Larson hat geschrieben: ↑Do 13. Aug 2026, 15:24
Ook, dann müsste „glauben“ zuerst definiert werden. Im Kontext meinte ich natürlich jenen Glauben, den Paulus lehrte, konträr dem „glauben“ in der Tenach.
Das ist keine ausreichende Definition. Du siehst das halt als widersprüchlich, aber das ist keine objektive Feststellung, sondern deine Art von Auslegung. Die darfst du vertreten, ohne andere deswegen diskreditieren zu müssen. Aber gerade dies scheinst du als persönliche Mission zu sehen.
Larson hat geschrieben: ↑Do 13. Aug 2026, 15:24Und durch Spekulation, dass es ja auch anders stehen gestanden haben könnte, gräbt man sich selbst eine Grube, da dann ja alles offen wird.
Dass es auch anders sein könnte, ist in der Tat grundsätzlich ein bescheidenes Argument, das ich ablehne. Aber so banal argumentiere ich in diesem Fall ja auch gar nicht. Mein Argument ist, dass wir keine letzte Gewissheit über irgendwas bezüglich Sprache und Übersetzung haben. Du reklamierst für dich eine absolute "jüdische" Deutungshoheit.
Larson hat geschrieben: ↑Do 13. Aug 2026, 15:24
Die Tenach muss sozusagen im Kontext verstanden werden wollen, und nicht auf einzelnen herausgepflückten und dem Kontext gezerrten Versen, welche dann willkürlich aneinander gereiht werden.
Wer würde dem hier widersprechen ? Jeder stelt an sich den Anspruch, den Kontext zu berücksichtigen und verstehen zu wollen.
Larson hat geschrieben: ↑Do 13. Aug 2026, 15:24Und genau deshalb ist dieser Vers Jes 28, 16 im Kontext ganz eindeutig das Gesetz Gottes, da dieses Missbraucht wurde.
Gerade wenn wir die Tenach konsequent "im Kontext" verstehen wollen, sehe ich nicht, dass Jesaja 28,16 "ganz eindeutig" das Gesetz Gottes meint. Der unmittelbare Kontext sagt zunächst was anderes. In Vers 15 beschreiben die Verantwortlichen Jerusalems ihre vermeintliche Sicherheit als einen "Bund mit dem Tod" und einen "Vertrag mit dem Scheol". Darauf antwortet JHWH:
Jesaja 28,16 Siehe, ich lege in Zion einen Stein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein als fest gegründetes Fundament.
In Vers 17 werden dann ausdrücklich Recht (משפט) und Gerechtigkeit (צדקה) als Maßstab genannt. Man kann daraus durchaus eine Verbindung zwischen dem von Gott gelegten Fundament und Gottes Recht bzw. seiner gerechten Ordnung herstellen. Aber der Text sagt nichts von einem "Stein des Gesetzes" Das wäre bereits eine Interpretation. Wenn diese Interpretation ganz eindeutig sein soll, müsste der Kontext diese Identifikation eindeutig machen.
Hinzu kommt, dass "Stein" bzw. "Eckstein" innerhalb der Tenach keineswegs von vornherein eine Bezeichnung für Gottes Gesetz sein muss. Es gibt vielmehr Kontexte im AT, in denen Steine Menschen bzw. menschliche Gemeinschaften repräsentieren können. Besonders deutlich wird das in 2. Mose 28,9-12 + 15-21: Die zwölf Edelsteine des Brustschildes stehen in einer symbolischen Beziehung zu den zwölf Söhnen Israels. Die beiden Onyxsteine tragen ausdrücklich deren Namen und werden von Aaron stellvertretend für sie vor JHWH getragen. Damit wäre prinzipiell verdeutlicht, dass ein Stein in der Symbolsprache der Tenach eine personale Repräsentationsfunktion besitzen kann.
Josua 4,4–9 ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Dort werden zwölf Steine entsprechend der Zahl der Stämme der Söhne Israels genommen und als Zeichen des Geschehens am Jordan aufgerichtet. Auch hier stehen die Steine also in einer ausdrücklich vom Text hergestellten symbolischen Beziehung zu den zwölf Stämmen und damit zu einer menschlichen Gemeinschaft.
Weiterhin bemerkenswert: Jesaja 51,1-2. Dort werden die Angesprochenen aufgefordert, auf den "Felsen" (צור) zu schauen, aus dem sie gehauen wurden, und unmittelbar danach wird Abraham als derjenige genannt, den JHWH "rief". Hier wird Gestein mit einem Stammvater und der aus ihm hervorgegangenen Gemeinschaft in Verbindung gebracht.
Noch auffälliger finde ich Hiob 38,6-7. Dort erscheint ebenfalls ein „Eckstein“ (אבן פנה) unmittelbar zusammen mit den "Sternen des Morgens" und den "Söhnen Gottes". Gerade weil eine ähnliche Eckstein-Terminologie wie in Jesaja 28,16 verwendet wird, sollte man zunächst untersuchen, welche Bedeutung dieses Symbol innerhalb der Tenach selbst besitzt, anstatt bereits vorauszusetzen, dass es "das Gesetz" bedeutet. Ich tendiere zu der Ansicht, dass mit dem Eckstein in Hiob 38 Noah als Stammvater der nachsintflutlichen Menschheit gemeint ist. Die erwähnten "Söhne Gottes" wären dann ein Hinweis auf den zeitlichen Kontext vor der Sintflut in 1. Mose 6. Das wäre eine ganz andere Interpretation, als die traditionelle.
