Sie musste nicht. Aber sie war versuchbar. Und das ist der Punkt, der den Unterschied macht, zu dem Leben im Paradies und nachher außerhalb davon.
Wenn ich manchmal über meine eigenen (Re-)Aktionen und Fehl-Entscheidungen im Rückblick nachdenke, dann habe ich oft den Eindruck, ich wäre in den verschiedenen Situationen ein anderer Mensch.
Das liegt dann nicht daran, dass ich gewusst hätte, was "richtig" gewesen wäre. Aber ich war schwach. Manchmal wegen körperlichen Schmerzen oder psychische Verletzungen, die mir zugefügt wurden. Manchmal wegen Sehnsüchten, die nicht erfüllt wurden. Meine Erfahrungen und meine Grenzen haben mich schwach gemacht. Es gab irgendwo Mangel, für den ich einen Ersatz suchte... oft unbewusst.
In dem Moment erscheint es mir manchmal, als sei ich nicht ich selbst gewesen. Im Rückblick denke ich dann, ich hätte es wissen müssen. In dem entscheidenden Moment war dieses Wissen weit entfernt. Ich war versuchbar wegen Mängel, welche Gefühle in mir bewegten, diese Lücken zu füllen.
Und manchmal denke ich dann im Rückblick: ich konnte doch gar nichts dafür. Weil ich den Mangel nicht so deutlich als solchen wahrgenommen habe und auch die "Füllung der Lücke" mir Heilung versprach. Erst am Ausgang, wenn es schief gelaufen ist, frage ich mich manchmal: warum habe das getan?
Im Garten Eden wurde Eva erst von der Schlange dazu gebracht, einen Mangel zu fühlen - sie wurde versuchbar. Eva wusste nicht, was Gut oder Böse bedeutet. Es war etwas Göttliches, das sie nicht verstand - und glaubte, ihr würde etwas fehlen, wenn sie es nicht probierte. Erst als sie aß, wusste sie es. Nur, dass es da keinen Weg zurück mehr gab.