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Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Verfasst: Sa 27. Jun 2026, 11:35
von Rilke
Helmuth hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 07:25 Ich würde daher zuerst gerne deine Sicht hören, was das Gewissen ist. Dann gebe ich meine Sicht dazu und wir gleichen es ab. Da es ein biblischer Begriff ist, so haben wir dazu auch eine entsprechende Wortgrundlage.

Dazu auch eine Frage von mir: Im AT finde ich diesen Begriff in der Art nicht. Aber es könnte ein wortverwandter sein. Hast du eine Ahnung welcher das sein könnte? Ich forsche dazu selbst mal nach.
Gute Frage!
Das Gewissen ist für mich das innere Urteil unserer praktischen Vernunft, die uns dazu ermächtigt, das Gute vom Bösen zu unterscheiden und dementsprechend zu handeln.
Was ich entschieden ablehne ist die Idee eines Gefühls oder einer inneren Stimme, im Sinne von 'Was fühlt sich richtig an?', denn das kann definitiv täuschen. Diese Form des Gewissens "erschafft" sozusagen die subjektive Wahrheit, nach der man zu handeln glaubt, brandgefährlich meiner Meinung nach.

Gegen das (wahre) Gewissen kann ein Mensch demnach auch sündigen. Wenn man erkennt, dass etwas böse ist und es trotzdem tut, handelt man schuldhaft. Jedoch kann man subjektiv davon überzeugt sein, dass man richtig handelt, und objektiv trotzdem falsch liegen. Das Gewissen muss also gebildet werden, und das geschieht für den Christen durch die Offenbarung Gottes.
Passend zum vorherigen Post würde ich noch hinzufügen, dass jeder Mensch ein Gewissen hat und im Lichte dessen beurteilt wird, je nachdem, was er erkannt hat oder hätte erkennen können. Aber dieses Gewissen ersetzt nicht die Gnade Gottes, durch die allein wir errettet werden können. Es gibt demnach keinen zweiten Heilsweg neben Christus.
Helmuth hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 07:25 Dazu auch eine Frage von mir: Im AT finde ich diesen Begriff in der Art nicht. Aber es könnte ein wortverwandter sein. Hast du eine Ahnung welcher das sein könnte? Ich forsche dazu selbst mal nach.
Tatsächlich denke ich hier an das Herz. Stimmst du mir da zu?

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Verfasst: Sa 27. Jun 2026, 13:26
von Helmuth
Rilke hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 11:35 Das Gewissen ist für mich das innere Urteil unserer praktischen Vernunft, die uns dazu ermächtigt, das Gute vom Bösen zu unterscheiden und dementsprechend zu handeln.
Da liegen wir schon auseinander. Also ist es gut, das zuerst zu klären. Ein Urteil bildet der Geist, aber das Gewissen war zuvor tätig, und aufgrunddessen trifft dein Geist z.B. eine Entscheidung. Das Gewissen selbst trifft keine Entscheidung, da es m.E. nonverbal wirkt, d.h. damit sind keine Gedanken verbunden, sondern es belastet dich.

Das Gewissen ist dein inneres gottgegebenes Alarmsystem. Aus meiner Berufswelt ist mir dazu bestens das Bild eines Alarmsystems vertraut. Wir hatten die Zusände grün für kein Alarm, gelb für Warnung und rot für kritisch.

Damit geht die Intensität der Gefühle deiner Seele einher. Sie ist entweder ganz ruhig - grün - bis hin zu völlig aufgewühlt - rot.

Im Grünbereich kannst du weitermachen wie bisher, im Gelbbereich wirst du gewarnt, ansonsten geht dein System "Mensch" irgendwann kaputt und im Rotbereich stehst du quasi vor einem Desaster.

