Die Lehre des Paulus

Antworten
Benutzeravatar
Larson
Beiträge: 6978
Registriert: Do 30. Sep 2021, 13:49
Wohnort: CH

Die Lehre des Paulus

Beitrag von Larson »

Es wird mir ein Amoklauf vorgeworfen, und dass ich angeblich nichts zu sagen hätte oder auch dass NT und AT so schön harmonieren…

Diese Behauptungen sind natürlich total falsch, denn von einem Amoklauf kann keine Rede sein, und zu sagen… naja, ich hatte von Jesaja geschrieben, Wegen dem Eckstein, Dewarim usw, wo ich einige Dinge, was in der Tenach steht, aufgezeigt hatte.

So möchte ich nun mal etwas wegen Paulus sagen, und zwar, was ich manchmal erwähne, die Verdrehung der Zitate aus der Tenach, um sie für seine eigene Lehre zu missbrauchen:

Römer 11
Was ja „gut“ gemeint beginnt, mit den ausgebrochenen Zweigen, und dass man sich nicht dessen rühmen soll, oder sich überheben soll, nun selber eingetropft zu sein (wobei hier zu bedenken wäre, dass die Früchte von wilden Zweigen ihren Charakter beibehalten und deshalb nicht veredelt werden), aber es blieben die guten zweige immer noch am Stamm (auch ohne eine christliche Lehre), so spricht dann Paulus plötzlich von „Geheimnis“ einem Mysterium (V26), das er nun „erklären will.
Jes 48,16 Naht euch zu mir, hört dieses! Ich habe vom Anfang an nicht im Verborgenen geredet; von der Zeit an, da es wurde, bin ich da. – Und nun hat der Herr, HERR, mich gesandt und sein Geist. / … Jetzt aber hat Gott, der Herr, mich gesandt, — sein Geist.
Paulus selber schiebt seine eigen Lehre in ein Mysterium, aber Gott sagt: „Habe ich etwas gesagt, war es im Verborgenen? Es war nichts Geheimnisvolles an dem, was ich sagte, von all den Dingen seit Anbeginn der Zeit.“. Es ist und war nichts verborgen, was nun auf einmal offen gelegt werden müsste.

Schon hier behauptet Pauls etwas: „…bis die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird;“
Nirgends in der Tenach wird solches erwähnt.

Das Exil ist wegen der Schuld Israels, und nicht die Absicht Gottes, sich eine Vollzahl aus den Nationen gemäss der Lehre des Paulus zu bilden. Und wen Israel ins Galut geschickt wird, so sollen die Nationen an Israel Gottes Walten erkennen und lernen, auf dass sie dem alleinigen Gott die Ehre geben.
Hes 36,23-24
23 Und ich werde meinen großen Namen heiligen, der entweiht ist unter den Nationen, den ihr entweiht habt in ihrer Mitte. Und die Nationen werden wissen, dass ich der HERR bin, spricht der Herr, HERR, wenn ich mich vor ihren Augen an euch heilige.
24 Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch sammeln aus allen Ländern und euch in euer Land bringen.
Paulus zitiert danach, um sein Ideologie zu untermauern:
Röm 11,26-27
26 und so wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: „Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden;
27 und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde“.
„Ganz Israel“, die Tenach spricht von einem geläuterten Israel (Jes 1,25-27; Hes 20,38) wobei ja Paulus vorher erwähnte, dass ja Zweige ausgebrochen werden. Rettung setzt individuelle Umkehr (Teschuva) voraus. Dis aber nur nebenbei.

Zum Zitat von Paulus V26
„Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden;
Der Vers wird hier aus der LXX zitiert, aber der ursprüngliche hebräische Text lautet etwas anders, so wie es selbst in chr. Bibel wiedergeben wird:
Jes 59,20)Und ein Erlöser wird kommen für Zion und für die, die in Jakob von der Übertretung umkehren, spricht der HERR.
So Elberfelder, aber auch ähnlich Schlachter, Luther, Menge usw

Es steht „ein“ Erlöser, also unbestimmt, und Paulus suggeriert mit „der Erlöser“, dass dieser nun Jesus sei.
Weiter steht nicht: „…aus Zion wird kommen…“, sondern „für Zion“ לְצִיּוֹן֙ (lᵉZijon) .
„Aus Zion“ (Ps 14,7; Ps 50,2 u.w.) würde מִצִיּוֹן (miZijon).
Selbst die LXX schreibt: „um Zions willen“.

