Katechon

Politik und Weltgeschehen
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Lichtstrebender
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Katechon

Beitrag von Lichtstrebender »

Katechon


Der Begriff stammt von 2. Thessalonicher 2,6–7

6 Und ihr wißt ja, was jetzt noch zurückhält, damit er geoffenbart werde zu seiner Zeit.
7 Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon am Wirken,
nur muß der, welcher jetzt zurückhält, erst aus dem Weg sein“
(nach Schlachter)


Es heisst eigentlich festhalten, zurückhalten, niederhalten, in Besitz haben.
Andere Beispiele in NT sind Römer 1,18 („die Wahrheit niederhalten/unterdrücken“), 1 Kor 15,2 („festhalten“), 1 Thess 5,21 („das Gute festhalten“) und Hebr 3,6; 3,14; 10,23

In 2. Thessalonicher 2,6–7 heisst es „das Aufhaltende“ / „der Aufhaltende

In 2 Thess 2,6 steht das Neutrum: to katechon = „das Aufhaltende / Zurückhaltende“.
In 2 Thess 2,7 steht das Maskulinum: ho katechōn = „der Aufhaltende / Zurückhaltende“. Dieser Wechsel ist im griechischen Text klar vorhanden.

Das interessante an dieser Bibelstelle ist, dass sie nicht klar zu interpretieren ist, aber starke Auswirkungen auf die Weltpolitik hat.


Aus dem unbestimmten „Aufhalter“ wurde erst das Römische Reich, dann das christliche Kaiserreich,
später das Heilige Römische Reich, in der Moderne bei Carl Schmitt ein Ordnungsprinzip gegen Weltstaat und Chaos,
und heute taucht das Motiv in Russland und in Teilen der US-Rechten wieder auf.

Bei Carl Schmitt ist der Katechon die geschichtliche Macht, die den endgültigen Ausbruch von Chaos, Antichrist und Weltende noch aufhält.
Das ist die Basis für den aktuellen Katechonglauben.


Einfluss in den USA
In den USA ist der Einfluss schmaler, aber in bestimmten Eliten real.
Peter Thiel spricht offen über Antichrist, Weltstaat und Katechon; in einem Gespräch 2024 sagt er ausdrücklich, der Katechon könne als das verstanden werden,
was den „one-world state“ oder den Antichrist aufhält. Er nennt sogar historische und moderne politische Beispiele.
Gleichzeitig zeigen Medienberichte, wie eng Thiel mit Netzwerken um Curtis Yarvin und J.D. Vance verbunden ist.

Thiel:
„Und meine christliche Intuition sagt mir: Ich will keinen Antichristen. Ich will kein Armageddon. Ich möchte einen schmalen Weg zwischen diesen beiden finden,
auf dem wir beides vermeiden können.“
EU und UN sieht er als Wohlfahrtsdiktatur mit allmächtiger Überwachungstechnologie.

Somit ist die USA der Katechon, der verhindert, dass sich Länder auf irgendeine Art verbinden können, die als Machtbasis
für den Antichristen gelten könnten, egal wie positiv Sie erscheinen müssen.



In Russland ist der Katechon-Gedanke deutlich wirksamer als im heutigen Mainstream des Westens,
vor allem im Umfeld von Alexander Dugin, russisch-orthodoxer Kriegslegitimation und der Ideologie vom „russischen Bollwerk“ gegen den dekadenten Westen.
Domradio fasst das so zusammen, dass ein neues Strategiepapier Russland mit dem Motiv des Katechon als Bollwerk gegen westliche Dekadenz zeichnet;
Dugin wird dort ausdrücklich als jemand genannt, der Russland als „Aufhalter“ deutet. Auch religionswissenschaftliche Analysen zur russischen Kriegslegitimation zeigen,
wie stark apokalyptische und antichristliche Motive in diesem Diskurs geworden sind.

Russland versteht den Katechon heute vor allem als konkrete geschichtliche Macht: Russland selbst, die russische Orthodoxie,
der russische Staat oder die „heilige“ Verbindung daraus. Der Feind ist „Globalismus“, der dekadente Westen, „Satanismus“ oder die Auflösung traditioneller Ordnung.
In dieser Lesart ist der Katechon ein Bollwerk und rechtfertigt notfalls Krieg als Abwehrkampf.

