Hoger hat geschrieben: ↑Do 4. Dez 2025, 21:46Das kann man aber auch als Prüfung wahrnehmen
803 [Dreimonatige Kur in Pradnik] Mein Einzelzimmer ist neben dem Saal für Männer. Ich wusste nicht, dass Männer solche Schwätzer sind; von früh bis in die späte Nacht wird dort über die verschiedensten Themen geredet. Im Saal der Frauen ist es viel ruhiger. [...] Es fällt mir schwer, bei diesem Gelächter und Witzen, mich zum Gebet zu sammeln. Wenn mich die Gnade Gottes ganz in Besitz nimmt, stören sie mich nicht; dann weiß ich nämlich nicht, was um mich geschieht. Mein Jesus, wie wenig diese Menschen über Dich sprechen; über alles, nur nicht über Dich, Jesus. Wenn sie aber wenig reden, dann gedenken sie wohl Deiner auch nicht; die ganze Welt interessiert sie, doch über Dich, den Schöpfer, herrscht Schweigen.
837 Nachmittags spielt immer das Radio, daher vermisse ich die Ruhe. Am Vormittag anhaltende Gespräche und Lärm - mein Gott, ich hatte mich auf die Ruhe gefreut, um mit dem Herrn allein sprechen zu können, und nun das Gegenteil. Jetzt aber stört mich nichts mehr, weder die Gespräche noch das Radio. Mit einem Wort - nichts. Die Gnade Gottes hat es bewirkt, dass ich während des Betens nicht einmal weiß, wo ich mich befinde; ich weiß nur, dass meine Seele mit dem Herrn verbunden ist, und so vergehen mir die Tage im Krankenhaus.
Heilige Faustyna, Tagebuch
Was mich angeht, würde ich schon gerne mit anderen "seelische Dinge" solide vertiefen. Für mich müßte es da nicht einmal wörtlich um den Schöpfer gehen. Aber ich finde es auch schwierig, wenn es andere Leute offenbar doch arg zu banalen irdischen Themen zieht, statt zu Themen ihres Seins, das sich mir auch oft erkennbar angeschlagen darstellt. Und es stellt sich mir schon die Frage, wieso es sich als so schwierig darstellt solche Menschen als Gegenüber in Gesprächen zu finden.
Muß denn alles "Prüfung" sein? Es ist nicht so, daß ich mich solchen Menschen nicht schon ausgesetzt habe. Nur wozu solche Kontakte, in denen es jahrelang nach meinem Empfinden kaum erkennbar vorangeht? Jesus blieb auch nicht bei jedem Menschen lange, egal wie er drauf war. Klar, ehe man sich mangels sinnvollerer Begegnungen ganz zurückzieht kann man ein paar solcher "Kontakte" (ohne viel echten Kontakt) pflegen.
Aber geht es hier um Tugenden, um Überwindung? Ging es nicht darum, daß "wahre Christen" daran erkannt werden können, daß sie miteinander agapeliebevoll umgehen? Erkannt als echte lebendige Frucht in ihrem Herzen, denke ich, weniger als vorsätzlich gewollten Krampf um ein Gesetz zu erfüllen?