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Heilig, heilig, heilig

Verfasst: Sa 21. Mär 2026, 16:09
von Larson
Heilig, heilig, heilig

Das Thema ist im Bereich „AT“ also der Tenach, der jüdischen Bibel. (sorry, der Beitrag war vorhin am falschen Ort)
Jes 6,3 Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der JHWH Zebaoth, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit!
Was bedeutet das Wort „heilig“? Etwas Metaphysisches, Übersinnliches?

Aber wir brauchen den Begriff auch im Alltag: „Das ist mir heilig.“ Oder „heiliger Ernst“, oder den heiligen Schein bewahren usw.
Meist als Steigerungsform von „wichtig“, und markiert irgendwie eine Grenze.


Aber zurück zur Tenach:
Da gibt es heilige Orte, der siebte Tag als heilig, also heilige Zeiten usw.
Dann auch der Mensch, der heilig sein soll, und darüber Gott, der Heilig, der Heilige Israels ist:
3.Mo 19,2 Rede zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israel und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein; denn ich, JHWH, euer Gott, bin heilig.
Ps 89,19 Denn JHWH ist unser Schild, und der Heilige Israels unser König.

Aber auch:
1.
Kön 14,24 Und es waren auch Buhler im Land; sie taten nach allen Gräueln der Nationen, die JHWH vor den Kindern Israel ausgetrieben hatte.
Für Buhler steht: קָדֵ֖שׁ (qādesch: m) קְדֵשָׁה (qᵉdeschāh: f) Dirne, Buhler, Götzendieser, Weiheknabe. Dasselbe Wort.

Der Begriff selbst ist somit eigentlich Wertneutral in seiner Grundbedeutung von Kadosch (Heilig)!
Somit wird der Begriff „entmystifiziert“, aus der Reservierung für „Heilig“ herausgeholt.

Man kann „religiös abgesondert“ (heilig) sein und trotzdem das Falsche tun.


Somit ist „Heilig“, Heiligkeit nicht eine Eigenschaft an sich, sondern eher eine Zweckbestimmung. Es ist vom gewöhnlichen Nutzen, Verwendungszweck getrennt und hat ein Funktion und im Tenach-Sinn ein Rückgebundensein auf den Ewigen, welcher quasi, salopp gesagt, der Standard dazu ist.

Heiligkeit ist deshalb nicht im Mönchstum, in Askese zu „finden“, sondern im Alltag, im Leben:
3.Mo 19,2 Rede zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israel und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein; denn ich, JHWH, euer Gott, bin heilig.
Darauf folgen Anweisungen, Vater und Mutter zu ehren / fürchten, Sabbath halten, keine Götter anzubeten. Anschliessend Opferanweisungen. Danach folgen weitere sittliche Gesetze bis V13, den Nächsten lieben wie sich selbst. רֵעַ (reʽa) Nächster, Freund, Gefährte.

Somit umschreibt Gott, was ein heiliges Leben umfasst.

Aber wie ist nun Gott „heilig“?
Jer 6,3: Die Seraphim mit ihren sechs Flügeln, die einander zurufen: Heilig, heilig, heilig ist JHWH Zebaoth, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit!
Nicht der Welt verkünden sie dies, sondern rufen es einander zu. Im Moment des Harrens auf die kommenden Ereignisse. Und weil die die Fülle der ganzen Erde seine Ehre ist und sein soll, darum zieht sich seine Herrlichkeit aus dem irdischen Heiligtume zurück.
Heilig ist kein metaphysischer Begriff, also: „idealistische philosophische Lehre von den jenseits der sinnlich wahrnehmbaren Welt angenommenen Erscheinungen und Zusammenhängen“, sondern ein ethischer, der höchste ethische Begriff, zu dem auch der Mensch aufgerufen wird (3.Mo 11,40; Kp 20,26). Es ist nicht nur Entfernung des Schlechten. Die Wiederholung zeigt an, dass Gott nicht aufhört, heilig zu ein, keine Steigerung in der Superlative „heilig über alles Heilige des Heiligsten“.
Alles, was die Erde füllt, soll / (ist zur) Gottes Ehre sein, also es soll nichts auf Erden sein, was nicht seine Ehre darstellt! Es soll nicht eine Stätte gegen, sondern die ganze Erde soll dies sein und vor dieser Bestimmung bricht der Tempel in seiner Beschränktheit zusammen.
כְּבוֹדֽוֹ (kᵉvodo) Ehre (Herrlichkeit) von כָּבַד (kāvad) schwer nach Gewicht (stofflich); im bildlichen Sinn: Pracht, Fülle. כְּבוֹדֽוֹ die Ehre, der geistige Eindruck, den man einer geistigen Grösse gewährt (Kp 43,7).
Heerscharen; צְבָא֑וֹת (Zebaoth), welche im Dienste stehen, wie auch Israel es sein soll. Wie generell der Mensch (1.Mo 2,1) es ist oder sein soll. So soll alles, was der Mensch tut, zur Ehre Gottes sein.