Es gibt ein Dilemma:

Wer den Antichristen aufhält, hält damit auch das Ende der Geschichte und damit die Wiederkunft Christi (Parusie) hinaus
nach aktueller Eschatalogie.


Vermutlich hat Paulus nicht gerechnet, das dieser Vers solche Auswirkungen hat, sonst hätte er das vermutlich mehr ausgeführt.

1 Thessalonicher tröstet und ermutigt eine junge Gemeinde, die unter Druck steht und mit der nahen Wiederkunft Jesu rechnet

2 Thessalonicher korrigiert dann eine zugespitzte Fehlentwicklung dieser Erwartung. Die Gemeinde soll sich nicht „leicht aus der Fassung bringen“ lassen durch Prophetie,
mündliche Rede oder sogar einen angeblichen Brief, als sei der Tag des Herrn schon da. Paulus nennt nun Vorzeichen, die vorher eintreten müssen —
Abfall, Offenbarung des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, und das gegenwärtige Aufhalten durch den Katechon.

In der channeling/neuoffenbarungen Szene wird die Erde als eine Welt der Willensfreiheit bezeichnet,
d.h. man darf nicht eingreifen. Es wird nur eine Ausnahme genannt und das ist der Zeitpunkt, wenn sich die Welt selbst vernichtet,
dann wird eingegriffen.

Das entspricht auch der Bibel
"Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch gerettet werden“ (Matthäus 24,22)
Der Hauptunterschied ist, dass die Bbiel die Apokalypse (Harmageddon) und das notwendige Eingreifen Gottes/Jesu als determiniert sieht.
Das wiederspricht der Willensfreiheit.

In der channeling/neuoffenbarungen Szene wird oft erwähnwir uns anders entschieden haben, so dass die Trübsalszeit
nicht oder nur abgeschwächt erleben müssen.
Ihr befindet euch in einer Zeit, die von den Uralten als Entscheidungspunkt vorhergesagt wurde.
Viele Glaubenssysteme sahen hier das Ende der Welt, weil sie dachten, die Menschheit würde es nicht schaffen.
Es würde zum Dritten Weltkrieg kommen, ein Armageddon würde sich in seiner eigenen Form entfalten.
Der erschreckende Teil daran ist, dass viele glaubten, all dies würde durch einen Krieg in Israel beginnen.
Von Anfang an erwarteten die Historiker dies, da ihnen diese religiöse Erzählung vermittelt wurde. Doch es ist anders gekommen.
Dieses erwartete Ereignis, dieser Krieg in Israel, sollte im neuen Jahrtausend, in den frühen 2000er Jahren,
als ein Wendepunkt in einer „Schwarz-Weiß“-Welt auftreten, die den Beginn des Lichts markiert.
Mir ist klar, dass dies im Gegensatz zu der allgemeinen Auffassung ist.

Das Prinzip was den Untergang aufhält ist die gesteigerte Gesamtliebe (bedingungslose Selbst und Nächstenliebe),
oft bezeichnet als Erhöhung der Gesamtschwingung, Liebe zur Wahrheit und Erhöhung des Bewußtseins.

Von dieser These ausgehen, habe ich 2. Thessalonicher 2 gelesen nach Hinweise und stiess auf:

2. Thessalonicher 2,10
" Denn sie haben die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen, dass sie gerettet würden."

Mindestens bedeutet dieser Satz, das jeder individuell gerettet werden kann, wenn man die Liebe zur Wahrheit annehmen wird.
Wenn jeder Sie annehmen kann, könnten sie jeder annehmen. Wenn jeder sie annimt, kann es keine Trübsalszeit geben.

Das würde die Trübsalszeit als Wahrscheinlichkeitsprognose erscheinen lassen und nicht mehr determiniert sein,
weil es von der freien Entscheidung für oder gegen Gott abhängt und wieviele sich für was entscheiden.


