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Re: Die Entstehung des NT

Verfasst: Mo 11. Aug 2025, 10:30
von Hoger
Dennoch ist deine Behauptung:
Lukas schrieb das erste Evangelium, weil er ohne Matthäus und Markus auskommt = eine persönliche Ansicht ohne Verankerung in allgemeines und zugängliches Wissen

Re: Die Entstehung des NT

Verfasst: Di 12. Aug 2025, 09:16
von Helmuth
Das zugängliche Wissen ist die Einleitung, wie Lukas sein Evangelium beginnt:
Lk 1,1-3 hat geschrieben: Da es ja viele unternommen haben, eine Erzählung von den Dingen zu verfassen, die unter uns völlig geglaubt werden, so wie es uns die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, hat es auch mir gut geschienen, der ich allem von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, vortrefflichster Theophilus, der Reihe nach zu schreiben.
Es gab demnach Berichte, aber er nennt sie nicht Mt- oder Mk-Erzählung. Lukas war historisch sehr präzise, er ist sozusagen unsere A-Referenz für historische Belange des 1. Jh. Auf diese Dinge legen die anderen Evangelien keinen echten Wert. Die einzige Unsicherheit bildet die Datierung der Volkszählung des syrischen Statthalters Qurinius.

Weiters ging sein Bericht nur an eine Person, namens Theophilus. Das lässt darauf schließen, dass viele bereits im Umlauf befindliche Berichte nicht dieselbe Zuverlässigkeit hatten, denn wozu macht sich Lukas die Mühe alles nochmal zu recherchieren? Ich gehe nicht davon aus, dass er sich selbst einen Namen machen wollte, das passt nicht zum christlichen Verständnis.

Die Forschung spricht weiters von einer Logienquelle "Q", definiert sie aber nicht näher. Es kann sein, dass das bekannte Sprüche aus Jesu Mund sind, die also jedermann kannte, denn Zeugen gab es dazu ja zig Tausende, das aber ohne sie schriftlich niederzulegen. Solches geht schnell auch ins Hörensagen über und wird irgendwann unbrauchbar.

Diese können zu einem späteren Mt-Ev oder Mk-Ev geworden sein, dass man doch schriftlich festhalten wollte, was Jesus tatsächlich gesagt hatte und die so auch Lukas bekannt waren. Das erklärt zumindest, warum sie textlich synoptisch, teils sogar im Wortlaut gleich sin, erklärt aber nicht die offzielle Erklärung zu einem Evangelium nach Mt oder Mk. Diese Namensgebungen erfolgten erst später, doch ist deren Historizität außerst schwach. Man hat bloß nichts besseres.

Klar, es bleibt meine These, dass das Lk-Ev der erste authentische Bericht über Jesus war, wie ja auch die 2-Quellen-These nur eine Annahme ist, aber durch die Einleitung des Lk-Ev bzw. auch zur Apg. haben wir einen klaren Beleg, das ist sozusagen ein Hard-Fact, den die Forschung übersieht, weil viele an eine echte Glaubwürdigkeit gar nicht glauben. Insofern ist die innerbiblische Exegese dem auch überlegen.

Es war das Lk-Ev deswegen nicht sofort im Umlauf, sondern vorerst wohl nur Insidern bekannt. Die Forschung setzt den Start der allgemeinen Verbreitung mit ca. 90 n. Chr an. Aber es gibt Dinge, die zeigen, dass seine Texte schon wesentlich früher bekannt waren, zumindest einem Paulus: Dazu nenne ich diese Stelle als Schlüsselbeleg:
1. Tim 5,18 hat geschrieben: Denn die Schrift sagt: „Du sollst dem Ochsen, der drischt, nicht das Maul verbinden“, und: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.“
Die Stelle über den Ochsen ist ein bekanntes Zitat aus der Thora, doch das folgende bzgl. eines Arbeitslohnes existiert nur bei Lukas. Somit kann man davon ausgehen, Paulus kannte seinen Bericht schon. Paulus bestätigt auch mehrmals den Namen Lukas in seinen Briefen.

So meine ich weiter, dass Lukas den Start der Kanonsierung initiierte, ohne dass er das so vorhatte. Hier greift nun Gott ein, der sein Werk dazu benutzt. Und was die Apostelgeschichte anbelangt, so ist sie das einzig zuverlässige historische Werk, das wir über das 1. Jh. bzgl. der Entwicklung des Christentums haben und aus der Perspektive allen anderen Werken überlegen und damit auch von unschätzbarem Wert.

Re: Die Entstehung des NT

Verfasst: Do 4. Jun 2026, 08:45
von Helmuth
Abischai hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 21:08 Schriften wurden begonnen und später von anderern vollendet, wenn dort der Tod des ursprünglichen Verfassers beschrieben wird. Das ist normal, auch heute noch. Ein Biograph macht es ebenso.
Ich ziehe diese Frage aus dem anderen Thread hierher, weil ich damit zum NT etwas sagen möchte und dieses Thema auch wieder beleben möchte. Die historische Aufarbeitung gehört zu meinen großen Interessen im christlichen Bereich.

Man hat heute eine andere Arbeitsweise, indem man angibt, wer schreibt, was das Motiv ist und welche Zielgruppe angesprochen wird. Wir finden das in den Schriften des AT nicht, sondern erst im NT mit Lukas, der mit seinem Motiv einleitet und einen Empfänger angibt Und in mehreren Briefen geben die Autoren anfangs ihren Namen an.

Es wäre noch zu sagen, dass die Entstehungsgeschichte des NT völlig anders verlaufen ist als die des AT. Es gibt z.B. keine von Gott vorgegebene Heilslinie mehr, innerhalb der tradiert wird. Nach Christus verbreitete sich das Schrifttum daher nicht mehr nur innerhalb eines Volkes, sondern die Heiden sind nun auch daran beteiligt.

Das hatte jedoch zur Konsequenz, dass nicht nur authentische Berichte in Umlauf gekommen sind, sondern auch quasi unkonktrollierter Wildwuchs entstanden ist, der hernach erst sortiert, d.h. kanonisiert werden musste. Dazu liefert das Lk-Ev gleich in seiner Einleitung einen sehr wertvollen Hinweis:
Lukas 1:1 hat geschrieben: Da es ja viele unternommen haben, eine Erzählung von den Dingen zu verfassen, die unter uns völlig geglaubt werden, ...
Warum schreibt der Autor das? Wenn schon viele Berichte verfasst wurden, so könnte man diese einfach sammeln. Aber Lukas setzt sich hin und fängt erneut an, um seine eigenen Nachforschungsergebnisse vorzulegen.

Das lässt darauf schließen, dass auch schon verfälschte Berichte in Umlauf gekommen sind, sodass deren Echtheit erst überprüft werden musste. Er wollte, dass sein Empfänger keine Falschinformationen über Jesus erhält, sondern zuverlässiges Material.

So war Lukas, dem man das nach ihm benannte Evangelium zuschreibt, für ihn selbst noch unbewusst, der Start für die Kanonisierung eines noch nicht vorhandenen NT's, aber sein Werk setzt diesen Prozess in Gang. Und so war damit Gott auch im Spiel, dass er den Autor Lukas nutze, da ihm dieses Herzensmotiv sicher gefallen hatte. Letzteres ist nun meine Auslegung.

Doch was bei ihm auffällt, und das ist ein Tatbestand, er war kein Jude. Im AT war es denkunmöglich, dass ein Heide für das Judentum eine Schrift abfasst. Nun, in Christus wurden solche Grenzen aufgehoben, da Jesus für alle gestorben ist.