Errettung ist auch "free"... kostet nichts.

Ich fürchte nur, auch nach der Erlösung ist der Mensch nicht sündenfrei- wenn mit "Erlösung" der Zeitpunkt der Übergabe des Lebens an Jesus Christus und die Vergebung aller Schuld gemeint ist.
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Hiob »

Lena hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 13:00 Doch solange wir hier sind, müssen wir mit unserem Leben offenbaren, dass wir von der Gottferne befreit sind
Das wäre zu viel verlangt, weil wir das gar nicht zu Lebzeiten schaffen können. Deshalb heißt es ja "erlöst WERDEN". - Trotzdem sind wir uns von der Wellenlänge ähnlich. Oft gibt es einen Unterschied, dass die einen sagen "Ich entscheide, erlöst zu sein" (etwa durch sein Bekenntnis zu Jesus), während andere meinen, dass das Leben sui generi nicht sündenfrei sein kann.
Magdalena61 hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 15:27 "Sündhaftigkeit" ist etwas, das dem Menschen von Geburt an mitgegeben ist, eine Veranlagung.
Die Veranlagung gab es umsonst...und ungebeten noch dazu... das Angebot der Errettung ist auch "free"... kostet nichts.
Richtig. - Der Punkt ist nur: Warum hat man sich den Weg über das Sündhafte nicht gespart, wenn es am Ende dann doch wieder in die Rettung geht? Eine gängige Antwort ist: Weil der Mensch Gott bewusst erkennen soll, was mit seiner paradiesischen Ausstattung nicht geht.
Magdalena61 hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 15:27 Ich fürchte nur, auch nach der Erlösung ist der Mensch nicht sündenfrei- wenn mit "Erlösung" der Zeitpunkt der Übergabe des Lebens an Jesus Christus und die Vergebung aller Schuld gemeint ist.
Das weiß ich nicht. Ich vermute jedoch, dass Erlösung verbunden ist mit dem Gestelltwerden ins Licht reiner Erkenntnis. Ob es dann noch möglich ist zu sündigen, halte ich für zweifelhaft. Denn der Baum des Lebens steht wieder im paradies. Und wenn der Baum der Erkenntnis nicht mehr da ist, gibt es dort auch keine Sünde. Das, was man "Rückkehr zum Baum des Lebens" nennen könnte, ist in etwa das, was im Katholischen "Visio Beatifica" heißt.

Allerdings kannst Du recht haben, wenn man postuliert, es gäbe zwischen Erlösung und Baum des Lebens noch eine Zwischenstufe. Möglich - aber warum?
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Helmuth
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Helmuth »

Hiob hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 08:52 Der Unterschied bei uns ist, dass Du "Sünde" als vermeidbare Größe verstehst.
Und ist sie es nicht? Musste Eva vom Baum essen? Da sagst ja, ich sage nein. Im Falle ja, wäre sie aber nicht frei gewesen in ihrer Entscheidung, was wiederum ein Gebot ad absudum führt und sinnlos macht. Und im Falle nein wäre sie aber frei geblieben. Was aber ist passiert? Sie hat ihre Freiheit eingebüßt und mehr noch, ihr ewiges Leben verwirkt. Und nun soll sie daran auch gar nicht schuld sein?

Wo aber sagt Gott, dass sie sündigen musste? Diese Stelle wirst du nicht finden, weil es doch pervers wäre Gott so hinzustellen. Dann stimmt am Gottescharakter tatsächlich etwas nicht und ebenso nicht an seinem Bild, dem Menschen. Meine Vorstellungen baue ichaber nicht auf meinem Denken auf, sondern auf dem, was und wie Gott selbst alles erklärt. Z.B. erklärt er sein Werk der Schöpfung so:
1. Mo 1,31 hat geschrieben: Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.
Gott erklärt alles sehr gut getan zu haben. Man vertraut nun dem Wort oder nicht, das nennt sich auch "Glaube". Oder war die Schöpfung doch nicht so gut und es hat sich ein Systemfehler eingeschlichen, den er uns nicht erklärt, oder hatte er eine Sache nicht richtig durchgedacht? Wie steht es um seine Vollkommenheit?