Quellen:

https://philosophie-indebate.de/herrsch ... C%5B41%5D.
https://www.domradio.de/artikel/theolog ... che-scharf
https://de.wikipedia.org/wiki/Katehon
https://www.br.de/nachrichten/netzwelt ... ka,UoYDolu
https://info2.sermon-online.com/german/ ... _2012.pdf
https://www.vielfalt-mediathek.de/wp-co ... eorien/%20

https://www.pro-medienmagazin.de/der-an ... er-thiel/
https://www.deutschlandfunk.de/curtis-y ... wtab-de-de
https://www.kryon.de/post/original-kry ... -erde-2024

https://kryon.com/k_un.html
Zuletzt geändert von Lichtstrebender am Di 21. Apr 2026, 12:45, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Katechon

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Das Problem mit dem Katechon ergibt sich aus der Meinung, er sei noch da. Mit der protestantischen Bibelauslegung war man implizit der Ansicht, die Bibeltexte wären erst in ihrer Zeit mit den protestantischen Bibelübersetzungen gleichsam mitentstanden und 1500 Jahre Geschichte nebensächlich.
So muss man natürlich blind dafür bleiben, dass die protestantische Bewegung selber ein Ausdruck dessen ist, wogegen der Katechon gewirkt hatte.


PS: Deine Quellenverlinkung solltest du noch mal überarbeiten.
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Lichtstrebender
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Re: Katechon

Beitrag von Lichtstrebender »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Di 21. Apr 2026, 11:59 PS: Deine Quellenverlinkung solltest du noch mal überarbeiten.

In der Tat. Danke für den Hinweis, jetzt sollten alle funktionieren,


Das Problem mit dem Katechon ergibt sic ... kt hatte.

Die Stelle ist eigentlich zu unklar und ungenau, daher kann jeder verschiedene Dinge rein interpretieren.

Was für sich nicht schlimm ist, aber mich hat erschreckt, welche politische Wirkung dieser Vers entfaltet hat über Jahrhunderte/Jahrtausende.
Heute wird es als Rechtfertigung für Kriege etc. benutzt

Der Krieg gegen die Ukraine vom Welt-Russischen Volksrat als **„holy war“** gerahmt, was auf Katechon basiert.

Internationale Verbände sind per se schlecht nach Thiel, da sie von Antichristen ausgenutzt und übernommen werden können,
somit muss die Welt in verschiedene Machtzentren aufgeteilt werden.

2.–4. Jh. Römisches Reich** als Aufhalter des Antichristen
8.–10. Jh. Translatio imperii**: Das christliche Kaiserreich erbt die Rolle Roms
10. Jh. Solange das Reich steht, kommt der Antichrist noch nicht
12.–16. Jh. Das **Heilige Römische Reich** als sakralisierte Fortsetzung Roms
Neuzeit bis 19. Jh. Katechon-Motiv bleibt, verliert aber an zentraler Staatsform
20. Jh. Carl Schmitt** macht den Katechon zur politischen Großfigur: Aufhalter von Chaos, Entgrenzung, Weltstaat, Endzeit
Gegenwart: Russland Russland bzw. die „russische Welt“ als **Restrainer** gegen westliche Dekadenz / Globalismus
Gegenwart: USA / Thiel/vance Katechon als Bremse gegen den **one-world state**
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Re: Katechon

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Lichtstrebender hat geschrieben: Di 21. Apr 2026, 12:56 Internationale Verbände sind per se schlecht nach Thiel, da sie von Antichristen ausgenutzt und übernommen werden können,
somit muss die Welt in verschiedene Machtzentren aufgeteilt werden.