Also Paulus verkehrt die Aussage in Jesaja 59, dass ein Erlöser nicht für Zion kommen würde, sondern aus Zion, demnach. Was bedeutet dieses Zion?
Jes 1,27 Zion wird erlöst werden durch Gericht, und seine Rückkehrenden durch Gerechtigkeit.
מִשְׁפָּט (mischpāt) Gericht, Recht, Vorschrift, Ordnung
וְשָׁבֶ֖יהָ (wᵉSchāvēhā) שׁוּב (schuv) zurückkehren, umkehren (teschuva)
בִּצְדָקָֽה (bitsdāqāh) צְדָקָה (tsᵉdāqāh) Gerechtigkeit, gerechte Tat.
Jes 2,3 Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln in seinen Pfaden. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und das Wort des HERRN von Jerusalem;
תּוֹרָה (torāh) „Gesetz“, die Lehre Gottes
In Zion ist dieses Recht schon gelegt worden, (dieser verworfene Stein (Ps 118,22), der in Zion gelegte kostbare und festgegründete Stein Jes 28,16)), also dieses verdrängte Gesetz (Jes 59,14: Und das Recht מִשְׁפָּ֔ט (mischpāt) ist zurückgedrängt) wird Jes 59 wieder vom גּוֹאֵ֔ל (goʽel) eingelöst

Weiter zu Röm 11,26:
„er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden“
Paulus suggeriert, dass dieser „Erlöser“ die Gottlosigkeit abwenden wird, also aktiv gegenüber den „inaktiven“, wie dass bei Paulus der Mensch nicht selbst vom falschen Weg umkehren kann, quasi ohnmächtig ist, um wieder zu „Zion“ zu gelangen. Der Weg ist bei Paulus verschlossen (Erbsünde, Nachkommen Adams, es braucht dazu einen zweiten, neuen Adam), und nur durch das Blut Jesu wieder zugänglich,
aber Jesaja spricht anders, Jes 1,27: durch Gerechtigkeit, צְדָקָה (tsᵉdāqāh) also durch gerechte Taten.

Es steht nichts von „Sünde wegnehmen“, sondern: „die von der Übertretung umkehren“ פֶ֖שַׁע (fëschaʽ) פָּשַׁע (pāschaʽ) abfallen, übertreten, וּלְשָׁבֵ֥י (uLSchāvê) שׁוּב (schuv) zurückkehren, umkehren: also zu jenen, die bereuen und umkehren, nicht um Sünde wegzunehmen. Die Theologie des Paulus macht ist es unmöglich, dass ein Mensch aus eigenen Antrieb umkehren kann, durch Taten, und dass dadurch die Rettung ist, sondern alles muss durch das Blut Jesu erfolgen, durch das Kreuz, durch Golgatha. Und so proklamiert Paulus seine eigene Lehre.
Paulus kann es also nicht stehen lassen, dass das Volk umkehren wird, und der Geist Gottes auf ihnen sein wird, weil sie bereut haben. Pauls argumentiert, dass es der Erlöser (es steht im Tenach ohne Artikel) sein wird, also Jesus sein wird, der die Gottlosigkeit abwenden wird (steht aber so nicht in Jesaja), denn selber kann man sich nicht erlösen, man ist ein Sünder, ohne Hoffnung, Dies kann nur Jesus tun, der Messais. Paulus entstellt den Vers total, und zwar bewusst, denn im Jesaja steht, dass diejenigen die zu / in Jakob zurückkehren, die verdienen es, vom Messias erlöst zu werden. Und deshalb wird der Gottesgeist auf ihnen ruhen und nicht verlassen, den Mund ihre Kinder und Kindeskinder.


