Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 17:16
Ist das nicht genau die Ich-Orientierung, die du als böse bezeichnest?
Weiß nicht ganz genau, was Du meinst. --- Das, was der Hinderer macht, ist böse (auch wenn es von Gott gestattet wird), weil der Hinderer ja den Abfall von Hiob von Gott will. Denn die zu erwartbare Reaktion von Hiob wäre ja, dass er sagt: "Gott, Du hast mich schlecht behandelt, also falle ich von Dir ab. Ich mache jetzt mein Ding". - Diese Rechnung des Hinderers geht nicht auf.
Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 17:16
Die Schlange hat bewirkt, dass der Mensch überhaupt erst mal den eigenen Willen erkennt.
Genua - wobei der Mensch es gar nicht als "Wille" gezeichnet hätte, weil A+E noch nicht so abstrakt denken konnten.
Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 17:16
Er hätte sich immer noch dafür entscheiden können, auf Gott zu hören - auch nachdem ihm bewusst wird, dass er etwas anderes will.
"Sie erkannten, dass sie nackt waren" wird erst NACH dem Fall gesagt. Mit anderen Worten: Bewusst für Gott entscheiden konnten sich A+E VOR dem Fall nicht. Genauso wie sie sich auch nicht bewusst für das Essen entschieden haben. Die gesamte Sprache rund um diese Szene ist triebhaft. Man spüre einen unwiderstehlichen Drang wie ein 18jähriges Paar Im Bett, nachdem die Eltern ausgegangen sind.
Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 17:16
Ich würde das nicht als böse bezeichnen.
Im Sinne von "brutal", "hinterhältig", etc. ist das in der Tat nicht böse. Auch hier wieder Sprache: "Böse" im Wesen ist das, was von Gott Abgewendetes ist. Ob sich dies dann durch Serienmorde, Lügen, Stehlen oder gar nur Unterlassen ausdrückt, ist eine andere Ebene.
Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 17:16
Wenn Gott dich das tun lässt, dann gehe ich davon aus, dass er das will.
Nein. - Er weiß es schon vorher und fügt mein Leben dementsprechend. Oft wird nicht verstanden, dass Fügung nur deshalb möglich ist, weil Gott "in der Vor-Zeit" (2.Kön. 19,25) schon weiß, was in der Weltzeit von Alpha bis Omega geschehen wird - wie sich also Du oder ich in gegebenen Situationen entscheiden werden. - Gott WILL nicht, dass wir uns so entscheiden, sondern er weiß, dass wir uns so entscheiden (wobei "Entscheidung" nichts ist als der letzte Zipfel eines Prozesses, der bewusst oder unbewusst sein kann).
Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 17:16
Am ehesten Sinn hätte es noch, wenn er den weiblichen Aspekt des Göttlichen repräsentieren würde.
Das macht Sinn - die Ruah. Das passt auch dahingehend, als dass Gottvater offenbart ist als "Gott im Himmel", Jesus als inkarnierter Gott (bei trinitarischer Sichtweise) und der HG eben die wirkende Kraft in der Welt (also sein Arbeitsplatz ist die Welt).
Bsp Genesis. Es heißt dort "Und die Erde brachte das Grün hervor". Es heißt NICHT: "Und Gott schuf Gras". Das heißt: Die Schöpfung, egal ob Gras oder Mensch, hat eine Wiederschöpfungsgabe in der Welt. Das wäre in unserem Kontext "göttliche Wirkkraft in der Welt" - und ziemlich weiblich.
Sara Funkelstein hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 17:16
Doch das hat später mehr oder weniger die Gottesmutter/Himmelskönigin übernommen.
Katholisch gesehen eigentlich nicht. Maria steht für die eigens von Gott "unbefleckte" Frau (das "unbefleckt" ist nicht nur körperlich im Sinne von Jungfrau gemeint, sondern vor allem geistig) sowie für "Mutter". Es ist belegt, dass sich schon ab dem Mittelalter Frauen an Maria gewendet haben, wenn sie frauentypische Beschwerden hatten, weil man das einem Heiligen oder gar Jesus nicht zumuten wollte. Das ist keine fundamental-theologische Aussage, sondern spiegelt einen Blick in die Praxis. Vieles, was heute als typisch katholisch oder typisch evangelisch bezeichnet wird, hat sich sehr praktisch entwickelt.
Larson hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 17:20
Deshalb muss /sollte man ja versuchen, das Gesagte, respektive Geschriebene entsprechend dem Kontext zu verstehen, ohne dabei eigenes hineinzudenken.
Das kann niemand. Wenn Du sagst "im Kontext verstehen", interpretierst Du schon (ich auch). Der Punkt ist eher, dass Menschen je nach heilsgeschichtlichem Platz Kontexte unterschiedlich interpretieren.
Larson hat geschrieben: ↑Sa 21. Mär 2026, 17:20
Da mahnt Gott die „Weisen und Gelehrten“ die sich für Klug und Geschickt halten
Richtig. Deshalb sehe die Mystik als höchste Glaubensform. Das kommt in einfacher Form durchaus dem nahe, was ich noch von früher kenne: Frauen, die jeden Morgen in die Kirche gingen. - Davon abgesehen: Eine nordkoreanische Mutter, die ihre Kinder mit Liebe und SChmerz durchbringt, kann Jesus näher sein als Christen, die "Herr, Herr" rufen. - Deshalb: ich würde jedem raten, keine Vergleiche mit anderen Menschen zu ziehen. Da zieht man schnell den Kürzeren.