Helmuth hat geschrieben: ↑Do 4. Jun 2026, 18:58
Ich müsste nun aber meinen, es fehlt der nötige IQ eine aus meiner Sicht klare Frage auch entsprechend zu beantworten.
Ob mein IQ hoch genug ist, kann ich nicht beantworten. Entweder aus Dummheit oder weil das anmaßend wäre. Aber Gedanken lesen kann ich auf jeden Fall nicht.
Ich habe die Diskussion in den letzten Tagen, die über mehrere Seiten geht, nicht mitverfolgt. Auch am dem ursprünglichen Thread, den du verlinkt hattest, war ich nicht beteiligt. Ich habe nur die konkrete Frage an mich beantwortet.
Nun ist es sehr mühsam, dein Anliegen hier rückzuverfolgen. Ich bin aber so nett und habe das mal versucht.
Also dein Problem scheint zu sein ein vermeintlicher Widerspruch zwischen Beinbruch gegen Beinbruch (2. Mose 21,23-25) einerseits und Beinbruch gegen Erstattung des Verdienstausfalls (2. Mose 21,18-21) andererseits. Aus Sicht Gottes ist der dauerhafte Schaden wesentlich. Ein Beinbruch heilt für gewöhnlich und man wird damals schon der Lage gewesen zu sein, das zu behandeln. Implizit scheinst du vorauszusetzen : Beinbruch = Bein ab und zerstört. Interessanterweise ist der Anspruch an Verheilung in 2. Mose 21,18-21 ziemlich niedrig. Es reicht, wenn der Geschädigte wieder aufstehen und an einem Stab gehen kann.
Ausgestochene Augen wachsen nicht nach. Ausgeschlagene Zähne lassen sich nicht wieder einsetzen. Das war damals nicht rekonstruierbar. Abgehackte Hände und Füße wachsen nicht nach und waren damals nicht replantierbar. Brandmale, Wunden und Striemen verheilen zwar, hinterlassen aber mehr oder weniger Spuren. Hier sind wohl Wunden auf der Haut gemeint, die sichtbar blieben und als Entstellung galten.
Den Widerspruch, den du hier vernimmst, den sehe ich nicht unbedingt als zwingend an. Viellecht steht es den Betroffenen bzw. den Richtern frei, sich zwischen dieser oder jener Anwendung zu entscheiden. Aber ich glaube, dass das eigentliche Problem bei der strikten Anwendung der Talionsregel viel tiefliegender ist. Sollte auf gleiche Weise ein Schaden vergolten werden, so könnte der zuerst entstandene Schaden am Opfer nie vollständig identisch ausgeführt werden am Täter. Man weiß nie, welche Folgen das bei einem anderen Menschen haben könnte. Das hängt nicht nur von der Verfassung des Menschen ab, sondern auch von seiner sozialen Einbindung. Die gleiche Art von Schaden hat nicht die gleiche Art von Folgen.
Ich halte die Talionsregel für kein göttliches Gesetz, sondern für ziemlich unmenschlich. Mit der Kodifizierung dieser (schon vorhandenen) Rechtsvorstellung wollte Gott den Israeliten sicher nur vorführen, wohin diese Art von Denken führt und so zu einer grundlegenden Verhaltensänderung bewegen.