In Jesaja ist der Goel, der Erlöser (der ja nichts anders als der alleine Gott selber ist) jener, der das Recht, also Sein Recht wieder aufrichtet, Paulus verdreht dies, dass nun der Erlöser, also Jesus, stellvertretend bezahlt und somit die Gottlosigkeit wegnimmt.
Jes 48,17 So spricht der HERR, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich lehrt, zu tun was dir frommt (deinem Heil belehrt), der dich leitet auf dem Weg, den du gehen sollst.
„du sollst gehen“, aktiv, in dem man tut, was Gott lehrte (was nichts anderes als die Torah ist, also Wegbeschreiibung) ist das was לְהוֹעִ֔יל (lᵉHoʽijl) יַעַל (jaʽal) nützen, was zur Förderung dient.

Weiter mit Röm 11,27: und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde“.

Im Gegensatz zu:
Jes 59,21 Und ich – dies ist mein Bund mit ihnen, spricht der HERR: Mein Geist, der auf dir ist, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, werden nicht aus deinem Mund weichen noch aus dem Mund deiner Nachkommen, noch aus dem Mund der Nachkommen deiner Nachkommen, spricht der HERR, von nun an bis in Ewigkeit.
Die spasst natürlich nicht in das Konzept des Paulus, und so stückelt er selber etwas zusammen. Entweder aus Jes 27,9, was aber im Kontext nicht passt, oder dann Jer 31,33-34, nur dass der Bund dort beschreiben wird, dass Gottes Lehre (Torah) in das Herz geschrieben wird. Und wenn sie, oder der einzelne erkennt, vom Grössten bis zum Kleinsten.
Jes 27,9 beschreibt ein Gericht der Läuterung, ohne stellvertretendes Sühneopfer. Die Läuterung selber ist Sühne. Passt also nicht ins Pauluskonzept.
Ebenso auch Jer 31,34: der Bund basiert nicht auf einer „Sündenvergebung“, sondern dass Gott wieder der alleine Herr ist: „Erkennt den HERRN!“
Jes 37,16 JHWH Zebaoth, Gott Israels, der du zwischen den Cherubim thronst, du allein bist es, der der Gott ist von allen Königreichen der Erde; du hast den Himmel und die Erde gemacht.
Benutzeravatar
Larson
Beiträge: 6978
Registriert: Do 30. Sep 2021, 13:49
Wohnort: CH

Re: Die Lehre des Paulus

Beitrag von Larson »

Das geht weiter / ebenso in 1.Kor 11:
1.Kor 11,3 Ich will aber, dass ihr wisst, dass der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, der Frau Haupt aber der Mann, des Christus Haupt aber Gott.
Paulus stellt die Ordnung Gottes vollends um:

Das „Haupt“ des Mannes ist nicht ein / darf kein „Christus“ (wenn man die Tenach als Basis der Lehre Gottes nimmt), sondern allein der ewige alleine Gott.
Paulus schiebt ganz in seiner Ideologie einen Menschen zwischen den Mensch und dem Ewigen. (nur so nebenbei, hier ist eine eindeutige Aussage, dass bei Paulus selbst der verherrlichte Jesus nicht selber Gott ist…)
2.Mo 20,3 Du sollst keine anderen Götter haben vor meinem Angesicht.“ עַל־פָּנָֽיַ (ʽal‾ pānāja) über, auf, gegen Angesicht.
Also es soll nichts zwischen „mir und dir“ sein, also zwischen mir und dem Ewigen, Es gibt keine „Umwege“ zu Gott, wie es auch keinen Mittler braucht.
Gott möchte eine direkten und eine unmittelbare Beziehung zum Menschen, „Ich bin der Herr, dein Gott“. Gott ist „ohne Partner“, sondern Einzig, Echad. Und der Mensch soll sich direkt an Ihn wenden, alles andere ist Unglauben.

Ebenso ist das Haupt der Frau nicht der Mann, nicht ihm gegenüber ist die Frau schlussendlich für ihr Handeln verantwortlich, sondern allein dem Alleinen Gott gegenüber, und auch sie darf sich direkt an Gott wenden. (auch wenn Paulus in Vers 11 das wieder relativiert, zurückrudert, aber sie hebt die vorherige dogmatische Konstruktion nicht auf, sondern erzeugt einen weiteren Widerspruch, denn vorher hatte er eine kultische „Rangordnung“ dargelegt, danach aber eher eine „biologische“ Abhängigkeit)

Mann und Frau sind beide in Bilde Gottes geschaffen, also in gleicher Stellung vor dem Ewigen.

