Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

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Larson
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Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Beitrag von Larson »

Helmuth hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 12:01 Ich sage, weder irrte Jesus, noch hatte er den Tanach umgedeutet. Aber das Beispiel ist m.E. gut um aufzuzeigen, wie die Schrift tatsächlich entstanden ist.
Ganz sicher wurde der Text aus Jes 61 umgedeutet, denn die Aussage Gottes in Jes 61 passt nicht zu Jesus, passt nicht in die Zeit Jesu.

Aber wie du sagst, es ist „deines Erachtens“, was du da schreibst….
Helmuth hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 12:01 Das Problem liegt in dem Fall am Autor Lukas, aber nicht derart, dass er falsch Zeugnis legte.
Nun, das Zeugnis ist nun aber mal nicht stimmig. Es geht ja nicht um die perfekte Wortwahl in der Widergabe im NT, sondern um die Aussage von Jes 61, welche da nicht zutrifft oder zutraf.
Auch in der LXX geht deutlich hervor, dass die Aussage dem Volk Israel als Trost zugesprochen wird, da sie im Exil sind. Dies hatte ich in meinem Beitrag erwähnt viewtopic.php?p=627946#p627946 und betont. Und deshalb bleibt es wirklich so, dass entweder Jesus sich da falsch eingeschätzt hatte, oder eben, dass Lukas die „Besonderheit“ Jesu betonen wollte, und einen Vers zitierte, der überhaupt nicht passt. Somit ist das „Zeugnis“ (in der Bedeutung) nicht stimmig mit der Tenach.
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ProfDrVonUndZu
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Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Helmuth hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 12:01 Er fügte also in seinem Bericht den Wortlaut aus der LXX ein, was sich recht gut nachweisen lässt, da er z.B. den Wortlaut "Blinden das Augenlicht" schreibt, den man in der LXX, aber nicht im Tanach findet. Dazu der hebr. Text (auf Deutsch):
Jesaja 61:1 hat geschrieben: Der Geist des Herrn JHWH ist auf mir, weil JHWH mich gesalbt hat, den Sanftmütigen frohe Botschaft zu bringen, weil er mich gesandt hat, die zu verbinden, die zerbrochenen Herzens sind, Freiheit auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen, ...
Gibt es also einen Fehler? Ja, und zwar den, dass Lukas nicht den wirklich wortwörtlichen Text ziteren konnte, was Jesus tatsächlich gesprochen hatte. Einen anderen Fehler sehe ich aber nicht. Umgedeutet wird auch nichts, sondern zeigt nur, dass die LXX nicht präzise genug ist, warum sie für mich zur Exegese nicht taugt.

Dieser Fehler ist demnach zwar Fakt, reicht aber nicht aus um an Lukas Bericht oder gleich dem gesamten NT zu zweifeln und schon gar nicht an Jesus. Das halte ich nur für eine billige Unterstellung. Man schüttet so nur das Kinde mit dem Bade aus.
Dafür findet man "Zerschlagene in Freiheit hinzusenden" (αποστειλαι τεθραυσμενους εν αφεσει) aus Lukas 4,18 nicht in der LXX bei Jesaja 61,1. Der byzantinische Text enthält "zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind" (ιασασθαι τους συντετριμμενους την καρδιαν), was im alexandrinischen Text fehlt, aber im hebräischen Text vorkommt und auch von der LXX übersetzt wurde.

Also die Sache ist etwas komplizierter und mit weitreichenden Rückschlüssen sollte man sich daher sehr zurückhalten.

Der Hinweis von Lukas, dass Jesus die Stelle bei Jesaja fand, ist kein exakter Hinweis auf einen einzelnen Vers, denn Versnumerierungen gab es damals nicht auch keine Kapiteleinteilungen. Er dient nur der groben Orientierung anhand eines Kontextes. Das gilt auch für alle anderen Verweise im NT auf das AT.
Offenbarung 1,3 Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe!
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Helmuth
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Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Beitrag von Helmuth »

Larson hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 13:39 Ganz sicher wurde der Text aus Jes 61 umgedeutet, denn die Aussage Gottes in Jes 61 passt nicht zu Jesus, passt nicht in die Zeit Jesu.
Wenn dem so ist, kann das auch schon in Jesaja 61 falsch sein. Mit welcher Begründung ist es im NT falsch, aber im AT richtig? Was, wenn das NT eine Korrektur wäre, weil Jesus nun mal von Gott gesandt ist?