Wenn sich die Heiligung sich nur auf den Tempel beschränkt statt dass dieser der Ausgangspunkt dessen ist, so ist der Tempel ein Kerker der Gottesverherrlichung (V4) und somit wird das Tempelwesen nichtig.
Jes 45,7 der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, den Frieden mache und das Unglück schaffe; ich, JHWH, bin es, der dieses alles wirkt.
Gott ist heilig, weil er über den Kategorien von „gut“ und „böse“ steht, wie wir sie als Menschen definieren. Er ist nicht „ein Teil der Welt“, sondern der Urheber von allem – auch von dem, was uns erschüttert.
2.Mo 19,5 Und nun, wenn ihr fleißig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein aus allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein;
Gottes Eigentum, bedeutet, dass nur ein Einziger geltend machen kann. Reichtum, ein Gut, worauf kein anderer ein Anrecht hat.


Nur so das Thema mal gestreift, heilig wird man nicht durch jemand anders, sondern durch die eigene Lebensweise.

Re: Heilig, heilig, heilig

Verfasst: So 22. Mär 2026, 18:10
von ProfDrVonUndZu
Larson hat geschrieben: Sa 21. Mär 2026, 16:09 Aber auch:
1.
Kön 14,24 Und es waren auch Buhler im Land; sie taten nach allen Gräueln der Nationen, die JHWH vor den Kindern Israel ausgetrieben hatte.
Für Buhler steht: קָדֵ֖שׁ (qādesch: m) קְדֵשָׁה (qᵉdeschāh: f) Dirne, Buhler, Götzendieser, Weiheknabe. Dasselbe Wort.

Der Begriff selbst ist somit eigentlich Wertneutral in seiner Grundbedeutung von Kadosch (Heilig)!
Somit wird der Begriff „entmystifiziert“, aus der Reservierung für „Heilig“ herausgeholt.

Man kann „religiös abgesondert“ (heilig) sein und trotzdem das Falsche tun.


Somit ist „Heilig“, Heiligkeit nicht eine Eigenschaft an sich, sondern eher eine Zweckbestimmung. Es ist vom gewöhnlichen Nutzen, Verwendungszweck getrennt und hat ein Funktion und im Tenach-Sinn ein Rückgebundensein auf den Ewigen, welcher quasi, salopp gesagt, der Standard dazu ist.
Es hängt wohl davon ab, für wen man heilig ist, oder für was etwas geheiligt wurde, so wie du ja auch mit der Zweckbestimmung sagst. Ist eine Sache für den Vater im Himmel heilig, oder für die Zwecke eines Götzen ? Ähnlich scheint es mit dem Begriff koinos im Griechichen zu sein, den manche Übersetzungen mit unrein übersetzen, der aber eigentlich gemein, im Sinne von gemeinsam bzw. gemeinschaftlich steht.
Römer 14,14 Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, daß nichts an sich selbst gemein ist; nur dem, der etwas für gemein achtet, dem ist es gemein.
Siehe auch : https://de.wikipedia.org/wiki/Gemein

Re: Heilig, heilig, heilig

Verfasst: So 22. Mär 2026, 18:33
von Hiob
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: So 22. Mär 2026, 18:10 Es hängt wohl davon ab, für wen man heilig ist, oder für was etwas geheiligt wurde, so wie du ja auch mit der Zweckbestimmung sagst. Ist eine Sache für den Vater im Himmel heilig, oder für die Zwecke eines Götzen ?
Hilfreich ist hier möglicherweise, dass "heilig" vom Germanischen hailaz (ganz, unversehrt) abgeleitet ist (siehe auch englisch: whole = ganz). Also das ist heilig, was dem Ganzen verpflichtet ist. Siehe auch 1. Korinther 15,28 „… damit Gott sei alles in allem.“

Damit wäre "heilig" das Gegenteil von "diabállein" (daher kommt das Wort Diabolus, also Teufel), das bedeutet „auseinanderwerfen“, „trennen“, „entzweien“. - So gesehen wäre alles heilig, was am "alles in allem", also Gott, orientiert ist, und unheilig, was diabolisch trennt und entzweit, also einen Keil treibt zwischen Gott und Mensch.