2.–4. Jh. Römisches Reich** als Aufhalter des Antichristen
8.–10. Jh. Translatio imperii**: Das christliche Kaiserreich erbt die Rolle Roms
10. Jh. Solange das Reich steht, kommt der Antichrist noch nicht
12.–16. Jh. Das **Heilige Römische Reich** als sakralisierte Fortsetzung Roms
Neuzeit bis 19. Jh. Katechon-Motiv bleibt, verliert aber an zentraler Staatsform
20. Jh. Carl Schmitt** macht den Katechon zur politischen Großfigur: Aufhalter von Chaos, Entgrenzung, Weltstaat, Endzeit
Gegenwart: Russland Russland bzw. die „russische Welt“ als **Restrainer** gegen westliche Dekadenz / Globalismus
Gegenwart: USA / Thiel/vance Katechon als Bremse gegen den **one-world state**
Übersehen bzw. vernebelt wird hier die Machtverschiebung im Kontext des aufstrebenden Bürgertums, der Aufklärung und der Französischen Revolution. Die monarchische Regierungsform wurde abgelöst durch die Herrschaft des Unternehmertums. Damit ging auch ein neues Menschenbild einher. Jesus Christus als Vorbild wurde abgelöst durch den rationalen Nutzenmaximierer. Christliche Nächstenliebe ersetzt durch Konkurrenz und Wettbewerb. Das alles hat es schon immer gegeben als latentes Denken und Wirken von Einzelnen ("Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam" 2. Thessalonicher 2,7 + "und jetzt ist der Antichristus schon in der Welt." 1. Johannes 4,3), aber erst Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhundert wurde das als gesamtgesellschaftliches Konzept entwickelt und offen verkündet. Nun galt ein neues Gesellschaftsmodell und eine neue Weltanschauung, die alles Rückständige ablösen sollten. Die Kirche war ja nicht einfach nur so rückständig im Denken, sondern hat wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt sabotiert und dämonisiert. Man wollte das monarchische Gesellschaftskonzept nicht gefährden. Die Wegbereiter für das neue Modell kam aber ausgerechnet aus kirchlichen Kreisen selber, nämlich von den spanischen Spätscholastikern, die die ersten Gedanken von freien Märkten entwickelten.
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Re: Katechon

Beitrag von Lichtstrebender »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Di 21. Apr 2026, 13:26

Übersehen bzw. vernebelt wird hier die Machtverschiebung im Kontext des aufstrebenden Bürgertums, der Aufklärung und der Französischen Revolution. Die monarchische Regierungsform wurde abgelöst durch die Herrschaft des Unternehmertums. Damit ging auch ein neues Menschenbild einher. Jesus Christus als Vorbild wurde abgelöst durch den rationalen Nutzenmaximierer. Christliche Nächstenliebe ersetzt durch Konkurrenz und Wettbewerb. Das alles hat es schon immer gegeben als latentes Denken und Wirken von Einzelnen ("Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam" 2. Thessalonicher 2,7 + "und jetzt ist der Antichristus schon in der Welt." 1. Johannes 4,3), aber erst Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhundert wurde das als gesamtgesellschaftliches Konzept entwickelt und offen verkündet. Nun galt ein neues Gesellschaftsmodell und eine neue Weltanschauung, die alles Rückständige ablösen sollten. Die Kirche war ja nicht einfach nur so rückständig im Denken, sondern hat wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt sabotiert und dämonisiert. Man wollte das monarchische Gesellschaftskonzept nicht gefährden. Die Wegbereiter für das neue Modell kam aber ausgerechnet aus kirchlichen Kreisen selber, nämlich von den spanischen Spätscholastikern, die die ersten Gedanken von freien Märkten entwickelten.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Di 21. Apr 2026, 13:26
Übersehen bzw. vernebelt wird hier die Machtverschiebung im Kontext des aufstrebenden Bürgertums, der Aufklärung und der Französischen Revolution.
[...]
Die Kirche war ja nicht einfach nur so rückständig im Denken, sondern hat wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt sabotiert und dämonisiert.
Die Wegbereiter für das neue Modell kam aber ausgerechnet aus kirchlichen Kreisen selber...
Das sehe ich nicht so...

Hier wird nichts übersehen, mir war wichtig, wie der Begriff des Katechon politische Wirkung entfaltete, so wie ich das sah, war Katechon während der Aufklärung kein Thema.

Tatsächlich war nach der Aufklärung, so ab Carl Schmitt eher ausserkirchliche Kräfte, die das Katechon politische Bedeutung gaben, die einzige Ausnahme ist Russland,
wo die Russische Orthodoxe Kirche und neokonservative Ideologen gemeinsam den Begriff aufladen.
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Re: Katechon

Beitrag von ProfDrVonUndZu »

Lichtstrebender hat geschrieben: Di 21. Apr 2026, 15:22 Hier wird nichts übersehen, mir war wichtig, wie der Begriff des Katechon politische Wirkung entfaltete, so wie ich das sah, war Katechon während der Aufklärung kein Thema.
Richtig, der war nicht explizit ein Thema bzw. kein Thema mehr.

Deswegen konnte er später als Thema zurückkehren.

