Richtet nicht! - Matthäus 7:1-5

Leben in einer christlich geprägten Gesellschaft
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Helmuth
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Richtet nicht! - Matthäus 7:1-5

Beitrag von Helmuth »

Jesu Fundamentallehre und Bestandteil der Bergpredigt? Ja, aber hier nicht als theologische Auseinandersetzung gedacht, sondern mehr zum Zwecke sich selbst zu richten, d.h. sich selbst immer wieder neu auszurichten. Das Thema Richten und Ansehen hat keinen Anklang gefunden, vielleicht weil es ja auch nur dazu Berufene betrifft.

Mir fällt eines auf. Menschen richten, wo sie es nicht tun sollten und sie richten nicht, wo sie es tun sollten. Eine Sache nur mal richtig getan würde Gott sehr freuen. Sprechen wir mal davon, wo wir nichts zu richten haben und erfreuen Gott damit.

Vom rein theologischen Standpunkt wäre eventuell die Abgrenzung zum gebotenen Richten interessant, als das Gebot nicht zu richten auch in einem anderen Kontext steht. Das soll aber nicht der Hauptpunkt der Diskussion sein, sondern die ehrliche Selbsteinschätzung.

Aus dem Grund setze ich es nicht im Bibelforum oder allgemeinen Forum, sondern im Gesellschaftsbereich, weil es Christen wie Nichtchristen gleichermaßen betrifft und auch für jedermann eine tägliche Herausforderung darstellt. Klarerweise soll das Wort Gottes als auch Jesu Wort nicht außen vor gelassen werden.

Für Christen sollte es eine Pflicht sein andere nicht zu richten, da uns ja Jesus so anweist, doch verletzen wir dieses Gebot im Grunde genommen täglich, stündlich, ja mitunter sogar minütlich und ich bin sicher keine Ausnahme. Warum eigentlich? Ist das Gebot so schwer einzuhalten? An einer Stelle heißt es:
1. Johannes 5:3 hat geschrieben: Denn dies ist die Liebe Gottes, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer.
Wenn es nicht schwer sein sollte Gottes Gebote zu halten warum fällt es uns gerade bei „Richtet nicht!“ besonders schwer?
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
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Abischai
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Re: Richtet nicht! - Matthäus 7:1-5

Beitrag von Abischai »

Helmuth hat geschrieben: Sa 1. Aug 2026, 19:06 ... warum fällt es uns gerade bei „Richtet nicht!“ besonders schwer?
Weil vonwegen der... Unklarheit der Begrifflichkeit mal wieder, desterwegen ist das so.

Als ich Deinen Beitrag einfach so gelesen und auf mich wirken ließ sprang mir sofort etwas zum Thema "nicht"-richten in den Sinn.: In den Sprüchen schreibt Salomo: "Der packt einen Hund bei den Ohren, der sich im Vorübergehen in fremden Streit einmischt." und "Versuche nicht zu gerecht zu sein, Du bereitest Dir damit unnötig Schmerzen".
Das klingt wie: "Häng dich nicht rein in Dinge, die Dich nichts angehen !!!" Und das klingt plausibel, finde ich. Ich werde mitunter gescholten, daß ich "schon wieder teebeut'le" (mich überall reinhänge), dabei will ich doch nur helfen, menno !!! Aber das kömmet nicht allerorts und stets so gut an.

Wenn "richten" mal als "korrigieren" verstanden wird (eine wichtige Nuances vom "richten"), bedeutete dies, daß man nicht alles und jeden korrigieren muß und darf und soll. Gefühlt müßte das jedem bekannt vorkommen.

Also nicht überall reinhängen, die anderen selbst machen lassen? Wahrscheinlich besser so.

"Ein Hauptfehler, daß wir anderern nicht zutrauen zu bemerken, was wir bemerken." (Aus meiner Spruchsammlung, weiß jetzt nicht von wem der Vers ist, ich finde ihn aber gut.)

