Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Di 3. Mär 2026, 16:37Ja, das kann er auch gar nicht, denn im Judentum glaubt man tatsächlich an einen allmächtigen Gott und nennt ihn nicht nur so, um das Gegenüber einzuschüchtern...
Ich vermute, es gibt sogar innerhalb der christlichen Denkrichtungen Unterschiede in der Betonung - vielleicht letztlich sogar von Person zu Person, weil jeder Gläubige versucht, seinen Glaubensansatz "konsistent" zu halten und bei der Glaubens-Disziplin kommt es auf die persönlichen Vorlieben an.
Mich hat es z.B. erstaunt, dass das Jesus-Sühneopfer von manchen Theologen auf das Konzept der Lehnsherrschaft aus dem 11. Jhd. zurückgeführt wird (
Link).
Da kommt es also irgendwann im Gesellschaftskonzept zu einer Modeerscheinung und schwubs, schon hält dies Einzug in das Glaubensgebäude (vermutlich über einen Slogan à la "Gott gegebene Ordnung - Alternativlos"). Die Modeerscheinung ist irgendwann wieder weg, aber das Glaubensgebäude wird nicht mehr korrigiert.
Spätere Gläubige versuchen dann unter Annahme eines "durchweg von Gott stammendes Wortes" den Text zu verstehen, basteln sich "den richtigen Weg" zusammen, wissen aber gar nicht, welch Konstrukt sie da folgen.
Die Annahme, dass der Text unter prophetischer und inspirierter Höchstleistung zustande kam, ist ausserordnetlich optimistisch - oder anders gesagt: "nö, nie und nimmer".
Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Di 3. Mär 2026, 16:37"Das Böse" klingt immer so nach einer mysteriösen Kraft, welche Gott entgegenstünde, die aber selten schlüssig erklärt wird.
Irgendwie ist es eine Tendenz von Religion (insbesondere "Erlösungsreligionen"), dass man Probleme aufgeschnallt bekommt, die man ohne die Religion gar nicht hätte.
Beim Herumbasteln an "das Böse" läuft Religion quasi zur Höchstform auf. Letztlich ist das eine amorphe Masse, die je nach Schreckensbedürfnis der elitären Gläubigen geformt wird.
Beweisen muss es niemand und nirgendwo wird eine Qualität oder Funktion überprüft - Motto: "bringt uns dieses ganze negative Denkzeugs irgendetwas?".
Wenn man es genau nimmt, verankern die Gott-Religionen mit ihrer Paradies-Geschichte den negativen Aspekt direkt im göttlichen Entwurf, also in der göttlichen Idee und gar nicht erst in einem "Gegenspieler".
Die Möglichkeit, dass sich die Menschen im Paradies falsch verhalten, ist ja letztlich (bei diesem religiösen Ansatz) per göttlichem Design explizit hinterlegt, ohne dass man den Begriff "das Böse" benötigt.
Die Dichter und Denker wollten halt irgendwie darauf hinaus, dass die Situation der Menschheit einen gigantischen Schaden enthält, der die Folge eines Fehlverhaltens sein muss.
Da ist nirgendwo Schönheit im Versuch die Welt zu interpretieren, sondern reichlich destruktive Ausrichtung vorhanden.
Dadurch wird Religion eigentlich nicht zu einem Verbesserungsversuch, sondern packt erst einmal eine deutliche Schadenshypothek auf den Rücken des Gläubigen.
Auch wenn es komisch klingt, aber mit dem Begriff "Schadenshypothek" ist man ganz nahe an der Rahmengeschichte des Christentums.