Aber ich frage das nur rein theoretisch, denn ich sehe da keine gravierenden Unterscheide. Auch das wiederhergestellte Augenlicht gehört zur Heilsverheißung, wiewohl es an der Stelle ncht in Jesaja 61 steht. Jesus heilte nachweislich viele Blinde und erfüllte das damit.

Aber wie auch immer, ich gehe nicht einseitig an das Wort Gottes heran. Auch das AT hat seine Schwächen. Eine habe ich aufgezeigt, dass die Talion nicht einhellig ist. Was wäre denn deine Meinung dazu? Oder wie legen Juden das aus, um es allgemeiner zu formulieren?
Zuletzt geändert von Helmuth am Do 28. Mai 2026, 13:55, insgesamt 1-mal geändert.
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ProfDrVonUndZu
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Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Larson hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 13:39 Auch in der LXX geht deutlich hervor, dass die Aussage dem Volk Israel als Trost zugesprochen wird, da sie im Exil sind. Dies hatte ich in meinem Beitrag erwähnt viewtopic.php?p=627946#p627946 und betont.
Stimmt, es passt vieles zum Kontext des Exils, aber wenn es hier ausschließlich um diese Zeit geht, dann kannst du sicher auch sagen, wer denn hier redet, der von sich sagt, dass der Geist Jahwes auf ihm ist ?
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Larson
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Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Beitrag von Larson »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 13:54
Larson hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 13:39 Auch in der LXX geht deutlich hervor, dass die Aussage dem Volk Israel als Trost zugesprochen wird, da sie im Exil sind. Dies hatte ich in meinem Beitrag erwähnt viewtopic.php?p=627946#p627946 und betont.
Stimmt, es passt vieles zum Kontext des Exils, aber wenn es hier ausschließlich um diese Zeit geht, dann kannst du sicher auch sagen, wer denn hier redet, der von sich sagt, dass der Geist Jahwes auf ihm ist ?
Larson hat geschrieben: Di 26. Mai 2026, 16:40 Jesaja wird berufen und sagt: „der Geist meines Herrn ist auf mir“, er schreibt von sich selbst, denn seine Berufung, Salbung hatte den Zweck, dem Volk Israel im Exil Trost zu spenden, zusprechen, den Trauernden Zions (V3), (in V1 sind jene gemeint, die um Zions-Willem arm sind, ein zerbrochenes Herz haben, Eingekertert sind usw)
Wenn Jesaja nicht die Ruach Gottes gehabt hätte, könnte er sein Prophetenamt nicht ausführen.
Jesaja, ein Gesandter Gottes:
Jes 48,16-18
16 Naht euch zu mir, hört dieses! Ich habe vom Anfang an nicht im Verborgenen geredet; von der Zeit an, da es wurde, bin ich da. –
Und nun hat der Herr, HERR, mich gesandt und sein Geist.
17 So spricht der HERR, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich (bin) JHWH , dein Gott, der dich lehrt, zu tun was dir frommt, der dich leitet auf dem Weg, den du gehen sollst.
18 O dass du gemerkt hättest auf meine Gebote! Dann würde dein Friede gewesen sein wie ein Strom und deine Gerechtigkeit wie des Meeres Wogen;
....
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Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Larson hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 15:54 Jesaja, ein Gesandter Gottes:
Jes 48,16-18
16 Naht euch zu mir, hört dieses! Ich habe vom Anfang an nicht im Verborgenen geredet; von der Zeit an, da es wurde, bin ich da. –
Und nun hat der Herr, HERR, mich gesandt und sein Geist.
17 So spricht der HERR, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich (bin) JHWH , dein Gott, der dich lehrt, zu tun was dir frommt, der dich leitet auf dem Weg, den du gehen sollst.
18 O dass du gemerkt hättest auf meine Gebote! Dann würde dein Friede gewesen sein wie ein Strom und deine Gerechtigkeit wie des Meeres Wogen;
....
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Jesaja lebte aber lange vor dem Exil. Seine überlieferte Schrift konnte zwar auch Jahrhunderte später Trost geben, aber praktische Hilfe lieferte sie nicht. Und du meinst, auf Jesus könne Jesaja 61,1 auf keinen Fall zutreffen, aber auf Jesaja selbst sehr wohl ? Damit verschiebst du nur das Problem, löst es aber nicht.
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Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Beitrag von Larson »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 16:26
Larson hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 15:54 Jesaja, ein Gesandter Gottes:
Jes 48,16-18
16 Naht euch zu mir, hört dieses! Ich habe vom Anfang an nicht im Verborgenen geredet; von der Zeit an, da es wurde, bin ich da. –
Und nun hat der Herr, HERR, mich gesandt und sein Geist.
17 So spricht der HERR, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich (bin) JHWH , dein Gott, der dich lehrt, zu tun was dir frommt, der dich leitet auf dem Weg, den du gehen sollst.
18 O dass du gemerkt hättest auf meine Gebote! Dann würde dein Friede gewesen sein wie ein Strom und deine Gerechtigkeit wie des Meeres Wogen;
....
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Jesaja lebte aber lange vor dem Exil. Seine überlieferte Schrift konnte zwar auch Jahrhunderte später Trost geben, aber praktische Hilfe lieferte sie nicht. Und du meinst, auf Jesus könne Jesaja 61,1 auf keinen Fall zutreffen, aber auf Jesaja selbst sehr wohl ? Damit verschiebst du nur das Problem, löst es aber nicht.
Jesaja lebte vor und ebenso eine Zeitlang während dem Babylonischen Exil…
(auch nach chr. Darstellung bis ins Jahr 585, das Exil begann 606. Nicht dass Jesaja selber im Exil war, aber ich weiss, es steht nirgends explizit)