Auch Schmitt sieht in der Französischen Revolution eine Neuordnung der Welt. Er sagte nur nicht, dass damit der Katechon als Prophezeiung erfüllt wäre. Das ist nicht sein Anliegen. Er greift den Begriff von Paulus nur auf, orientiert sich aber nicht an der paulinischen heilsgeschichtlichen Einordnung.
Lichtstrebender hat geschrieben: Di 21. Apr 2026, 15:22Tatsächlich war nach der Aufklärung, so ab Carl Schmitt eher ausserkirchliche Kräfte, die das Katechon politische Bedeutung gaben, die einzige Ausnahme ist Russland, wo die Russische Orthodoxe Kirche und neokonservative Ideologen gemeinsam den Begriff aufladen.
Du willst wohl nicht sagen, dass die Russisch Orthodoxe Kirche mit den Neocons kooperiert ? Das sind ja sogar ideologische Gegner. Richtig ist, dass die Russisch Orthodoxe Kirche im Russischen Reich die Rolle des Katechons sieht, also den Bewahrer der bestehenden Ordnung. Ähnlich denken die Neocons über die USA, ohne sich aber auf neutestamentliche Konzepte zu beziehen. Viele Neocons haben einen jüdischen Hintergrund, aber diese Bewegung ist rein säkular.
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Johncom
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Re: Katechon

Beitrag von Johncom »

Hallo Lichtstrebender, willkommen zurück!
Katechon ist ein anspruchsvolles Thema. Ich bemerke beschämt meine Lücken was Allgemeinwissen angeht.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Di 21. Apr 2026, 16:45 Du willst wohl nicht sagen, dass die Russisch Orthodoxe Kirche mit den Neocons kooperiert ? Das sind ja sogar ideologische Gegner. Richtig ist, dass die Russisch Orthodoxe Kirche im Russischen Reich die Rolle des Katechons sieht, also den Bewahrer der bestehenden Ordnung. Ähnlich denken die Neocons über die USA, ohne sich aber auf neutestamentliche Konzepte zu beziehen.


Ich vermute, die amerikanischen Neocons vor 20 Jahren und vorher gibt es heute nicht mehr. Man wollte damals noch die "globalen Führungsrolle Amerikas"
:arrow: https://en.wikipedia.org/wiki/Project_f ... an_Century

Aber das neue konservative Amerika ist seit Trump völlig runter von dem Trip. America First heißt eigentlich, wir kümmern uns um das eigene Land. Es geht also wieder um den eigenen Vorteil, den Deal mit den anderen Mächten. Und hier übersehen wir meistens, das die USA und die immer mehr abgehängte EU ihre Führung der restlichen Welt aufgeben. Inzwischen sind Russland und China wirkmächtiger, auch in den großen Kontinenten Afrika und Südamerika. Neocon heute heißt: die Realität annehmen und das Beste rausholen was noch zu holen ist.
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Gottsucher
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Re: Katechon

Beitrag von Gottsucher »