Wie gesagt, deine Formulierung "ganz eindeutig das Gesetz Gottes" halte ich für problematisch. Wenn wir tatsächlich keine späteren NT-Deutungen in die Tenach hineinlesen wollen, sollte dieselbe Zurückhaltung auch für eine eigene Deutung gelten. Man kann argumentieren, dass der Eckstein in Jesaja 28 mit Gottes Recht und Gerechtigkeit zusammenhängt. Man kann aber nicht ohne weiteres behaupten, der Text identifiziere den Eckstein eindeutig mit dem Gesetz.
Das gilt umso mehr, wenn man anschließend Paulus vorwirft, er reiße "Perlen" aus ihrem Kontext und setze sie neu zusammen. Dann müsste man dieselbe Frage auch an die eigene Auslegung stellen: Wird hier tatsächlich der Kontext von Jesaja 28 ausgelegt, oder wird einem Bildwort eine Bedeutung gegeben, die der Text selbst nicht ausdrücklich festlegt?
Zunächst muss also diese Frage geklärt werden: Wo genau im Kontext von Jesaja 28 wird der "Eckstein" mit dem Gesetz identifiziert? Nicht, ob man so eine Deutung vertreten darf, sondern wo der hebräische Text selbst diese Identifikation hergibt.
Larson hat geschrieben: ↑Do 13. Aug 2026, 15:24Und Jesu ist nicht die Lehre Gottes…
Das behauptet auch Paulus im Kontext von Jesaja 28,16 gar nicht.
In Jesus wird die Lehre Gottes repräsentiert, weil er sie lebt. Gott selber lebte seine Lehre dem Volk Israel ja nicht vor. Und so lehrt Jesus sie auch praktisch und nicht nur theoretisch. Es gibt die triviale Erkenntnis, dass Kinder sich nicht an dem orientieren, was Erwachsene (Gott) sagen, sondern an ihren Taten. Allerdings muss das nich ein bloßes Nachäffen sein, sondern die Taten können als Vorbild aber auch als Abschreckung interpretiert werden.
Larson hat geschrieben: ↑Do 13. Aug 2026, 15:24
Es ist die andere Frage, was der Mensch sonst noch zur Lehre Gottes beifügt, aber Jesus kannte nur diese eine Lehre, und warnte davor, sie anders zu lehren.
Jesus lehrte aber nun mal auch einen "AN-Mich"-Glauben : "ο πιστευων εις εμε". Nicht nur vielfach im Johannes Evangelium, sondern auch bei den Synoptikern (Matthäus 18,6 und Markus 9,42).
Larson hat geschrieben: ↑Do 13. Aug 2026, 15:24Sicher will der Ewige, dass der Mensch lebt, aber so gekürzt, wie du es darstelltest, ist es nicht, denn dann lebt er in Saus und Braus, wird Gewaltsam, weil der Mensch nur das eigen sucht.
Wo fängt denn in "Saus und Braus" für dich an ? Lebten Abraham und Hiob schon in "Saus und Braus" ? Ich denke, die moderne Art und Obszönität von Reichtum kann man nicht unbedingt mit dem Wohlstand eines Abraham oder Hiob vergleichen.
Larson hat geschrieben: ↑Do 13. Aug 2026, 15:24Deshalb mein Veto, dass es in der Tenach um Gott geht (aber nicht um einen Glauben an einen Christus Jes 28,16 und Paulus), demzufolge auch um das verhalten gegenüber dem Ewigen.
Ich mag dieser Aussage gar nicht unbedingt stark widersprechen. Dennoch solltest du auch diese Worte aus der Tenach berücksichtigen:
Hiob 35,5 Siehe zum Himmel empor und betrachte ihn und schau die Wolken an, die höher sind als du!
6 Wenn du sündigst, was tust du ihm zuleide? Und sind deiner Missetaten viele, was schadest du ihm?
7 Bist du aber gerecht, was gibst du ihm, und was empfängt er von deiner Hand?
8 Aber ein Mensch wie du leidet unter deiner Sünde, und den Menschenkindern nützt deine Gerechtigkeit.
Larson hat geschrieben: ↑Do 13. Aug 2026, 15:24
Pauls legt aber den Fokus nicht auf das Wort Gottes (gott sprach nie zu paulus), sondern auf seine Vision „Jesus“.
Eine Privatoffenbarung ist auch nicht notwendig. Gott sprach auch zu Paulus durch die Tenach. Mit "seine Vision „Jesus“" meinst du, er hätte eigenwillig was erfunden. Wenn er schon so eigenwillig war, warum hat er sich nicht gleich auf Gott bezogen, anstatt nur auf „Jesus“ ?
Larson hat geschrieben: ↑Do 13. Aug 2026, 15:24
Ja, „Zion“ bedeutet Wegweiser, und was anderes kann Wegweiser für den Menschen sein, als das, was vor dem Ewigen gut ist, als das, was der Ewige dem Volks Israel offenbart hatte, was unabänderlich ist, dem man weder zufügen noch wegnehmen soll?
Und gerade deswegen müssen wir berücksichtigen, dass die Offenbarung komplex ist. Also müssen wir zunächst den Kern offenlegen, um den es dem Offenbarer tatsächlich geht. Und das ist: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. Ich sehe da absolut keinen Widerspruch bei Paulus. Natürlich kann man auch Paulus' Worte missbrauchen und verdrehen. Das wurde und wird ja auch sehr fleißig gemacht.