ProfDrVonUndZu hat geschrieben: ↑Mo 26. Jan 2026, 23:23
Ob ich der Lösung näher gekommen bin, wäre die eine Frage. Die andere Sache ist die, dass man ChatGPT schon gezielt auf die Sprünge helfen kann und muss, ansonsten bekommt man nur Vorgekautes serviert.
Diese Erfahrung mache ich auch. Ich fragte die KI, ob der Text nicht aus zwei Fragen bestehe. Deine Analyse ergibt nur eine Frage, in dem der zweite Satzteil textlich zum ersten gehört bzw. die Formulierung der Frage an sich wäre. Das wäre aber theologisch nicht haltbar, denn ich finde eine solche Aussage im AT nicht. Überdies ist "Eifer" weiterhin m.E. eine falsche Wortwahl. Das rolle ich aber nicht mehr auf.
Meine Befragung ergab, dass Frage oder Aussage in Koine keiner genormten Satzstellung bedürfe. Es kann ein Satz sowohl als auch gelesen werden, was auch für Hebräisch typisch ist. Man braucht dazu den Kontext. Punkte zur Satzabtrennung gibt es leider auch keine. Dem Muster zweier Fragen folgt die ELB-CSV ÜS:
Jak 4,5 hat geschrieben: Oder meint ihr, dass die Schrift vergeblich rede? Begehrt der Geist, der in uns wohnt, mit Neid?
Dazu müsste im zweiten Satz "der Geist" grammatikalisch in der 1. Person stehen, sonst wäre es kein Subjekt. Deine Analyse sagt das auch eindeutig. In der Deutsch-ÜS ist das auch der Fall.
Biblehub analysiert hier aber einen Akkusativ:
https://biblehub.com/interlinear/james/4-5.htm Das wirft wieder ein Verständnisproblem auf. Denn dann ergibt sich kein klarer Subjektbezug, was auch festgestellt wurde. Was trifft nun zu? Dazu meine folgende simple Frage an die KI:
Frage zur Bibelstelle Jakobus 4:5: Steht "der Geist" im Nominativ oder Akkusativ oder sind die Formen grammatikalisch gleich?
CHatGPT als Kurzantwort hat geschrieben:
Ja, die Formen sind formal gleich, deshalb ist die Kasusfrage in Jakobus 4,5 grammatikalisch nicht eindeutig und muss aus dem Satzbau entschieden werden.
πνεῦμα (Geist) Neutrum
Nominativ Singular: τὸ πνεῦμα
Akkusativ Singular: τὸ πνεῦμα

Nominativ und Akkusativ sind im Neutrum identisch.
Rein von der Form her ist also keine Entscheidung möglich.
Damit ist geklärt, dass es auch zwei Sätze sein können, die jeweils ein Subjekt haben. Die ELB-CSV trägt dieser Leseart Rechnung. Das ist mal kein Fehler, aber die Sätze müssen auch Sinn machen. Für mich machen sie das. Falls die Grammatik nicht weiterhilft, muss der Kontext beleuchtet werden, um den Gedankengang des Jakobus nachvollziehen zu können. Das wäre der 2. Schritt (bei mir nun ein Kontrollvorgang).
Dazu meine Gedanken: Die Schrift redet nirgendwo, dass der Geist mit Neid begehre. Würde Jakobus das sagen wollen, redet er nicht getrieben vom Heiligen Geist und sein Wort ergäbe auch keinen Sinn. Und vom Eifer ist hier nie die Rede. So kann ich nur den Schluss ziehen, dass es sich tatsächlich um zwei rhetorische Fragen handeln müsse.
Wissenschaft hin, Wissenschaft her, es ist noch wichtiger den Mund des Herrn zu befragen. Otto hat das getan, aber aus meiner Sicht nicht korrekt geantwortet, denn er bezog sich auf den Geist des Menschen. Dieser "wohnt" aber nicht in uns, sondern das sind wir selbst. Dessen Charakterisierung erfolgt schon mit den Versen 1-3.
Ich meine Jakobus spricht mit Vers 5 dezidiert den Geist Gottes in uns an und fragt wonach es ihm begehrt und zwar im Gegensatz zu uns Menschen. Wie der Mensch im Verhältnis zu Gott steht findet seine Antwort bereits mit Vers 4 und er setzt mit Vers 5 Gottes Verhalten dazu zum Kontrapunkt.
Wir dürfen davon ausgehen, dass Jakobus getrieben Heiligen Geist geschrieben hat, sonst fände der Brief keinen legitimen Einzug ins NT. Dann ist Vers 5 auch die Antwort des Geist Gottes in Form rhetorischer Fragen. Das entspricht auch einem typisch hebräischen Sprachmuster und finden wir bei den Propheten und Aposteln oder bei Gott selbst, hier halt auf Koine.
Jakobus macht mit der rhetorischen Frageformulierung also nur noch deutlicher, wie Gottes Geist tickt, und meines Erachtens nun so, dass beide Annahmen, die Schrift rede vergeblich oder der Geist begehre mit Neid falsch wären.
Nun erbitte ich mir meine Denkfehler aufzuzeigen. Was könnte ich nicht berücksichtigt oder gar falsch gedeutet haben?