Ich bin mir nicht sicher, ob der "Zurück-/Aufhalter", von dem Paulus schreibt, eine weltliche Macht ist. Es gibt ja auch noch die Auslegung, dass dies der Heilige Geist ist, der seit dem ersten Pfingsten (Apostelgeschichte 2) in der Gemeinde wohnt. Hier dazu mal meine Auslegung von 2. Thessalonicher 2,1-12:
1 Wir bitten euch aber, ihr Brüder, wegen der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm: (1Kor 15,51; 1Thess 4,14)
Hier geht es um die Wiederkunft Jesu zur Entrückung der Gemeinde. Die Thessalonicher glaubten aufgrund der starken Verfolgung und falschen Lehre(r)n, sie hätten die Entrückung „verpasst“ und befänden sich schon in der Drangsal.
2 Lasst euch nicht so schnell in eurem Verständnis erschüttern oder gar in Schrecken jagen, weder durch einen Geist noch durch ein Wort noch durch einen angeblich von uns stammenden Brief, als wäre der Tag des Christus schon da. (Joe 3,4; Mt 24,3; Apg 2,20; Eph 4,14; 1Thess 5,1; 1Joh 4,1)
Hier geht es um den „Tag des Christus/Herrn“, also um die Ausgießung des Zornes Gottes über die gottlosen Bewohner der Erde ab der 2. Hälfte der siebenjährigen Drangsal, auch „große Drangsal“ genannt, vor der die Gemeinde durch Entrückung bewahrt wird.
3 Lasst euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muss unbedingt zuerst der Abfall[1] kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens, (Dan 7,21; Dan 11,21; Dan 11,28; Mt 24,4; Joh 17,12; 1Kor 15,33; Eph 5,6; 1Tim 4,1; 2Tim 3,1; 1Joh 2,18; 1Joh 3,7; Offb 17,1; Offb 17,8)
Vor der Ausgießung des Zornes Gottes ab der 2. Hälfte der siebenjährigen Drangsal erfolgt ein großer Abfall vom Glauben. Hierbei wird sich zeigen, wer wirklich gerettet ist und wer sich nur „Christ“ nennt. Dies geht einher mit dem Auftreten des Antichtisten.
4 der sich widersetzt und sich über alles erhebt, was Gott oder Gegenstand der Verehrung heißt, sodass er sich in den Tempel Gottes setzt als ein Gott und sich selbst für Gott ausgibt. (Jes 14,13; Hes 28,2; Offb 13,6)
5 Denkt ihr nicht mehr daran, dass ich euch dies sagte, als ich noch bei euch war? (1Thess 3,4; 2Petr 1,12)
6 Und ihr wisst ja, was jetzt noch zurückhält, damit er geoffenbart werde zu seiner Zeit. (2Thess 2,3; 2Thess 2,7; 2Thess 2,8)
Der Heilige Geist, der seit dem ersten Pfingsten (Apg 2) in der Gemeinde wohnt, ist es, der den Abfall und das damit einhergehende Auftreten des Antichtisten noch verhindert. Solange die Gemeinde noch auf der Erde ist, sind diese Bedingungen nicht erfüllt.
7 Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon am Wirken, nur muss der, welcher jetzt zurückhält, erst aus dem Weg sein; (1Joh 4,3)
Das gottlose Denken und Handeln der Menschen ist bereits vorhanden, jedoch noch nicht in vollem Umfang. Doch sobald die wahre Gemeinde durch Entrückung von der Erde genommen wird und nur noch Ungläubige und „Namenschristen“ übrig sind, ist der „Abfall“ eingetreten und der Weg für das Wirken des Antichtisten frei.
8 und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr verzehren wird durch den Hauch seines Mundes, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft beseitigen wird, (Hi 4,9; Jes 11,4)
Nach der Entrückung bricht sich das Böse während der ersten Hälfte der siebenjährigen Drangsal ungehindert Bahn. Ab der 2. Hälfte beginnt die Ausgießung des Zornes Gottes über die auf der Erde verbliebenden gottlosen Bewohner (7. Siegel, Posaunen- und Schalengerichte), an dessen Ende die Vernichtung des Antichristen steht (Offb. 19), wenn Jesus zusammen mit Seinen „Heiligen“ (der zuvor entrückten Gemeinde) wiederkommt zur Errichtung des tausendjährigen Reiches.
9 ihn, dessen Kommen aufgrund der Wirkung des Satans erfolgt, unter Entfaltung aller betrügerischen Kräfte, Zeichen und Wunder (Mt 24,24; Offb 13,1; Offb 13,11)
Der Antichtist wird die auf der Erde verbliebenen gottlosen Menschen durch viele „Zeichen und Wunder“ verführen und so vom Glauben an den wahren Gott und Messias abhalten.
10 und aller Verführung der Ungerechtigkeit bei denen, die verlorengehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können. (Joh 8,44; Röm 1,25; Röm 2,12; 1Kor 1,18; 2Kor 4,3; 2Tim 4,3; 2Petr 2,2)
Hätten sie sich während der Gnadenzeit zu Gott bekehrt, wären sie gerettet worden.
11 Darum wird ihnen Gott eine wirksame Kraft der Verführung senden, sodass sie der Lüge glauben, (1Kön 22,22; Ps 81,12; Jes 6,10; Mt 24,5; Mt 24,11)
Nun aber wird die Verführung so stark sein, dass sie kaum noch in der Lage sein werden, die Wahrheit zu erkennen. Auch wird der Druck der Verfolgung so stark sein, dass sich die meisten nicht zu Jesus bekennen werden.
12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit. (Joh 3,18; Röm 1,18; Röm 1,32; Röm 2,8)
Letztlich werden sie den Antichtristen anbeten und das Malzeichen annehmen und damit auf ewig verloren gehen.

