Auf dem siebten Tag liegt der Segen Gottes. Worin? Der Mensch soll zur Ruhe kommen.1.Mo 2,3 Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an demselben ruhte er von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte.
Gott gab dem Menschen alles was dieser für sein Wohl brauchte.1.Mo 1,22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch und füllt die Wasser in den Meeren, und die Vögel vermehren sich auf der Erde!
Worte:
בְּרָכָה (bᵉrāchāh) Segen, Geschenk, von בָרַךְ (vārak) segnen, preisen
בְּרֵכָה (bᵉrechāh) Teich, Quelle
בֶּרֶךְ (bërëk) Knie
אַבְרֵךְ (ʽavrek) niederwerfen, das Knie beugen
מְאֵרָה (mᵉʽerāh) Fluch von אָרַר (ʽārar) verfluchen
תַּאֲלָה (taʽălāh) Fluch, Verwünschen von אָלָה (ʽālāh) schwören, beschwören
שְׁבוּעָה (schᵉvuʽāh) Eid, Schwur, Fluchwort von שָׁבַע (schāvaʽ) schwören, beschwören
זָעַם (zāʽam) verwünschen, zürnen
נָקַב (nāqav) durchbohren, verwünschen von קָבַב (qāvav) verwünschen (aushöhlen um zu verleumden, zu verfluchen)
קְלָלָה (qlālāh) Fluch, Verwünschung, von קָלַל (qālal) fluchen, erleichtern, mindern.
Segen bedeutet daher etwas erfrischendes (Quelle) immer fliessendes, das heisst, kein Mangel. Fluch dagegen bedeutet Minderung dieser Quelle.
Segen als „Vermehrung des Guten“
Heiligkeit (Kadosch) bewahrt die Qualität. Segen (Baruch) sorgt für die Quantität.
Im Schöpfungsbericht segnet Gott die Tiere und die Menschen mit dem Wort: „Seid fruchtbar und mehret euch.“ Segen bedeutet im Tenach fast immer: Wachstum, Fruchtbarkeit, Frieden und Gedeihen.
Nun das Eigentliche, Wichtige:
(V1) לֶךְ לְךָ֛ (lëk lᵉkā) wörtlich: „…gehe für dich…“.1.Mo 12,1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus, in das Land, das ich dir zeigen werde.
2. Und ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen; und du sollst / werde du ein Segen / sein!
3. Und ich will segnen (die Absicht hegen, es zu tun), die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!
לְךָ = „für dich / zu dir / dir“ (Dativ: „dir, für dich“) (ähnlich 1.Mo 22,2)
Der Weg aus:
1. (Vater-) Land, den bildenden Einflüssen,
2. Verwandtschaft, Geburtsort somit die bürgerliche Stellung,
3. Vaterhaus, der innigste und schützende Ort, wo man individuell erblühen kann.
Ein Weggehen von allem, was einem binden will, es ist nicht einfach eine Trennung: von zu Hause weg, damit auch der Verwandtschaft und dadurch auch dem Vaterland. Das Auswandern wird erschwert durch andere Sprachen und andere Sitten.
(V2) Was Abraham aufgeben soll, verlassen soll, wird ihm im reichen Masse wieder gegeben. Er gibt sozusagen seine Nationalität auf und wird für eine neue dazu bestimmt, nicht von etwas, was es schon gibt. וְאֶֽעֶשְׂךָ֙ (wᵉʽëʽëskā) „Ich will dich machen…“, Gott macht ihn zu einem grossen Volk und dazu braucht es eines gemeinsamen Bandes, des Gottesbundes.
וֶהְיֵ֖ה בְּרָכָֽה (wëhjeh bᵉrāchāh), werde du ein Segen (nicht du sollst..) imperativ, befehlend!
Es beinhaltet den Gott wohlgefälligen Lebenswandel. Nicht um den Segen der Nationen zu gewinnen, denn jene wollen selbst den Segen, die Anerkennung. Israels Gösse als Volk (ein grosses Volk) wird somit vom Segen, dem Wohlwollen der Nationen abhängig gemacht (und diese haben es bis heute bekämpft).Wiederum wurde es den Nationen auch nicht zum Segen, wenn Israel anderen Göttern diente.
Es steht nun mal nicht: „du sollst ein Segen sein….“ als futuristische Wendung, oder Vorhersage einer Verheissung, dass „Abrahams (oder aus seinen Nachkommen / Samen) durch sein Leben automatische ein Segen für die Welt“ werden soll. Darin ist auch keine aktive Aufforderung zu handeln.