Ein anderer, weit tiefgreifenderer Aspekt des Richtens ist das Verurteilen, aber dazu nicht jetzt...
Meine Hilfe kommt von Jahweh, der Himmel und Erde gemacht hat. [Ps 121;2]
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Helmuth
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Re: Richtet nicht! - Matthäus 7:1-5

Beitrag von Helmuth »

Abischai hat geschrieben: So 2. Aug 2026, 19:26
Helmuth hat geschrieben: Sa 1. Aug 2026, 19:06 ... warum fällt es uns gerade bei „Richtet nicht!“ besonders schwer?
Weil vonwegen der... Unklarheit der Begrifflichkeit mal wieder, desterwegen ist das so.
Danke für eine erste Stellungnahme. Hin und wieder amüsiert mich deine persönliche Kunstsprache wie „desterwegen“. :)

Aber zur Sache. Der Begriff ist zumindest aus meiner Sicht klar. Jesus redet von einer Art des Richtens, die er uns verbietet. Darin sollte es m.E. keine Unklarheit geben, außer man will Klares verwischen. Es steht im Kontext von Matthäus 7:1-5. Einen anderen Kontext stelle ich hier nicht zur Disposition, denn das war der andere Thread.

Du hast beispielgebend angesprochen, dass man sich nicht in fremde Dinge einmmischen soll/darf. Das ist auch ein Aspekt, ein wichtiger sogar, aber klären wir mal den Fall, wo es um persönliche Dinge geht, die uns angehen, denen wir uns auch gar nicht entziehen können, außer man gäbe die Bruderschaft auf.

Darin gilt der Grundsatz: "Richtet nicht!" Jesus erklärt die Richt-Problematik innerhalb einer Bruderschaft durch einen bildhaften Vergleich mit dem Splitter und Balken im Auge:
Matthäus 7:3 hat geschrieben: Was aber siehst du den Splitter, der in dem Auge deines Bruders ist, aber den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?
Darin liegt für mich der Grund, warum es uns schwer fällt, weniger weil man den Begriff nicht recht vestünde. Man meint helfen zu können, weil man das und das am Bruder sieht (den Splitter), aber man hat dazu nicht die rechte Haltung, sonst hätte Jesus ja nichts dagegen. Helfen an sich wäre ja geboten.

Das Argument "Aber ich wollte doch nur helfen" geht nicht selten in die Hose, weil es oft nicht wahr war. Du wolltest nicht helfen, sondern richten, weißt es bloß nicht. Dabei stehst du auch nicht über der Sache wegen deines Balkens. Ich nenne es Richtgeist.

Ich sagte, ich hätte hier gerne auch die ehrliche Selbsteinschätzung, und ich denke das ist wohl eines meiner Probleme, ich bin auch nicht frei davon. Klar sehe ich den Splitter im Auge des Bruder, ich habe ja auch Augen im Kopf, aber meinen Balken sollte ich zuerst entfernen.

Eine offene Frage: Ist jeder frei von solchen Balken? Gibt es Menschen ohne einen solchen Richtgeist? Meine Antwort ist nein, somit betrifft es mich nicht weniger. Das führt zu einer anderen Frage: Wir dämmen wir es ein?
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Aslan
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Re: Richtet nicht! - Matthäus 7:1-5

Beitrag von Aslan »

Helmuth hat geschrieben: Sa 1. Aug 2026, 19:06 Für Christen sollte es eine Pflicht sein andere nicht zu richten, da uns ja Jesus so anweist,
Grundsätzlich stimme ich dieser Aussage zu.
Aber definiere doch mal, was "richten" im biblischen Kontext bedeutet, und was dieses Wort in der Anwendung auf die heutige Zeit bedeutet!?
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Re: Richtet nicht! - Matthäus 7:1-5

Beitrag von oTp »

Ich denke da zunächst einmal daran, dass man nicht vorschnell urteilen soll. Man kann sich irren und falsch urteilen.

Und wichtig ist mir gleich, dass ich Andere nicht verurteile, nur weil sie Sünder sind, weil ich das nämlich auch bin.