Ob man nun Jesaja aufsplittet, in Deutero-Jesaja usw, also verschieden Schreiber zuordnet, der Inhalt, die Aussage bleibt gleich in Jes 61, und die Diskrepanz zu Lukas / Jesus bleibt
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Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Larson hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 16:36 Jesaja lebte vor und ebenso eine Zeitlang während dem Babylonischen Exil…
(auch nach chr. Darstellung bis ins Jahr 585, das Exil begann 606. Nicht dass Jesaja selber im Exil war, aber ich weiss, es steht nirgends explizit)

Ob man nun Jesaja aufsplittet, in Deutero-Jesaja usw, also verschieden Schreiber zuordnet, der Inhalt, die Aussage bleibt gleich in Jes 61, und die Diskrepanz zu Lukas / Jesus bleibt
Davon ist mir nichts bekannt. Also du meinst, der Deuterojesaja lebte zur Zeit des Kyros, weil der Name da fällt ?
Wenn man von einer einzigen Person ausgeht, dann wird seine Wirkungszeit doch in Jesaja 1,1 beschrieben. Dann passt eine halbwegs normale Lebenszeit nicht bis zum Anfang des Exils und schon gar nicht bis zum Ende.
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Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Beitrag von Student »

Habt Ihr schon mal daran gedacht, dass man die Bibel nicht wörtlich verstehen soll?


Off 5:1

Dan 12:4

1Kor 2:7
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Helmuth
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Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

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Larson hat geschrieben: Do 28. Mai 2026, 16:36 Jesaja lebte vor und ebenso eine Zeitlang während dem Babylonischen Exil…
Das halte ich für ein Gerücht. Lege dazu historische Belege vor. Man kann ja schon im Jesaja-Text selbst lesen unter welchen Königen er seinen Dienst geleistet hatte, sodass diese Zahlenangaben nicht stimmen können.
Jesaja 1:1 hat geschrieben: Das Gesicht Jesajas, des Sohnes des Amoz, das er über Juda und Jerusalem geschaut hat in den Tagen Ussijas, Jothams, Ahas‘, Jehiskias, der Könige von Juda.
Man kommt auf das 8. Jh vor Chr. und die historische Forschung hat dazu auch recht zuverlässige Daten, zumal die Königsnamen schon aus der Bibel sind und mehrmals in anderen Büchern stehen. Ich vermute, da versucht man mehr dem Problem des Deutero- oder Trito-Jesajas zu entkommen.

Die säulare Forschung meint, dass diese Teile erst im Exil entstanden sind und daher nicht von Jesaja stammen. Ich meine, dass sie revidiert sein können, was für den gesamten Tanach so und so gilt, aber nicht erst geschrieben.

Jesus liefert uns auch keinerlei Hinweise, dass es sich in den Kapiteln 1-39, die über Jesajas Tätigkeit berichten, um einen anderen Jesaja handelt, als wenn er z.B. aus den nachfolgenden Kapiteln zitiert. Immer war es ein und derselbe Jesaja.

Das wären in meinen Augen falsche Wege die Bibel zu verteidigen um damit ihre Texttreue oder Wahrheit zu belegen, Damit leistet man dem Wort Gottes nur einen Bärendienst, denn es ist wohl unmöglich die Wahrheit mit der Unwahrheit belegen zu wollen.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
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