Der Hauptauslöser dafür sind äußere Einflüsse, wie z.B. eine für dich unerhoffte Nachricht, oder der Klassiker: Die Überführung einer Sünde durch Mitmenschen. Ich denke, dass Gott selbst dieses System steuert und kein anderer, darum ist es ein Korrektiv.
Rilke hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 11:35 Was ich entschieden ablehne ist die Idee eines Gefühls oder einer inneren Stimme, im Sinne von 'Was fühlt sich richtig an?', denn das kann definitiv täuschen.
Hier aber sehe ich das Gewissen am Werk. Ja, es kann täuschen, das ist Tatsache, was aber daran liegt, dass es nicht zurechgeformt wurde, oder du dir unsicher bist, was richtig und falsch ist. Die Unsicherheit wirkt ebenso belastend auf dein Gemüt. Hattest du so was noch nie? Ich laufend. ;)
Rilke hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 11:35 Diese Form des Gewissens "erschafft" sozusagen die subjektive Wahrheit, nach der man zu handeln glaubt, brandgefährlich meiner Meinung nach.
Du sagst Wahrheit. Darüber spreche ich jetzt nicht. Wie es korrigierend wirkt, dazu müssen wir erst die Grundlage der Arbeitsweise verstehen. Das Gewissen denkt nicht, sondert vermittelt dir in der Tat einen spürbaren Eindruck negativer Art. Dieser ist nonverbal, d.h. es sind keine Worte, sondern die Seele wird stimuliert.

Wir sagen aus gutem Grund es wird belastet. Dazu gibt es unterschiedliche Ausdruckweisen, wie: Ich fühle mich schlecht, es gefällt mir nicht, es geht mir gegen den Strich, meine Stimmung ist im Keller, was auch immer, es ist die Folge eines belasteten Gewissens.
Rilke hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 11:35 Tatsächlich denke ich hier an das Herz. Stimmst du mir da zu?
Ja, soweit ich nun recherchiert habe, komme ich dazu auch, aber im Gegensatz zur geistlichen Ebene wirkt es tatsächlich auf die physische Ebene des Körpers ein, sodass es schlechte Gefühle auslöst. Ein reines Gewissen verursacht das nicht, ein unreines sehr wohl.

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Verfasst: Sa 27. Jun 2026, 19:25
von Rilke
Helmuth hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 13:26 Das Gewissen ist dein inneres gottgegebenes Alarmsystem. Aus meiner Berufswelt ist mir dazu bestens das Bild eines Alarmsystems vertraut. Wir hatten die Zusände grün für kein Alarm, gelb für Warnung und rot für kritisch.

Damit geht die Intensität der Gefühle deiner Seele einher. Sie ist entweder ganz ruhig - grün - bis hin zu völlig aufgewühlt - rot.

Im Grünbereich kannst du weitermachen wie bisher, im Gelbbereich wirst du gewarnt, ansonsten geht dein System "Mensch" irgendwann kaputt und im Rotbereich stehst du quasi vor einem Desaster.

Der Hauptauslöser dafür sind äußere Einflüsse, wie z.B. eine für dich unerhoffte Nachricht, oder der Klassiker: Die Überführung einer Sünde durch Mitmenschen. Ich denke, dass Gott selbst dieses System steuert und kein anderer, darum ist es ein Korrektiv.
Hm, ich weiß nicht, Helmuth. Ich finde dein Beispiel mit dem Warnbereich gut dargestellt und anschaulich, aber ich denke damit beschreibst du nicht das Gewissen selbst, sondern eher eine Begleiterscheinung des Gewissens.
Was ich damit meine, ist, dass das Gewissen, wie du es beschreibst, eine Gefahr wahrnehmen kann, aber nicht zwischen objektiv Gutem und Bösen unterscheiden kann.
Bitte verbessere mich, falls ich dich falsch verstanden habe.
Helmuth hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 13:26 Hier aber sehe ich das Gewissen am Werk. Ja, es kann täuschen, das ist Tatsache, was aber daran liegt, dass es nicht zurechgeformt wurde, oder du dir unsicher bist, was richtig und falsch ist. Die Unsicherheit wirkt ebenso belastend auf dein Gemüt. Hattest du so was noch nie? Ich laufend. ;)
Aber ein Gefühl der Belastung drückt nur aus, dass dich etwas belastet, es deutet jedoch nicht darauf hin, ob etwas gut (konform mit dem Willen Gottes) oder schlecht (gegen den Willen Gottes) geht. Das Gewissen kann belastet sein, obwohl man nichts objektiv Schlechtes getan hat - und andersherum.

Verbunden mit deinem vorherigen Beispiel würde ich sagen, dass dein Gewissen als nonverbales Alarmsystem zwar einen Alarm auslösen kann, aber ihm jede Urteilsfähigkeit fehlt. In einer Welt der Moral benötigt es jedoch genau das.
Dabei will ich nicht sagen, dass dein Beispiel brauchlos wäre, unser Gewissen kann durchaus als Alarmsignal dienen, aber es sollte nicht darauf reduziert werden.