Das Zwillingsgleichnis vom verirrten Schaf und dem verlorenen Groschen Lk 15 besagt als Lehrsatz, dass (V7): „Ich sage euch: Ebenso wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen“
Das Gleichnis knüpft an das Murren der Pharisäer und Schriftgelehrten an. (Mt 18 fehlt dies und er hat nur das Gleichnis vom verlorenen Schaf, In MT gibt es noch einen kleinen Unterschied in Vers 13: „Und gelingt es ihm, es zu finden….“ Irgendwie ist es hier möglich, dass der Hirte das Schaf auch nicht mehr findet.)
Also es geht um die Freude im Himmel über einen Sünder (V7), der Busse tut …. Wie auch im V 10. Und Gottes Fürsorge um das Heil des einzelnen Menschen wie auch Lk 5,31 (Jesus wollte ja die „Verlorenen“ suchen, nicht die Gerechten) der Aufruf zur Busse. Es geht auch um den Eifer des Suchens.
Betrachtet man die Personen, der Mensch als Hirte, oder die Frau mit den Groschen, so kann man sich fragen, wen sie „verkörpern“, darstellen. Natürlich ist es Gott selbst….
Nur, wie Kann Gott ein Schaf verlieren, ein Schaf, welches man nicht zur Rechenschaft ziehen kann, oder noch extremer, die Frau verliert selber den Groschen, welcher noch weniger ein Eigenleben hat. Das Verlorene wird auf einmal zum Sünder. Es passt eigentlich nicht, wenn nicht das nachfolgende Gleichnis vom Verlorenen Sohn steht, wo aber der Vater den Sohn ziehen lässt und wartet (ihn also nicht sucht) bis der Sohn zur Besinnung kommt, und in sich geht und wieder zurück zum Vater, nach Hause geht.
Das Doppelgleichnis isoliert betrachtet birgt die Gefahr, dass ja Gott selbst schuld ist, da das verlorene total passiv ist, und nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann. Ein Schaft hat keinen „moralischen Kompass“ und der Hirte hatte nicht aufgepasst, und der Groschen hat keine Entscheidungskraft.
Aber Jesus korrigiert hier mit dem weiter oben gesagten.
Ich möchte mal hier einen Bruch machen, das Gleichnis kippen (damit sage ich nicht, dass dies nun die Deutung sei), und sagen, dass der Hirte, oder die Frau der Mensch selber ist, welcher etwas verliert, und es eröffnet sich dann eine weitere, ja fast tiefere Sicht.
Der Mensch ist verantwortlich für seine Gaben, seinen Schatz, und wenn er etwas davon vernachlässigt, sozusagen verliert, soll er wieder zurückbringen, bereinigen, sei es ein „Schaf“, ein himmlischer Schatz, die „Gerechtigkeit“ (Hesekiel 33), den er durch Schuld verloren hat, oder einen Groschen.
Also macht sich der Hirte auf den Weg um zu suchen, und muss überlegen, wohin es sich verirrte hatte, also die Ursache der Wirkung, der Folge suchen.
Ebenso auch die Frau, die kehrt das „Haus auf den Kopf“, geht also in sich, muss überlegen, wann sie den Groschen noch hatte, mistet auch den „Keller“ aus, weil das Verlorene nicht etwas ist, worauf man verzichten kann, es ist sozusagen lebensnotwendig.
Darauf folgt Erkenntnis der Fahrlässigkeit des Handelns und daraus Umkehr und Korrektur.
So passt es dann auch „schön“ zum Gleichnis von „verlorenen Sohn“.
Aber wieder zurück, da gibt es einen Vergleich zwischen Gott und den falschen Hirten, wie auch Jesus den „Gelehrten“ den Hirten indirekt diesen Vorwurf mach.
Das Doppelgleichnis zeigt die kompromisslose Liebe Gottes zum Menschen, welcher nicht will, dass etwas verloren geht. Es zeigt die Fürsorge zum Volk Israel:
In Hesekiel ist auch der Vorwurf an die „Hirten Israels“, welche „unmenschlich“ regierten, sich mit Macht die Stellung erkämpfen usw:Hes 34,16 Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückführen, und das Verwundete will ich verbinden, und das Kranke will ich stärken; das Fette aber und das Starke werde ich vertilgen: nach Recht werde ich sie weiden.
Gott wird diese zerstreuten Schafe wieder sammeln, und zurückringen Hes 34,12-15 und auf guter Weide weiden. Denn JHWH ist ihr Gott (d.s. V30-31)Hes 34,4 Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt und das Kranke nicht geheilt und das Verwundete nicht verbunden und das Versprengte führtet ihr nicht zurück und das Verlorene suchtet ihr nicht; und mit Strenge habt ihr über sie geherrscht und mit Härte.
Hes 34,20 Darum, so spricht der Herr, HERR, zu ihnen: Siehe, ich bin da, und ich werde richten zwischen fettem Schaf und magerem Schaf. 21 Weil ihr all die Schwachen mit Seite und Schulter verdrängt und mit euren Hörnern stoßt, bis ihr sie nach außen hin zerstreut habt,
Also es ist sittliches und moralisches falsches Handeln, was Jesus bei den Hirten, also jenen, Pharisäern und Schriftgelehrten die dabei waren (um mal ein pauschales Kollektiv auszuhebeln, dass alle dieser Gesinnung gewesen sein sollten), als Jesu mit Zöllnern und Sündern zusammen.
Ein Sünder, der sich als solchen erkennt, kehrt wohl einfacher um, als einer, der sich in Selbstgerechtigkeit fühlt, du nicht mal merkt, dass er etwas verloren hat..
Wie man nun dieses Doppelgleichnis auch dreht und wendet, der Mensch steht selber auch in der Verantwortung, über sein Leben und Handeln zu sinnen, in sich zu kehren, und darüber sich korrigieren zu lassen.