Auch Sünder haben im Rahmen des Möglichen liebevollen Umgang verdient.
Den Fehler des Anderen zu sehen, den Balken im eigenen Auge aber nicht wahrnehme, das ist auch zu bedenken.
Du darfst nicht alles glauben, was du denkst
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Zippo
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Re: Richtet nicht! - Matthäus 7:1-5

Beitrag von Zippo »

Aslan hat geschrieben: Mo 3. Aug 2026, 10:25
Helmuth hat geschrieben: Sa 1. Aug 2026, 19:06 Für Christen sollte es eine Pflicht sein andere nicht zu richten, da uns ja Jesus so anweist,
Grundsätzlich stimme ich dieser Aussage zu.
Aber definiere doch mal, was "richten" im biblischen Kontext bedeutet, und was dieses Wort in der Anwendung auf die heutige Zeit bedeutet!?
Was bedeutet das "richten" im biblischen Kontext, insbesondere in der Bergpredigt ? Damit würde ich die Betrachtung über das Thema auch beginnen.
Hatte der Herr Jesus besondere Menschen im Volk Israel im Sinn, als er das sagte ?
Zuallererst denke ich da an die Pharisäer, welche mit ihren Satzungen eine hohe Bürde auf das Volk gelegt haben, aber sie wurden von dem Herrn Jesus als blinde Blindenführer bezeichnet und haben sich gegen ihn gestellt.
Spoiler: anzeigen
[Mt 15,1-14] Da kamen zu ihm die Schriftgelehrten und Pharisäer von Jerusalem und sprachen: Warum übertreten deine Jünger der Ältesten Aufsätze? Sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen. Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Aufsätze willen? Gott hat geboten: „Du sollst Vater und Mutter ehren; wer Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben.“ Ihr aber lehret: Wer zum Vater oder Mutter spricht: „Es ist Gott gegeben, was dir sollte von mir zu Nutz kommen“, der tut wohl. Damit geschieht es, dass niemand hinfort seinen Vater oder seine Mutter ehrt, und also habt ihr Gottes Gebot aufgehoben um eurer Aufsätze willen. Ihr Heuchler, wohl fein hat Jesaja von euch geweissagt und gesprochen: „dieses Volk naht sich zu mir mit seinem Munde und ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir; aber vergeblich dienen sie mir, dieweil sie lehren solche Lehren, die nichts denn Menschengebote sind.“
Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihm: Höret zu und fasset es! Was zum Munde eingeht, das verunreinigt den Menschen nicht; sondern was zum Munde ausgeht, das verunreinigt den Menschen. Da traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Weißt du auch, dass sich die Pharisäer ärgerten, da sie das Wort hörten? Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht pflanzte, die werden ausgereutet. Lasset sie fahren! Sie sind blinde Blindenleiter. Wenn aber ein Blinder den anderen leitet, so fallen sie beide in die Grube.
Die Pharisäer hatten doch auch immer dem Herrn Jesus nachgestellt und wollten etwas aus seinem Mund erjagen oder sie warfen ihm vor, daß er das Gesetz übertreten würde, wenn er am Sabbat heilen würde oder seine Jünger Ähren gerauft haben, weil sie Hunger hatten.
Da hat er ihnen vorgeworfen, daß es ihnen an dem wichtigsten fehlen würde, nämlich die Barmherzigkeit und den Glauben.
...
[Mt 23,23-24] Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Dill und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseitegelassen: das Gericht und die Barmherzigkeit und den Glauben. Diese aber hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen. Blinde Leiter, die ihr die Mücke seiht, das Kamel aber verschluckt!
...
Das Richten im Sinne der Bergpredigt geht doch in diese Richtung. Wenn die Motivation nicht stimmt und der Blick fehlt für die wesentlichen Dinge. Wenn Kleinigkeiten beanstandet werden, aber das eigene Handeln gravierdende Mängel aufzeigt. Die Pharisäer waren geldgierig und machtbesessen.

In der heutigen Zeit findet sich das auch, z. Bsp. in der Politik. Oft fehlt auch die Information, um eine Sache gerecht beurteilen zu können. Machtbesessene finden sich auch heute und die versuchen mit allerlei Tricks ihre Kontrahenten aus der Bahn zu werfen.

