Die letzte Zeit wird wieder mehr hier wirklich diskutiert. Und so habe ich gerade mal eine längere Zeit neue Beiträge in den verschiedenen Threads gelesen.
Es fasziniert mich, wie viele verschiedene Meinungen/Auslegungen zu verschiedenen Bibel-Abschnitten von den verschiedenen Menschen es gibt. Fast alle kann ich irgendwie nachvollziehen, wenn ich von unterschiedlichen Lebens-Hintergründen der User ausgehe. Und trotzdem scheint es, als wenn die Spanne zwischen den Glaubenden oft sehr weit geht und sogar widersprüchlich klingt.
Und während ich so lese und drüber nachdenke, fällt mir wieder eine Episode aus vergangenen Zeiten ein - als ich in einer Bibelschule studierte, während ein Vortrags-Reihe von
Prof.Dr.Wilder-Smith über "die Schöpfung" und der "Evolutionstheorie" stattfand.
An einem Tag las er zu Beginn den Text aus
1.Kor.42-49 vor.
Danach stellte er ganz allgemein die Frage: "Habt ihr das alle Alle verstanden"?
Ganz brav nickten wir alle. Er fragte: "Wirklich"? - Da wurde es schon etwas zögerlicher. Aber wir waren ja in einer Bibelschule. Und wenn wir aufgepasst haben, dann gab es ja für fast alles irgendeine Erklärung.
Der Professor meinte dann ganz trocken: "Dann kann ich euch ja nichts Neues mehr erzählen - denn ich verstehe es nicht wirklich".
Ich habe in diesem Moment verstanden, dass es mit dem Verstehen von den Texten der Bibel so eine Sache ist ... was bei den jeweiligen Zuhörern und Beobachtern an Erfahrungen aus dem eigenen Leben mit eingeflochten wird. Und nicht zuletzt auch genau das, was man an Auslegungen der Bibeltexte schon verinnerlicht hat.
Für mich persönlich ist es (m-)ein Lebenswerk, verbunden mit unaufhörlichem Lernen, Bibeltexte zu lesen, unter Ausschluss der Lehren, welche ich anfangs für die einzige Wahrheit hielt. Denn ich bin praktisch mit der Bibel aufgewachsen, und habe von Kindheit an die menschliche Auslegung aufgenommen. So war es immer auch wieder auch "Arbeit", das ganze Drumherum in den Hintergrund zu stellen und das Vordergründige versuchen zu verstehen.
Für mich hat sich inzwischen heraus kristallisiert, dass es nicht darauf ankommt, dass man die Texte "richtig" versteht, als die Wahrheit. Sondern nur darauf, dass
ich (der einzelne Mensch) den Weg zu Gott finde. Und dazu ist Jesus als Mensch in die Welt gekommen: dass Menschen den Weg zu Gott finden - jeder auf seinem Weg. Und dass man dran bleibt an IHM. Das ist das Leben, was wirklich Sinn macht: dran bleiben am Schöpfer, weil ER die einzige Wahrheit IST.
Glauben (an Gott) funktioniert nicht, indem man "über" den Glauben redet, sondern indem man Glauben LEBT.
Sichtbar werden die Spuren indem sie hinführen zu Gott. Denn Gott findet man nur bei Gott selbst.