Magdalena61 hat geschrieben: ↑Mo 21. Sep 2026, 15:44
Die Bereitschaft, "Nächstenliebe" zu praktizieren, also, aus freien Stücken Fürsorge zu üben und anderen zu dienen, wird immer wieder ausgenützt. Und irgendwann ist man in der Situation, dass man zu einer pervertierten Form von "Nächstenliebe" gedrängt wird, und dass man damit überfordert ist und spürt: Hier läuft etwas falsch.
Aber aus solchen Situationen kommt man kaum noch heraus. Der oder die Nutznießer der Leistung reagieren u.U. mit Ärger und emotionaler Bestrafung oder anderen Rüpeleien, weil es für ihn oder sie sehr bequem war, die Zuwendung/ das Engagement zu genießen.
Unter Zwang eine Dienstleistung zu erbringen ist keine Nächstenliebe sondern:
- wenn man sich nicht wehren kann: schlichtweg Überlebenskampf
- wenn man genug Kräfte hat ein Gegenpol zu sein: Unterstützung der Sucht.
Dem Alkoholiker den Bierkasten hinzustellen ist halt genau eben nicht Nächstenliebe.
Wer hat den Erziehungsauftrag? In der Welt ist soziale Verelendung ein Rechenergebnis. In der Christenheit sollte die Gemeinde für dich da sein. Wo war die?
Magdalena61 hat geschrieben:
Irgendwann fällt einem auf: Vieles in meinem Leben ist aufgedrückt, künstlich... ich versuche, mich den Erwartungen anderer anzupassen, aber in Wirklichkeit kann ich mich innerlich nicht damit identifizieren, bin also nicht überzeugt davon, dass Gott dieses von mir verlangt.
Erwartungen anderer sind ja auch nicht dazu da erfüllt zu werden, sondern sie sollen in Frage gestellt werden!
Ob eine andere Person jetzt meint ich solle etwas tun - warum? Weil die das so will? Oder weil die denkt, Gott will das so? Das sind zwei unterschiedliche Themen.
Das eine ist Gruppendynamik das andere ob wir überhaupt das gleiche glauben.
Magdalena61 hat geschrieben:
Aber andere Vorgaben/ Empfehlungen, die in evangelikalen Kreisen üblich sind, sind eventuell auch nur "äußerlich" und "frommes Ritual" und haben wenig bis keinen Einfluß auf den geistlichen Status. Dazu zählen teilweise sogar ganze "Gottesdienste".
Sicher, die evangelikalen Gemeinden sind genauso wie die Altkirchler in einem Ritualsdienstwesen erstarrt. Bei den einen ist es eher Mittelalter-Larping und bei den anderen eher Muppet Show, aber das Grundproblem ist das gleiche.
Magdalena61 hat geschrieben:
Also: Sündenfrei werden wir mit Sicherheit nicht werden in diesem Leben.
Jesus sagt, wir sollen vollkommen sein.
Deshalb muss man sich Gedanken machen, was man noch verbessern kann.
Wir sollen vollkommen sein, aber werden nie frei von Sünde sein? Das ist in sich widersprüchlich.
Die Christen zur Zeit der Apostel hatten diese Widersprüche noch nicht. Die sind erst später dazu gekommen.
Jetzt hast du das Problem, du willst irgendwas erreichen, wovon du glaubst, daß du das nicht erreichen kannst. Versuchst es aber trotzdem.
Das ist meines Erachtens ein (bekannter) Irrweg.
Magdalena61 hat geschrieben:
Jetzt sind wir beim Thema.
Ja, ich nehme jetzt als erstes den ersten Deiner Verse vor, let's see…
Magdalena61 hat geschrieben:
1. Thess.4,3; 7 (NLB): Gott möchte, dass ihr heilig seid; deshalb sollt ihr nicht unzüchtig leben.
Gott hat uns dazu berufen, heilig zu leben, und nicht, ein unreines Leben zu führen.
Bei Bibelversen habe ich immer gerne: ich verstehe sie auch.
Deswegen bemühe ich immer den guten Herrn Kontext, dessen Dienste sind super.
Hier ist das ab Kapitel 4 das fängt dann an mit:
Weiter, liebe Brüder, bitten wir euch und ermahnen in dem HERRN Jesus (nach dem ihr von uns empfangen habt, wie ihr solltet wandeln und Gott gefallen), daß ihr immer völliger werdet.
Okay, also der Apostel fängt einen neuen Abschnitt an und bittet um den guten Lebenswandel, das ist da jetzt Thema.
Wie genau das da steht, dazu muss man natürlich in den Urtext schauen, der uns Gott sei Dank erhalten geblieben ist, aber später.
Dann geht das also so weiter…
…ich würde sagen, der Abschnitt geht bis Vers 5.
1 Weiter nun, ihr Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, daß ihr in dem, was ihr von uns gelernt habt, nämlich wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt, noch mehr zunehmet. 2 Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. 3 Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr euch der Unzucht enthaltet; 4 daß jeder von euch wisse, sein eigenes Gefäß in Heiligung und Ehre zu besitzen, 5 nicht mit leidenschaftlicher Gier wie die Heiden, die Gott nicht kennen;
Das Wort "Heiligung" wird hier zweimal übersetzt, Ver 3-4.
In Vers 1 ist gleich das Problem, Paulus spricht darüber, was er mit den Thessalonichern besprochen hatte:
"in dem, was ihr von uns gelernt habt, nämlich wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt"
- was hatte er denen gesagt?
Uns fehlt dieser Kontext, wir waren nicht dabei.
Aber des Rest des Verses "noch mehr zunehmet." scheint davon zu sprechen, was du auch meintest mit dem "vollkommen werden".