Magdalena61 hat geschrieben: ↑Mo 2. Mär 2026, 15:35Vereinfacht gesagt: Unter Bibelkritik verstehe ich, wenn jemand die Meinung vertritt, dass biblische Inhalte
nicht wahr sind.
Du betonst hier "nicht wahr".
Ich sehe das Problem bereits im Begriff "Inhalt", denn hier geht es darum, was unbekannte Schreiber in einem unbekannten Kontext für unbekannte Leser gemeint haben sollen.
Zudem wurde dann auch noch durch die Textauswahl und Zusammenstellung viel neue "Meinung von Unbekannten" mit hineingesteckt.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Mo 2. Mär 2026, 15:35Die zentrale Botschaft der Bibel ist die Lehre von Sünde und Tod und der Errettung durch Jesus Christus.
Die zentrale Aussage der Bibel (im Hinblick auf das NT) sehe ich in der Botschaft, dass es einen Messias-Vorgang gab, der (nach einem Untergang) in der Folgezeit über die Bewegung der Gläubigen als "Leib des Messias" fortgesetzt werden soll, um den messianischen Effekt, also die messianische Zeit (als Nähe zu Gott) zu erreichen.
In den Begriff "messianische Zeit" kann man dann vielleicht so Aspekte wie "frei von Sünde" und "Errettung" hineinlegen, aber es geht um das Erreichen einer Nähe zu Gott (Jesus-Motto: "keiner kommt zum Vater, denn durch mich").
Mir fällt da auch das
apostolische Glaubensbekentniss ein.
Dort steht der Glaube an die Bewegung ("heilige Kirche" und "Gemeinschaft der Heiligen") eindeutig
vor der "Vergebung der Sünden" und der "Auferstehung der Toten".
Die Reihenfolge dürfte hier nicht zufällig sein und zu "Jesus Christus" wird dort nicht gesagt, dass er als Sühne/Opfer für die Sünden gestorben ist bzw. es wird nichts über die Funktion seines Todes ausgesagt.
Ich habe oben einen Text zitiert (und verlinkt), der den Anfang der Denktradition eines Jesus-Sühneopfers im 11. Jhd. verortet und die Anfänge nicht im eigentlichen Bibeltext stehen sollen.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Mo 2. Mär 2026, 15:35Wenn nun jemand sagt: Gott wollte nie Menschenopfer, was ja richtig ist, und diesen Satz in den Kontext zu diesem fürchterlichen Leiden und Sterben des - ich schreib's mal dazu, damit das deutlicher wird- HEILIGEN Sohnes Gottes stellt.... wirksamer kann man Gott nun wahrhaftig nicht verspotten und beleidigen. Man sagt praktisch: Jesus hätte es auch bleiben lassen können... man interpretiert die Liebe, die Ihn dazu bewog, sich für die Menschheit hinrichten zu lassen, als wertlos.
Im 1.Jhd. haben sich die Römer bestialische Hinrichtungsmethoden ausgedacht und tausendfach an Messias-Begeisterten (keine "Jesus"-Anhänger) durchgeführt.
Diese sind derart den Märtyrer-Tod gestorben, dass selbst die feindlichen Römer eine Anerkennung für die religiöse Standhaftigkeit aussprachen.
Ich sehe es als Entscheidung von späteren Christen an, dieses tausendfache Sterben auszublenden und sich
nur einen Folter- und Sterbevorgang vorzustellen, in den sie dann eine besondere Funktion hineinlegen.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Mo 2. Mär 2026, 15:35Er hatte große Angst. Und diese Schmerzen, diese Verzweiflung... ein Todeskampf über viele Stunden unter unsäglichen Qualen...dazu noch "von Gott verlassen"... wie kommt man dazu, diese zu entwerten?
Ich verstehe, wie du denkst, aber durch die Christen liegt eher eine sonderbare „Verengung auf eine Person“ vor, die ihnen beim Einsortieren in die historischen Umstände (tausendfache Folterungen, Kreuzigungen und Schlimmeres) wie eine Entwertung vorkommt.
Du weist ja von mir, dass ich nicht von einer Person "Jesus" ausgehe, sondern die literarische "Jesus"-Figur als Bild für die erste Phase der jüdischen Messias-Bewegung ansehe.
Obwohl ich einen konkreten historischen Zusammenhang herstelle (eine Qualität, die sonst niemand vorlegen kann), sieht das für viele Christen wie eine Entwertung aus.
Tatsächlich ist es aber allein ihre Entscheidung, von einer historischen "Jesus"-Person auszugehen.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Mo 2. Mär 2026, 15:35Das kann man alles machen, man kann sogar die Bibel "kritisieren", dafür gibt es ja dieses Forum, weil solche Fragen nicht totgeschwiegen werden sollten (meiner Meinung nach), denn es gibt ja einen Grund dafür, dass jemand auf solche Gedanken kommt. Und die Bibel hält das aus... die bricht nicht zusammen, nur, weil Menschen sie nicht verstehen.
Das sehe ich auch als sagenhaft gute Qualität deines Forums an.
Bei anderen Foren-Anbietern habe ich schon enorme Schwierigkeiten bekommen, obwohl ich nicht anders auftrete.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Mo 2. Mär 2026, 15:35Aber solche Themen dann eben im Forum BK, damit ist auch für Gäste eine Zuordnung erkennbar.
...