Abfolge der Endzeitereignisse (schnell skizziert; kann Fehler enthalten oder unvollständig sein):
Auslegung von 2.Thessalonicher 2,1-12 - Abfolge.png
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Re: Katechon

Beitrag von Lichtstrebender »

Gottsucher hat geschrieben: Mi 22. Apr 2026, 09:07 Ich bin mir nicht sicher, ob der "Zurück-/Aufhalter", von dem Paulus schreibt, eine weltliche Macht ist. Es gibt ja auch noch die Auslegung, dass dies der Heilige Geist ist, der seit dem ersten Pfingsten (Apostelgeschichte 2) in der Gemeinde wohnt. Hier dazu mal meine Auslegung von 2. Thessalonicher 2,1-12:
Genau das habe ich auch gesagt.
Gottsucher hat geschrieben: Mi 22. Apr 2026, 09:07 Der Heilige Geist, der seit dem ersten Pfingsten (Apg 2) in der Gemeinde wohnt,
ist es, der den Abfall und das damit einhergehende Auftreten des Antichtisten noch verhindert.
Solange die Gemeinde noch auf der Erde ist, sind diese Bedingungen nicht erfüllt.
[..]
Das gottlose Denken und Handeln der Menschen ist bereits vorhanden, jedoch noch nicht in vollem Umfang.
Doch sobald die wahre Gemeinde durch Entrückung von der Erde genommen wird und nur noch Ungläubige und „Namenschristen“ übrig sind,
ist der „Abfall“ eingetreten und der Weg für das Wirken des Antichtisten frei.
[...]
Abfolge der Endzeitereignisse (schnell skizziert; kann Fehler enthalten oder unvollständig sein):
Ich kenne diese Endzeitereignisse sehr gut, ich hab als Teenager schon Hal Lindsey gelesen und jeden erzählt,
der es nicht hören wollte ;)



Ich kenne diese Endzeitereignisse sehr gut, ich hab als Teenager schon Hal Lindsey gelesen und jeden erzählt,
der es nicht hören wollte ;)

Ich sehe das heute differenzierter.

z,b, ist das Ereignis Entrückung in der Bibel kaum beschrieben, was genau das ist und wie es funktioniert, es wird nur das Ergebnis beschrieben,
dass plötzlich Menschen weg sind.

Auf einen wichtigen Unterschied will ich trotzdem hinweisen.
Die normale Erzählung ist, dass Gott die Menschen auswählt, die entrückt werden.
Ich glaube eher, dass es die Menschen sind die den Weg wählen, da Gott jeden erretten will,
aber manchen Menschen es nicht ertragen.

Ein einfaches Beispiel:
Stell die eine Welt vor , wie die unsere, nur mit dem Unterschied, dass du alle Gefühle von anderen Menschen wie deine eigenen spüren kannst
in gleicher Intensität.

Du kannst nicht mehr an leidenden Menschen achtlos vorbeigehen.
Ein Raum voller wütender und/oder ablehnender Menschen wäe unerträglich.

Anders gesagt, du spürst sofort alle Wirkungen deiner Gedanken und Handlungen an andere.
Je nachdem wie du dein Leben gelebt hast in Handlungen und Gedanken, kann das ein Segen sein oder ein Fluch.

"Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40)

Deswegen soll man sich vorbereiten, da es nicht nur eine Willensentscheidung ist, sondern auch ein Bewusstseinsprozess, der leichter ist mit mehr Zeit.


Für jeden der es nicht erträgt muss erstmal "zurückbleiben" und hat die Chance auf ein "kalten Entzug" um kompatibel
für die neue Welt zu werden.
damit auf ewig verloren gehen.

Auf ewig verloren geht niemand, es wird nur schwieriger und leidvoller.
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Re: Katechon

Beitrag von Lichtstrebender »

ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Di 21. Apr 2026, 16:45 Du willst wohl nicht sagen, dass die Russisch Orthodoxe Kirche mit den Neocons kooperiert ? Das sind ja sogar ideologische Gegner
Ich vermute, du meinst mit Neocons Thiel, Vance und Konsorten ?

Nein, das behaupte ich nicht. Sie rechtfertigen nur ihr destruktives tun mit der gleichen Bibelstelle.
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