Helmuth hat geschrieben: ↑Mo 15. Jun 2026, 18:45
Dein letzter Post zeigt ein versöhnliches Bild, dem ich gerne nachkomme. Ich vergebe dir deine Übergriffe und bitte desgleichen auch meine zu vergeben. Das Sachthema wird für mich völlig uninteressant, wenn die Bruderschaft darunter leidet. Sie hat jedenfalls Vorrang. Das ist mein erklärter Wille.
Volle Zustimmung!
Danke für deine Worte, nehme sie alle zur Kenntnis.
Helmuth hat geschrieben: ↑Mo 15. Jun 2026, 18:45
Wenn es dem Heiligen Geist nun gefällt, dann fange ich so an: Immer noch meine ich, dass die drei Korrektive das Um und Auf unseres Glaubens sind. Falls diese Prämisse schon falsch ist, dann erläutere das. Ich baue auf ihr auf, ersetze nun aber den Begriff "Gewissheit" durch "Verbindlichkeit". So frage ich zunächst:
- Wie verbindlich ist für dich die Leitung durch den Heiligen Geist?
- Wie verbindlich ist für dich die Heilige Schrift?
- Wie verbindlich ist für dich dein persönliches Gewissen?
Beantworte ich dir gerne, aber ein paar erklärende Worte muss ich dazuschreiben, damit du meine Ansicht verstehst. Sie unterscheidet sich in ein, zwei Punkten doch sehr von deiner.
- Wie verbindlich ist für dich die Leitung durch den Heiligen Geist?
Die Leitung durch den Heiligen Geist ist für mich verbindlich. Aber ich muss erklären, wie ich diese Leitung wahrnehme. Der Heilige Geist führt mich durch das praktische Leben und durch seine Wirkung bin ich in der Lage, die Früchte des Geistes hervorzubringen. Er tröstet mich, wenn ich die Hoffnung verliere, und lässt mich das Ziel niemals aus den Augen verlieren. So sieht für mich die Leitung des Heiligen Geistes in meinem persönlichen Leben aus.
Aber wenn es um verbindliche Glaubensfragen geht, dann sehe ich die Leitung des Heiligen Geistes nicht als direkte individuelle Privatleitung jedes einzelnen Christen, sondern als Leitung der Kirche. Das möchte ich dir auch schriftlich belegen.
Johannes 16,13 hat geschrieben: Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.
Der Herr Jesus verhieß seinen Jüngern den Heiligen Geist und sagte, dass der Geist sie in die ganze Wahrheit leiten würde. Ich verstehe das so, dass der Geist die Gemeinschaft (die Kirche) in die Wahrheit führen würde, nicht aber auf individueller Basis, sondern im Kollektiv, als Bundesvolk. Ich verstehe die Leitung in diese Wahrheit nicht als private Einzelgewissheit, sondern im apostolischen Zusammenhang mit der ganzen Kirche Christi.
1. Timotheus 3,15 hat geschrieben:wenn ich aber zögere, damit du weißt, wie man sich verhalten muss im Hause Gottes, das die Gemeinde des lebendigen Gottes ist, Säule und Fundament der Wahrheit.
Die Gemeinde (Ekklesia) ist das Fundament der Wahrheit, in die der Heilige Geist die Jünger Jesu geleitet hatte. Auch hier zeigt sich, dass die Wahrheit nicht auf individueller Basis in persönlichem Gebet und der Schriftauslegung zu finden ist, sondern in der Gemeinde, die vom Heiligen Geist in die ganze Wahrheit geleitet wird.
Apostelgeschichte 15,28 hat geschrieben:Denn es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen als diese notwendigen Stücke:
Wenn die Kirche zusammenkommt, um verbindliche Glaubensfragen zu lösen, so geschieht das in Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist. Die Leitung geschieht nicht auf individueller Basis (ich bete zum Heiligen Geist um Wahrheit und finde diese), sondern auf kollektiver Basis (der Heilige Geist leitet die Kirche und diese verkündet die volle Wahrheit).
Epheser 4,11–14 hat geschrieben:Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, […] ⟨Denn⟩ wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ⟨ihre⟩ Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum.
Mein letztes Zitat hier. Das zeigt meiner Meinung nach ganz deutlich, dass die Leitung des Geistes
bezüglich der Lehre eben nicht auf persönlicher Basis basiert, sondern durch die von Christus gestiftete Ordnung in der Kirche stattfindet. Wir sollen nicht auf die windigen Lehren der Menschen hören, sondern auf die Hirten und Lehrer, die im Einklang mit dem Heiligen Geist die volle (objektive) Wahrheit verkünden.
Dass ich diese Gemeinde in der katholischen Kirche verwirklicht sehe, ist wahrscheinlich kein Geheimnis. Der hier präsentierte Gedankengang ist die Begründung für den Leitungsanspruch der Kirche. Ich weiß, für dich ist das Hirn abschalten und Dogma schlucken, aber für mich ist es die Ordnung des neuen Bundes, der, wie auch der alte Bund, keine Anarchie darstellt.
- Wie verbindlich ist für dich die Heilige Schrift?
Objektiv absolut verbindlich. Die Schrift verstehe ich als unumstößliches Wort Gottes, an das sich jeder Christ kompromisslos halten sollte. Es enthält die Bundesbedingungen und zeigt uns den Weg zum Heil.
- Wie verbindlich ist für dich dein persönliches Gewissen?
Da bin ich vorsichtiger. Das persönliche Gewissen ist für mich nicht absolut. Ich bin mir meiner Sündhaftigkeit bewusst, und wie schon Paulus sagte: "nicht, was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus." Mein Gewissen, geleitet durch den Heiligen Geist, überführt mich dieser Sünde im Nachhinein, aber ich würde mein Gewissen nicht als korrektiv-taugliches Element neben den Geist Gottes und die Schrift stellen.
Ich würde es so formulieren: Mein Gewissen ist insofern verbindlich, dass ich nicht dagegen handeln darf, aber ich halte es nicht für absolut wahrheitsstiftend.
Jeremia 17,9 hat geschrieben:Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus?
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Ich weiß, dass du mir hier nicht zustimmen wirst, vor allem was die Geistleitung angeht. Wir müssen das auch gar nicht hier ausdiskutieren, denn es scheint ein wenig OT zu gehen, aber ich wollte es einmal ausformuliert haben, damit du meine Sicht nachvollziehen kannst. Dachte, das könnte für unseren Dialog hier nützlich sein.
Was immer ein endliches Wesen begreift, ist endlich.
- Hl. Thomas v. Aquin