Man kann darüber reden-- hier, im Forum BK. Nicht im Bibelforum.
Man sollte auch ein wenig Rücksicht nehmen auf die Christen, die damit ein massives Problem hätten. Deswegen haben wir die Foren ja so eingerichtet und getrennt.
Keine Frage, es ist nachvollziehbar, dass es einen Raum für (ich nenne sie mal in Bezug auf das Christentum) "Mehrheitsgläubige" geben muss, in dem sie ihre Detaildiskussion abwickeln können.
Leute wie ich (also Nicht-Gläubige) und auch "exotisch Gläubige" (als Gegensatz zu "Mehrheitsgläubige") sorgen dann leicht für zu starke Diskussionsabweichungen.
Wie du sehen kannst, habe ich auch Schwierigkeiten, Begriffe für eine verständliche Abgrenzung zu finden.
Es geht halt irgendwie um die Aufteilung "innerhalb eines Bibel-Meinungskorridors" (-> "Bibelforum") und "ausserhalb eines Bibel-Meinungskorridors" (-> "Bibelkritik").
Ist das mehr eine Gefühlssache, dann hat die Moderation einen gewissen Aufwand, die Korridore auseinander zuhalten.
Ich schätze es so ein (und das ist vermutlich auch deine Erfahrung), dass man hier einfach ab und zu eingreifen muss, damit die Trennung aufrechterhalten bleibt.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Mo 2. Mär 2026, 15:35Wir können nicht etwas lehren, das von Gott, den wir für den Autor der Schriften halten, nicht vorgegeben, sondern das Gegenteil davon ist.
Die Engel im Abgrund würden sich sicherlich freuen, wenn sie einen Anwalt bekämen, der ihre guten Seiten betont und ihnen Hoffnung macht auf Erlösung.
Aber das ändert nichts an den von Gott entschiedenen Tatsachen.
Mir tun alle leid, die in Abgründen ausharren müssen. Die Realität ist sehr krass, genau genommen: Schrecklich. Ich kann aber die Bibel nicht umschreiben, dazu bin ich nicht autorisiert, und ich will es auch nicht.
Ein derart konkretes Verständnis des Bibeltextes („Hineinziehen in die Realität“) ist die Entscheidung des einzelnen Gläubigen.
Der Text macht insgesamt kein Geheimnis daraus, ein Glaubenstext mit Bildern zu sein.
Der gesamte Formungsprozess christlicher Ansichten (das gilt natürlich auch für andere Religionen) unterliegt einem Charakterzug:
niemand musste jemals beweisen, dass es sich so verhält, wie er es behauptet.
Da fällt mir (wie oben an einen anderen User geschrieben) das Übers-Wasser-Gehen ein - plötzlich "schreibt" jeder Christ um und keiner stellt sich seinem Untergehen.
Bei dieser Szene ist schlagartig jedem klar, dass es ein Bild sein soll.
Warum? Ganz einfach: "Beweis liegt in der Luft und sie versagen alle".
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Mo 2. Mär 2026, 15:35Gut und Böse werden auf verschiedene Weise personifiziert. Da bildet die Bibel keine Ausnahme.
Eine Personifizierung bedeutet: es handelt sich nicht um eine Person, sondern es wird nur so dargestellt.
Wenn du "Gott" als "das Gute" ansiehst und "Satan" als "das Böse", dann stehen beide nicht auf gleicher Stufe.
Das könnte man also z.B. nicht durch das Yin-Yang-Symbol beschreiben.
Ich habe mal die Google-KI gefragt:
Google-Suche: "kann der allmächtige Gott satan besiegen?"
Antwort:
Ja, nach christlicher Theologie und biblischem Verständnis kann und wird der allmächtige Gott Satan besiegen. Satan ist kein ebenbürtiger Gegenspieler, sondern ein geschaffenes Wesen (gefallener Engel), dessen Macht begrenzt ist und der Gottes Souveränität untersteht. Der finale Sieg ist laut der Offenbarung garantiert.
Kernaspekte des Sieges:
* Bereits besiegt: In der christlichen Lehre gilt Satan durch den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus am Kreuz als entscheidend besiegt (Kolosser 2,15).
* Endgültige Vernichtung: Die Bibel verheißt, dass Satan am Ende der Zeit endgültig in den „ewigen Feuersee“ geworfen wird (Offenbarung 20,10).
* Begrenzte Macht: Satan benötigt Gottes Erlaubnis, um zu handeln, wie im Buch Hiob (1,12) dargestellt.
* Warum noch nicht? Es wird angenommen, dass Gott Satan vorübergehend gewähren lässt, um Seinen Heilsplan zu erfüllen, Gerechtigkeit zu zeigen und Gläubige zu prüfen.
Zusammenfassend: Gott ist souverän; Satan ist ein geschlagener Feind.
Es steht ausdrücklich drin: "Satan ist kein ebenbürtiger Gegenspieler"
Der Begriff "Feind" ist somit nicht korrekt bzw. nicht auf "Gott" selbst bezogen, sondern auf sein Projekt und die "Annahme einer Gewährung" zieht das Ganze in Bezug auf "Gott" durchaus in ein anderes Licht (da wird "Satan" plötzlich "dienlich").
Ich kann mir vorstellen, dass sich gewisse Denktraditionen rund um „den Feind“ eingeschlichen haben, die bei genauerer Text-Prüfung mit einem Fragezeichen zu versehen sind.