Danke dir dafür Helmuth, ich glaube ich verstehe nun was du meinst.Helmuth hat geschrieben: ↑Mi 17. Jun 2026, 22:20 Einen dritten Versuch starte ich nicht. Ich knüpfe stattdessen an diese meine Aussage an:
Du hast doch bereits zugestanden, dass wir auch mit unterschiedlicher Auffassung vom Geist geleitet werden. Damit „lehrt“ uns der Geist nicht, wie du das interpretierst. Es ist dies die logische Schlussfolgerung daraus. Die Lehrfunktion ist bloß anders zu verstehen, ansonsten widersprichst du dir selbst, wenn du meinst, der H. Geist leitetet uns beide dennoch. Man kann nicht beides gleichzeitig gelten lassen.
Ich würde mir selbst widersprechen, wenn ich meinen würde, dass Geistleitung automatisch bedeutet, dass der individuelle Christ irrtumsfrei auslegt. Aber genau das ist ja eben nicht der Fall. Da stimmen wir überein. Dein Einwand wäre absolut gerechtfertigt, wenn ich Lehre und Leitung als ein und dasselbe bezeichnen würde.
Genau deswegen habe ich aber 1. Timotheus 3,15 zitiert, denn Paulus nennt weder den einzelnen geistgeleiteten Christen noch unser Gewissen Säule und Fundament der Wahrheit, sondern die Gemeinde des lebendigen Gottes. In der Kirche, die Christus gestiftet hat, und die der Heilige Geist in der vollen Wahrheit bewahrt, finden wir dieses Fundament der Wahrheit.
Deswegen fragte ich dich zuvor, wie du diesen Vers verstehst, denn in deinem ekklesiologischen Verständnis würde der Vers keinen Sinn ergeben, denke ich. Eine Kirche ist Säule und Fundament der Wahrheit aber lehrt Irrlehre?
Paulus nennt die Kirche Säule und Fundament der Wahrheit, nicht den einzelnen Christen oder sein Gewissen. Die Erinnerungsfunktion basiert auf individueller Basis, jeder einzelne Christ wird insofern vom Heiligen Geist geleitet. Die verbindliche Lehrfunktion verstehe ich kirchlich, auf diese Weise wird die Wahrheit vom persönlichen Irrtum beschützt. Ich könnte 1. Timotheus 3,15 nicht anders auslegen. Wie siehst du das?
Wunderbar, danke dir Helmuth, hier kann ich nahtlos anknüpfen an das, was ich gerade geschrieben habe und ein praktisches Beispiel demonstrieren.Helmuth hat geschrieben: ↑Mi 17. Jun 2026, 08:32 Ich gebe Petrus auch Recht. Das ist nun aber geradezu ein Beleg für meine Auffassung. Petrus selbst, der Kraft des Heiligen Geistes sogar diente, lag z.B. mit seiner Auffassung die Heiden als unrein anzusehen falsch. Darauf begann ihn der Heilige Geist zu belehren:
Darin lehrte ihn nun der Geist, sodass er etwas später zu dieser Erkenntnis gelangte:Apg. 10:15 hat geschrieben: Und wieder erging die Stimme zum zweiten Mal an ihn: „Was Gott gereinigt hat, halte du nicht für gemein!“
Klären wir einmal das, ehe wir auf weitere Dinge eingehen.Apg. 10:34-35 hat geschrieben: Petrus aber tat den Mund auf und sprach: „In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern dass in jeder Nation, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm ist.“
a) Petrus hatte eine falsche Auffassung über die Heiden und wurde vom Heiligen Geist persönlich korrigiert. Apostelgeschichte 10 zeigt hier die persönliche Führung durch den Heiligen Geist, wenn auch in einer nicht alltäglichen Situation.
b) Aber diese persönliche Korrektur blieb keine private Gewissheit des Petrus, sondern wurde der Gemeinde vorgelegt:
Hier sehen wir, dass die Kirche zuhörte und prüfte, was Petrus zu sagen hatte. Das Ergebnis war die Verherrlichung Gottes und die Belehrung der Gemeinde durch den Heiligen Geist in Vers 18.Apostelgeschichte 11,2–4 hat geschrieben:Und als Petrus nach Jerusalem hinaufkam, stritten die aus der Beschneidung mit ihm und sagten: Du bist bei unbeschnittenen Männern eingekehrt und hast mit ihnen gegessen! Petrus aber fing an und setzte es ihnen der Reihe nach auseinander und sprach
c) Dabei blieb es jedoch nicht, denn diese heilsgeschichtliche Grundfrage bezüglich der Heiden (Wie werden Heiden in das Gottesvolk aufgenommen?) war dadurch noch nicht vollständig gelöst. In Apostelgeschichte 15 kam die Kirche zusammen und beriet sich, hörte den Aposteln zu und kam schließlich als Kirche zu einer geistgeleiteten verbindlichen Lehre.
Hier sehen wir drei verknüpfte Ereignisse:
Apostelgeschichte 10 zeigt die persönliche Führung durch den Heiligen Geist
Apostelgeschichte 11 zeigt die kirchliche Prüfung dessen
Apostelgeschichte 15 zeigt die Verkündung verbindlicher Lehre durch die Kirche durch den Heiligen Geist.
Und hier siehst du (hoffentlich), warum ich sage, dass persönliche Geistleitung nicht für sich allein stehen bleibt wenn es um verbindliche Glaubensfragen der Kirche geht. Der Heilige Geist ließ Petrus etwas erkennen, aber die verbindliche Aufnahme dieser Erkenntnis geschah im Leib der Kirche, geleitet durch den Heiligen Geist.
Das knüpft auch an den Anfangspunkt unseres Dialogs an: Der einzelne Christ kann vom Heiligen Geist geführt werden aber die verbindliche Klärung einer Glaubensfrage geschicht nicht durch private Gewissheit des einzelnen Christen, sondern im geistgeleiteten Urteil und Zeugnis der Kirche, Säule und Fundament der Wahrheit.