Gruß Thomas
2 Kor 13,13 Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
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Helmuth
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Re: Richtet nicht! - Matthäus 7:1-5

Beitrag von Helmuth »

Aslan hat geschrieben: Mo 3. Aug 2026, 10:25 Aber definiere doch mal, was "richten" im biblischen Kontext bedeutet, und was dieses Wort in der Anwendung auf die heutige Zeit bedeutet!?
Im biblischen Kontext sollte es m.E. nicht schwer sein zu verstehen was richten bedeutet. Das, was nur Gott selbst oder eine von ihm dazu eingesetzte und autorisierte Person zu tun hat, wenn der Friede einer Gemeinschaft gefährdet ist oder Menschen durch Sünde zu Schaden kommen.

In der Anwendung bedeutet es solche Fälle den Stellen zu überlassen, die dazu da und auch befugt sind. Falls es uns beträfe gehen wir gemeinsam ein Bier trinken, klären Dinge, wenn was ansteht und sind dann wieder Freunde und Brüder und das war's dann. Gerichtet wird damit keiner, bzw. wurde das damit unterbunden.

Geht es nicht auf die Weise, dann soll sehr wohl ein von Gott Eingesetzter eine Sache bzw. invovlierte Personen beurteilen und zum einen Urteil kommen, aber eben nicht man selbst. Das ist m.E. der Kern. Es ist dann nicht mehr deine Sache, sondern Gottes, da das Gericht vom Wesen her Gottes Sache ist. Das mal ohne viele Zitate.

Innerhalb einer Gemeinde wäre das z.B. ein Ältester, dem das Schlichten von Streitfällen zugesprochen wird, im öffentlichen Bereich sind es Gerichte, in einer Firma der Boss, hier im Forum der Administrator, oder in der Familie wäre es der Vater um Beispiel zu nennen. Diese müssen nach Gottes Maßgabe richten, und sie können sich dem gar nicht entziehen.

Von Bruder zu Bruder oder ganz allgemein von Mensch zu Mensch ist dies allerdings zu unterlassen, denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin den Nächsten zu beurteilen, ob er alles richtig macht, oder was er alles falsch macht um es ihm vielleicht noch ständig vor die Nase zu halten und ihn auf diese Weise vor anderen zu diskreditieren.

Den Sinn und Willen Gottes sehe ich in der Liebe zu Gott und zum Nächsten. Warum gibt es denn überhaupt Gerichte? Weil die Liebe nicht da ist und das Böse jede Form der Gemeinschaft auf Dauer zerstört. Wir sollten gar keine Gerichte brauchen.

So ist das für mich eine Generalanweisung. Gott hat es dabei so gefügt, dass der, der unerlaubt richtet, sich damit selbst verurteilt. Denn was hat es noch mit Liebe zu tun, wenn jemand andere immer wieder vorführt? Gibt es wirkliche Probleme, die ausgeräumt gehören, dazu gibt es auch Jesu Anweisung Mt. 15:15-18, wie wir das handhaben.

Soweit meine Definition, so das überhaupt eine war. Wie wäre dazu deine Vorstellung?
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Aslan
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Re: Richtet nicht! - Matthäus 7:1-5

Beitrag von Aslan »

Helmuth hat geschrieben: Mo 3. Aug 2026, 12:36 Wie wäre dazu deine Vorstellung?
Im Prinzip sehe ich das ähnlich. Danke auch @Zippo für deinen Beitrag!

Ich würde hier aber etwas differenzieren. Man sollte das sogenannte "Richten" nicht mit Kritik verwechseln.

Aus dem Alltag der Gemeinde kenne ich verschiedene Seiten. Es ist nicht selten vorgekommen, dass Kirchen und Gemeinden sich hinter dem Vorwand des Richtens verschanzt haben und berechtigte oder sogar konstruktive Kritik von sich gewiesen haben, mit dem Argument, man solle ja nicht richten.