1.Mo 1,27 Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie.
Und in Vers 1 fordert er die Korinther zuerst auf, seine Nachahmer zu sein und nimmt sich als Vorbild der Christusnachfolge. Will nun jemand wirklich einen Menschen namens Paulus als Vorbild haben, der solches entgegen der Tenach lehrt?

In Gal 3,28 legt Paulus noch drauf, dass doch alle „einer in Christus“ wären, also nicht in Gott, direkt im alleinen Gott, sondern in einem Menschen und behauptet dann, dass dies der Same Abrahams wäre.

Die Würde des Menschen gründet sich darin, dass Gott den Menschen nach Seinem Bilde schuf. Paulus dagegen überlagert dies, und meint, wer nicht des Christus ist, ist der Rettung ausgeschlossen.


Der Same:
Dazu missbraucht er das Wort „Samen“ Gal 3,16 und V29 von
1.Mo 22,18 und in deinem Nachkommen werden sich segnen alle Nationen der Erde: weil du meiner Stimme gehorcht hast.
זַרְעֲךָ֔ (zarʽăkā) זֶרַע (zëraʽ) Samen, Saat, ein Wort, welches ein einzelner Same (Korn, Sperma) meint, oder dann ein Kollektiv von Samen. Es gibt davon keine Plurale Version: זְרָעִים (zrāʽijm) gibt es nicht. Es ist Kontextabhängig, und ist nur sehr vereinzelt als im Singular gedacht z.B. 1.Sam 1,11 im Gebet der Hanna, 1.Mo 21,13

So nutz Paulus einen kleinen Kartentrick (um etwas vorzumachen, was nicht ist), um aus dem Wort זֶרַע einen in Genesis in einem Singular darzustellen, um allein seine These zu untermauern und ändert die Verheissung, welche auf viele hin lautet, auf den ein Samen, welcher ist der Christus.
Jes 37,16 JHWH Zebaoth, Gott Israels, der du zwischen den Cherubim thronst, du allein bist es, der der Gott ist von allen Königreichen der Erde; du hast den Himmel und die Erde gemacht.
Benutzeravatar
Helmuth
Beiträge: 19800
Registriert: So 5. Jun 2016, 12:51
Wohnort: Wien

Re: Die Lehre des Paulus

Beitrag von Helmuth »

Zunächst möchte ich dir danken, dass du zur Erkenntnis gekommen bist, dieses Thema in Bibelkritik zu setzen. In den christlichen Bereichen eckst du damit ja nur an, und es wird weiterhin kein wirklicher Christ auch nur einen Fußbreit nachgeben.

Aber wieviel Sinn macht es das mit einem Ex-Christen zu besprechen? Diese Frage musst du dir selbst auch stellen, denn es wird dir von christlicher Seite auch hier keiner entgegenkommen, es sei denn, es ist die Wahrheit. Du musst also schon bewesen, dass Paulus' Lehre gegen Mose gerichtet ist. Behaupten alleine reicht nicht.

Fangen wir aber mit den Basics an, denn sich im theologischen Dissens der Auslegungen einzelner Bibelstellen zu verwerfen macht wenig Sinn, wenn man die Grundlehre nicht versteht oder sie schlicht ablehnt. Die Lehre selbst ist objektiv betrachtet so wie sie ist.

Die Grundlehre in einem Satz lautet: Jesus Christus von Nazareth ist der von Gott versprochene Messias ist, den Gott als seinen Sohn gesandt hat, damit er für die Sünden der Menschheit sterben muss, um uns aus unserer Knechtschaft der Sünde zu erlösen. In dem Sinn spricht Paulus von der Botschaft vom Kreuz.

Das ist die Grundlehre, und ob du daran glaubst oder nicht, hat nichts damit zu tun, dass dies die Lehre des Paulus ist. Das ist in dem Sinn eine objektive Aussage, die durch das NT vermittelt wird.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Antworten