Sondern es steht: „Werde du zum Segen … / …sei du ein Segen …“ Imperativ, befehlend, wird hier betont. Es ist Abrahams Bestimmung, Aufforderung so „zu sein“. Also Abraham muss selber mitwirken, aktiv seinen Glauben leben.
(V3) Segen bedeutet nicht, über jemandem geheimnisvolle Kräfte herabzurufen, die Hände zum Himmel erheben (was sicher gut gemeint ist, aber dann kommt der Segen von oben), sondern bewusst zu seinem Wohl beizutragen und seine Entwicklung zu fördern. Auf diese Weise wird klar, dass Segen oder Fluch (קָלַל (qālal): was das mindern oder gar das verhindern der Entwicklung des anderen will) nicht ein Vorhersagen oder nur gute Wünsche sind, sondern aktive (Mit-) Wirkungen, die Abraham gestalten muss.
Somit für die Nationen: nicht einfach nur huldigen oder nur den Besitz Israels fördern, sondern dessen Entwicklung auch im geistigen Bereich vorantreiben (aber die Nationen machen das Gegenteil, der jüdische Glaube wird als überholt, minderwertig betrachtet, den Segen wollen sie aber trotzdem, oder meinen ihn zu haben).
Die Präposition „be-“ (בְּ) im Hebräischen hat eine grosse Bandbreite hat. Wörtlich steht dort „be-cha“ (בְךָ֔ (vᵉkā)). Wörtlich „in dir…“. Abraham, seine Nachkommen werden sozusagen zu einem Behälter (der Sphäre) des Segens. Wer sich innerhalb seiner Geschichte bewegt, befindet sich innerhalb seines Segensraumes (je nach Segen oder Fluch). Man nimmt Israel / Abraham als Beispiel.
Jes 61,9 Und ihre Nachkommenschaft (von Israel) wird bekannt werden unter den Nationen, und ihre Sprösslinge inmitten der Völker: Alle, die sie sehen, werden sie erkennen, dass sie eine Nachkommenschaft sind, die JHWH gesegnet hat.1.Mo 18,18 Wird doch Abraham gewisslich zu einer großen und mächtigen Nation werden, und sollen doch in / durch ihm gesegnet werden alle Nationen der Erde!
Der Niedrige segnet den Höheren:
In unserem Verständnis denken wir bei „Segen“ meistens hierarchisch von oben nach unten (Gott segnet Menschen, der Priester die Gemeinde, der Vater die Kinder).
Aber die Tenach kennt auch die umgekehrte Richtung. Das hebräische Wort Baruch (בָּרוּךְ) wird ständig verwendet, wenn der Mensch Gott anspricht: „Baruch Ata Adonai.“ – „Gesegnet seist /bist Du, Herr…..“
Wie kann ein kleiner, fehlerhafter Mensch den unendlichen Gott „segnen“? Gott braucht doch keinen Zuwachs an Kraft oder Glück?1.Mo 9,26 Und er sprach: Gepriesen / gesegnet sei JHWH, der Gott Sems; und Kanaan sei sein Knecht!
Wenn der Untergebene den Höheren (Gott) segnet, bedeutet das im Hebräischen nicht, dass er ihm etwas gibt, was Gott fehlt. Es bedeutet vielmehr:
Knien (Berech): Der Mensch beugt sein Knie und erkennt an, dass Gott die Quelle alles Guten ist.
Bezeugen: „Segen“ bedeutet hier: „Ich bezeuge, dass Du gütig bist.“ Es ist eine Art Echo. Gott sendet den Segen aus, und wenn der Mensch „Baruch“ sagt, wirft er diesen Segen als Lobpreis zu Gott zurück.
Den Höheren zu segnen bedeutet also: Ihm Raum geben.
1.Mo 14,19 Und er (Melchisedek) segnete ihn und sprach: Gesegnet בָּר֤וּךְ (bāruk) sei Abram von Gott לְאֵ֣ל (lᵉʽel), dem Höchsten, der Himmel und Erde besitzt!
20 Und gepriesen וּבָרוּךְ֙ (uVāruk) sei Gott, der Höchste, der deine Feinde in deine Hand geliefert hat! – Und Abram gab ihm den Zehnten von allem.