Es kommt eben auch auf die Intention und Motivation an, mit der jemand ein Anliegen verfolgt.
Es gibt Dinge, die müssen ganz klar beim Namen genannt werden, insbesondere wenn es um Fehlverhalten oder Sünde geht.
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Abischai
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Re: Richtet nicht! - Matthäus 7:1-5

Beitrag von Abischai »

Helmuth hat geschrieben: Mo 3. Aug 2026, 12:36 Im biblischen Kontext sollte es m.E. nicht schwer sein zu verstehen was richten bedeutet. Das, was nur Gott selbst oder eine von ihm dazu eingesetzte und autorisierte Person zu tun hat, wenn der Friede einer Gemeinschaft gefährdet ist oder Menschen durch Sünde zu Schaden kommen.
So einfach ist das aber nicht, denn wenn ich recht informiert bin, ist das Wort "Gericht" im hebräischen Text mit "Mischpat" wiedergegeben, was sowohl trennendes Urteil wie auch Korrektur bedeutet, Korrektur, weil dann kein trennendes Urteil mehr nötig sein wird. Auf griechisch ist das wohl "Pistis" und ist gleichbedeutend. WIr haben im Deutschen mit "richten" ja auch zwei völlig gegenläufige Bedeutungen: wenn der Klepmner was "richtet", dann reißt er nicht die Anlage raus und verschrottet sie, sondern er korrigiert kleine Teile, daß wie wieder richtig läuft, er zieht den Splitter raus.
Trennend urteilen (verurteilen, hinrichten), ist nicht unser Part. Wir sollen uns selbst richten (korrigieren) damit wir nicht gerichtet werden (trennend verurteilt). Das ergibt einen tiefen Sinn, finde ich. Korrigieren sollen wir also hingegen doch. Da greift das Beispiel mit dem Splitter und dem Balken, denn da geht es um Hilfe zur Korrektur, die wir aber bitteschön nicht leisten sollen, wenn wir selber eine riesige Baustelle im eigenen Leben haben. IRL ist das etwas schwierig, weil immer wieder Menschen versuchen andere von dem abzuhalten, was sie selbst getan haben und noch tun. Sie müssen davon selbst loskommen, aber sie warten nicht damit andere zu warnen (das ist helfen!) bis sie selbst "clean" sind, sondern sie sagen es gleich: "mach's nicht wie ich !!!"
Ich habe mal einen "Lebemann" gekannt, hochkarätiger Oberarzt, ein "hohes Tier" sozusagen, der einem flirtenden jungen Mädel riet: "laß es, mach's NICHT wie ich!"
Ob er selbst je davon losgekommen ist, Gott weiß es, aber er hat andere warnen wollen. Das finde ich in Ordnung. Er hat den "Splitter" nicht rausziehen wollen, aber er hat auf den Splitter hingewiesen. Wenn wir einander anerkennend zugestehen, allesamt Sünder zu sein, wie oTp das meinte, dann weisen wir einander auf Splitter hin (oder auch Balken), aber wir sagen nicht, "ich ziehe dir den raus!", oder doch?

Hier im Forum kann man das eindrücklich studieren...

Ich resümiere, daß wir bei der Erörterung jenes Wortes Jesu noch ganz am Anfang stehen und derzeit keineswegs schlüssige, anwendbare Antworten haben (das sind Dogmen, und die wären, wenn es sie denn gäbe, sehr nützlich!)
Aslan hat geschrieben: Mo 3. Aug 2026, 16:56 Es gibt Dinge, die müssen ganz klar beim Namen genannt werden, insbesondere wenn es um Fehlverhalten oder Sünde geht.
Das verstehe ich darunter, auf den Splitter hinzuweisen, laut und mit Nachdruck. Den Splitter "rausziehen" wäre z.B. sich von dem betreffenden "Splitterträger" zu distanziernn, aus der Gemeinschaft auzszuschließen, ihn zu "schneiden".

Tun wir das?
Meine Hilfe kommt von Jahweh, der Himmel und Erde gemacht hat. [Ps 121;2]
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