Ich habe ein anderes Zeugnis als die Kritiker, nämlich das Zeugnis von Gott. Wie ich bereits sagte, hatte ich keine Ahnung von diesen Feinheiten... und als ich mit den Apokryphen Bekanntschaft machte, war ich alleine. Es gab zwar eine Gemeinde, einige Kilometer entfernt, in der Stadt, die ich zum damaligen Zeitpunkt nur flüchtig kannte; ich war vielleicht zwei Mal dort gewesen, aber das klappte absolut nicht mit der Kinderbetreuung, und da engagierte Mitarbeiter leider meine noch nicht einmal zweijährige Tochter traumatisiert hatten, weil sie sie eine Stunde lang weinen und schreien ließen, anstatt mich in diesem Fall aus dem Gottesdienstraum zu holen, wie es abgemacht gewesen war, konnte ich lange Zeit den Raum nicht mehr verlassen, ohne dass die Kleine in Panik ausbrach, auch nicht mehr zu Hause. Dazu hatte ich noch ein Baby, das fünf Monate alt war. Und der Vater der Kids hatte mich rausgeschmissen. Das war Ende 1982 gewesen, danach wohnte ich wieder in meiner Herkunftsfamilie mit zwei jüngeren Geschwistern; eigentlich war nur mein Bruder Vollzeit da, meine Schwester kam am Wochenende... und einem teilweise anwesenden Vater, der nicht gerade einfach war im Umgang. So.
Außer mir war keiner gläubig.
Deshalb war ich auf mich alleine gestellt und las halt täglich ein Stück in der Bibel, wie ich es Gott versprochen hatte.
Jesus Sirach halte ich für authentisch, weil Gott durch dieses Buch hautnah in mein Leben gesprochen hat. Nicht "allgemein", sondern auf eine ganz bestimmte Situation und Person bezogen, die man beide nicht verallgemeinern kann, noch nicht einmal mein Leben betreffend. Da ich mich zum damaligen Zeitpunkt in der Bibel absolut nicht auskannte ist eine Wunschauslegung ausgeschlossen.
Ich habe versucht, wenigstens ein Kapitel am Tag zu lesen, manchmal war mir das zu viel, und wenn ich die Bibel irgendwo aufgeschlagen hatte, las ich in der Regel dann so nach und nach das ganze Buch. Mal im AT, mal im NT.
Dieser Vers in Sirach... das hat SO exakt gepasst... das machte einen ganz starken Eindruck auf mich und das war das zweite Mal seit meinem zweiten Anlauf im Glauben (meiner "Bekehrung") vor mehr als einem Jahr zuvor, dass Gott durch sein Wort SO punktgenau zu mir gesprochen hatte. Das erste Mal lag Monate zurück und war eine Stelle aus einem der Briefe an die Korinther.
Den "Rest" von Sirach muss man sich doch nur anschauen. Es ist ein gutes Buch. Es ist mindestens Weisheitsliteratur, wie die Sprüche und Prediger, und dass es im AT steht, hat volle Berechtigung.
Wahrscheinlich überliest oder relativierst du mein Zeugnis, weil es nicht in deine Beurteilung passt. Aber ich habe es trotzdem geschrieben.
Ich wünsche dir solche Erfahrungen... die dir die Größe und vor allem: Die NÄHE Gottes vermitteln... wenn man so etwas wiederholt erfährt, dann sieht man die Bibel mit anderen Augen. Man entwickelt Ehrfurcht vor diesen Schriften, und die ist auch dann noch da, wenn man die Bibel intellektuell bearbeitet und als Nachschlagwerk nützt für theologische Diskussionen.
Es ist ein wenig so, wie Jakob es erlebte, als er sagte: "Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht!", nachdem er diesen Traum gehabt hatte. 1. Mose 28,16.
Das Herz wird in unaussprechlicher Weise berührt. Da ist ein Staunen, das gar nicht mehr aufhört. Und dann fühlt man Dankbarkeit. Und diese Berührung vergißt man nicht mehr, die kann man auch nicht beschreiben. Davon zehrt man auch noch in Zeiten, in denen Gott "weiter weg" zu sein scheint.
LG