Schlussfolgern wir weiter. Mit deiner Fügungs-Theologie hätte Gott Eva reingelegt und nicht die Schlange. Die Schlange wiederum, deren Ansinnen war Eva zu Fall zu bringen, hätte sich selbst reingelegt. Eva wäre auch gar nicht verführt worden, sondern Gott fügte es ja schließlich so, dass sie sündigen musste. Die Schlange war dazu nur ein dummes Werkzeug, das Gott manipuliert hatte. Was wäre an diesen Schlüssen falsch?

Oder sind das die Folgen einer m.E. zu kurz überdachten Schriftstelle über Fügung? Damit werden m.E. Kontexte durcheinandergerbacht und zwar so, dass man aus Gott den Teufel macht. Und wessen Absicht wäre das wieder? Gottes?

Die nächste Frage: Was soll man dann über Erlösung denken? Gott machte Eva sündig, damit er sie danach erlösen kann und nennt es Gnade? Was ist dann Jesu Opfer? Ein weiterer Systemfehler, oder seine eigene Fehlerkorrektur, aber zu Lasten des Menschen und auch seines eigenen Sohnes?

Gott hatte auch das inszeniert? In der Tat wäre das nicht mein Gottesbild, denn wie soll das Liebe sein, wenn alles schon vorausgeplant war, auf das ich gar keinen Einfluss habe? Auch der Teufel wäre nicht frei.

Wir brauchen gar nicht weitergehen und den weiteren Schwachsinn der Erbsünde bereden, weil für mich das theologische Gerüst bereits an der Stelle zusammenbricht. Wenn Gott ein Gott der Liebe ist, dann kann er nicht einen solchen Schlangentanz inszenieren, der aber typisch für den Teufel wäre, dass er uns hinters Licht der Wahrheit führt. Wie ist es nun wirklich?
Hiob hat geschrieben: Do 5. Mär 2026, 08:52 Unabhängig davon sind die Folgen dieselben.
Das hat für mich erneut keine Logik. Wenn ich sündige bzw. wenn ich ich nicht sündige, sind die Folgen dieselben? Also ich kann dich ermorden, oder am Leben lassen. Die Folgen sind dieselben? Wer von uns ist hier verwirrt?
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Spice
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Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von Spice »

Magdalena61 hat geschrieben: Do 26. Feb 2026, 15:13 Ich habe niemanden darum gebeten, in diese Welt gesetzt zu werden. Als ich geboren wurde, war ich bereits ein Sünder, ohne eigenes Zutun, ohne die Möglichkeit gehabt zu haben, mich für oder gegen diese Realität entscheiden zu können.
Heute wissen wir, dass dieses Erdenleben die Ernte deiner vorherigen Erdenleben sind. Aber natürlich ist damit die Erbsünde noch nicht erklärt. Diese besteht einfach darin, dass man sich mit seinem Physischen Leib identifiziert. Damit man aufhören kann zu sündigen, muss man deeshalb wiedergeboren werden, weil man sich da mit seiner ewigen Natur identifizieren kann. Für diese ist sündloses Leben eine Selbstverständlichkeit.

https://manfredreichelt.wordpress.com/2 ... erbsuende/
https://manfredreichelt.wordpress.com/2 ... -menschen/
oTp
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Registriert: Mo 24. Mai 2021, 10:33

Re: Definition Evangelium. Wie und was sollen wir predigen?

Beitrag von oTp »

Ich bitte dich, Spice:
Heute wissen wir, ....
1. Das ist nicht christliche Lehre.
2. Du suggeriert immer, man habe Beweise für deine Denkweise mit Reinkarnation.

Es ist in Wirklichkeit nichts erwiesen.
Es fehlen Beweise, auch wenn du sagst, du habest sie. Es gibt gewisse Hinweise, aber die kann man anders interpretieren.

Und dein Haupterklärer Reichelt muss mit viel Umsicht gelesen werden, und man sollte sich nicht mit ihm gleichschalten. Sondern überlegen, was er richtig und was er falsch darstellt.
Reinkarnation ist schon mal ein Erklärungsmodell, das umstritten ist und Christen brauchen das nicht. Und selbst, falls wir uns alle täuschen, hat die christliche Lehre die Perlen, die zur Erlösung hinleiten.

Ich finde das Modell Reinkarnation immerhin auch schön logisch, oder vielmehr logisch schön, weil es eine gefällige, eingängige Erklärung ist.
Du darfst nicht alles glauben, was du denkst
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