1.7. Sühne
Das Wort „Sühne“ ist im deutschen Sprachraum (wie auch in der christlichen Dogmatik) massiv durch die mittelalterliche Rechts- und Gerichtssprache geprägt. Wenn man „Sühne“ hört, denkt man fast automatisch an:
Abbüssung einer Schuld.
Ableistung einer Strafe (jemand muss den Schaden „bezahlen“).
Genugtuung (Satisfaktion) für einen beleidigten Herrscher.
Im Hebräischen hat das Wort für Sühne – כַּפָּרָה (kapārāh) ) bzw. das Verb לְכַפֵּר (lᵉChaper) – eine andere, tiefere und
beziehungsorientierte Bedeutung.
Im Wesentlichen zwei konkrete Bedeutungen: Zudecken und Reinigen / Abwischen.
So wird Sünde zugedeckt, vor den Augen Gottes verborgen, damit die Beziehung zum Ewigen wieder stimmt. Also ein Akt göttlicher Liebe, Gott sieht nicht mehr auf das Fehlverhalten, sondern auf dem umkehrenden Menschen.
Das Bestreichen von Altar usw. ist kein Akt der Bestrafung, sondern ein Reinigungsprozess, der „Fleck“ wird weggewischt, das Ziel ist nicht Strafe, sondern Reinigung.
Sühne (Kappara): Sühne bedeutet im Hebräischen eigentlich „Zudecken“ oder „Wiederherstellen einer Beziehung“. Die Beziehung zu Gott wird wiederhergestellt, indem das Leben symbolisch zu seinem Ursprung (dem Altar) zurückgebracht wird.
Sühne geschieht im Judentum durch das Leben, das im Blut pulsiert, und die Hinwendung des Menschen zu Gottes Willen.
Das jüdische Opfer ist kein „stellvertretendes Strafgericht“, bei dem Gott Blut sehen muss, um besänftigt zu werden, oder dass Gott nur deswegen vergeben könnte oder nur deswegen vergibt.(das wäre ein heidnisches Opferverständnis!). Es ist ein Akt der Erneuerung und der Hinwendung des lebendigen Menschen.
3.Mo 5,11 Wenn aber sein Vermögen nicht einmal zur Beschaffung zweier Turteltauben oder zweier jungen Tauben ausreicht, so bringe er als seine Opfergabe für das, wodurch er sich vergangen hat, ein Zehntel Epha Feinmehl als Sündopfer dar, ohne jedoch Öl daraufzugießen oder Weihrauch hinzuzufügen; denn es ist ein Sündopfer.
Hier steht, dass jemand, der sich kein Tier leisten kann, feines Mehl (Soleth) als Sündopfer (Chatat) bringen darf. Und der Vers endet mit den Worten: „...und der Priester erwirke für ihn Sühne wegen seiner Sünde... und es wird ihm vergeben.“
Also auch hier, nicht das „Blut“ erwirkt Sühnung.
Zentrale Aussage Gottes:
Hos 14,3 Nehmet Worte (der Reue) mit euch und kehret um zum HERRN! Sagt zu ihm: »Vergib uns alle Schuld und laß es dir gnädig gefallen, daß wir statt der Farren dir die Frucht unserer Lippen (= Gelübde, Buß- und Danklieder) als Opfer darbringen!
Wenn nun behauptet wird, das Sterben, der Tod oder das Blut des Tieres sühnt, steht das im direkten Widerspruch zum hebräischen Text.
Der Text sagt: Das Blut sühnt durch das Leben (die Seele des Opfernden), das in ihm ist.
Jes 1,18 Kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der HERR. Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie weiß werden; wenn sie rot sind wie Karmesin, wie Wolle sollen sie werden.
Ps 79,9 Hilf uns, Gott unseres Heils, um der Herrlichkeit deines Namens willen; und errette uns und vergib unsere Sünden um deines Namens willen!
So gibt es weitere Stellen, wo Gott vergibt. Deshalb steht so oft, dass man den Namen JHWH erkennen soll.
Ps 83,19 und erkennen, dass du allein, dessen Name JHWH ist, der Höchste bist über die ganze Erde!
Jes 37,16 JHWH Zebaoth, Gott Israels, der du zwischen den Cherubim thronst, du allein bist es, der der Gott ist von allen Königreichen der Erde; du hast den Himmel und die Erde gemacht.