Offener Austausch zur Rahmengeschichte des Christentums

Hiob
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Re: Offener Austausch zur Rahmengeschichte des Christentums

Beitrag von Hiob »

Sara Funkelstein hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 17:34 Mit seiner Wahl entscheidet der Mensch sich (zwischen "gut" und "böse")
Worte wie "Wahl" und "Entscheidung" sind meistens inhaltlich leer. A+E können gar nicht zwischen gut und böse wählen, weil sie erst nach dem Essen vom "Baum der Erkenntnis von gut und böse" erkennen können, was gut und böse ist - und das auch nur in Ansätzen. - Es gehört zu den säkularen Religionen, das Ich in den Mittelpunkt zu stellen und für alles einen SChuldigen benennen zu können. Mit "säkular" meine ich auch die weltlichen Kontaminierungen innerhalb der Kirchen und Denominationen. Wäre die Kirche im Mittelalter nicht eine weltliche Macht gewesen, hätte sie das "mea culpa" nicht gegen die Menschen instrumentalisiert.
Sara Funkelstein hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 17:34 ch finde, die verschiedenen Masken sollte man nicht vermischen. Die Schlange in Eden macht was anderes als der Satan bei Hiob oder der Teufel des NT
Es sind verschiedene Offenbarungsformen desselben Prinzips.
Sara Funkelstein hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 17:34 Damit ist gemeint, dass Mensch moralische Zuordnungen treffen kann (gut vs böse).
Zustimmung. Allerdings gibt es da einen Strickfehler: Auch heute werden die meisten Sünden (alias Verstoß gegen das Gute, also böse) begangen, ohne dass dem Menschen bewusst ist, dass er sündigt.
Sara Funkelstein hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 17:34 Wieso denkst du, sie würde sich nicht bewusst entscheiden? Sie hat doch in dem Augenblick begriffen, dass es die Möglichkeit gibt, ihrem eigenen Willen zu folgen.
Hat sie nicht. Sie denkt nicht an moderne Ritualworte wie "freier Wille". Sie sieht etwas, das lecker aussieht, was sie gerne er-leben würde. Und als die Schlange sagt "Nee - kannst Du futtern. Ich weiß, dass Gott das anders gemeint hat", fühlt sie sich abgesichert und greift zu. Es ist keine Willens-, sondern eine Triebhandlung. Siehe 3Jährigen und unbewachtes Marmeladenglas auf dem Tisch.
Sara Funkelstein hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 17:34 Es hat seinen Grund, warum die Schlange gerade sie anspricht
Bevor Adam durch "Entnahme der Rippe" zum Mann wurde, war er der einzige Mensch, der je in alternativloser Orientierung zu Gott stand - war ja sonst keiner da. - Eva dagegen kennt von Anfang an nur den Dualismus von Mann und Frau, kennt es also nicht anders, als dass es eine Orientierungs-Alternative zu Gott gibt - nämlich der inzwischen zum Mann gewordene Adam. Eva ist offener für Alternativen, weil es den Dualismus schon gab, als sie geschafffen wurde.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 17:53 Und warum soll der Weg zum Baum des Lebens dann versperrt gewesen sein ?
Erstmal. - Weil der MEnsch erstmal durch seinen heilsgeschichtlichen Bewusstseins- und Erkenntnisweg gehen soll.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 17:53 Aber nicht mal im weiteren Verlauf ist ein Nachsinnen erkennbar.
Weil die Sache gegessen ist. Außerdem waren A+E ja nicht schlagartig geistige Bewusstseinsriesen. Das hat sich alles erst entwickelt.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 17:53 Wahrscheinlich hielten sie sowas Banales wie Essen einer Frucht gar nicht der Rede wert darüber nachzudenken, was daran falsch gewesen sein soll.
Denke ich auch. Sie merken nur, dass sie jetzt nackt sind - was eine erhebliche Erkenntnisleistung ist, die sie vorher nicht hatten. Aber kapiert haben sie ganze Sache nicht.

Stelle Dir vor, einer von uns verliert bei einem Unfall ein Bein. Du wirst danach nicht als erstes fragen "Wer war schuldß", sondern "Was mache ich jetzt?". Selbsterhaltungstrieb.

Nebenbei: Hiob wird bestraft, obwohl er nachweislich nichts falsch gemacht hat (das ist ja die Rolle der drei Freunde, dies nachzuweisen). Er ist da weiter als A+E, indem er sagt "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen". Ohne SChuldzuweisungen.
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Re: Offener Austausch zur Rahmengeschichte des Christentums

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Hiob hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 18:49 Weil der MEnsch erstmal durch seinen heilsgeschichtlichen Bewusstseins- und Erkenntnisweg gehen soll.
Einen Bewusstseins- und Erkenntnisweg hätten sie so oder so gehen müssen. Umzukehren ist ja kein einfacher Schritt.
Offenbarung 1,3 Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe!
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Re: Offener Austausch zur Rahmengeschichte des Christentums

Beitrag von Hiob »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 19:26 Einen Bewusstseins- und Erkenntnisweg hätten sie so oder so gehen müssen.
Aber nicht im Garten Eden, weil das in dessen geistig idealem Raum ("gut") nicht möglich ist.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 19:26 Umzukehren ist ja kein einfacher Schritt.
Stimmt - allein deshalb nicht, weil man erst kapieren muss, dass man auf dem falschen Weg ist. A+E wussten es, als sie die Reaktion Gottes über sich ergehen lassen mussten. Aber sie wussten nicht unbedingt, warum. Insofern wäre eine schnelle Umkehr sinnlos gewesen - deshalb die Cherubim zum Bewachen.
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Re: Offener Austausch zur Rahmengeschichte des Christentums

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Hiob hat geschrieben: Mi 11. Mär 2026, 23:21 Aber nicht im Garten Eden, weil das in dessen geistig idealem Raum ("gut") nicht möglich ist.
Noch innerhalb des Gartens wäre eine echte Umkehr auch ziemlich unwahrscheinlich. Trotzdem wäre irgendeine protestierende Regung erwartbar gewesen. Wenigstens erst mal Krokodilstränen. Aber auch außerhalb des Garten Edens ist nichts diesbezüglich passiert. Die Menschen nehmen die außerparadiesische Härte einfach so hin, vielleicht weil sie auch ein wenig stolz auf ihre stoische Widerstandskraft sind und sich nun gegenseitig beweisen können, was sie ohne Gott zu leisten im Stande sind.
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