Johncom hat geschrieben: ↑Mo 27. Apr 2026, 01:28
Wissenschaftliche Erkenntnisse muss man auch nicht zu ernst nehmen. Ich meine, die ändern sich dauernd. Und hoffen .. wer hofft auf was? Die unendlich Reicheren als wir, die hoffen die Absicherung ihrer Gewinne. Die Knappheit bestimmter Güter erhöht die Preise. Was ja auch gerade aktuell zu beobachten ist.
Wenn du Marktliberalen damit kommst, dass die einen nur Reich sein können, wenn ein anderer Teil arm ist, antworten sie für gewöhnlich damit, dass die Marktwirtschaft kein Nullsummenspiel sei, da jeder doch durch unternehmerische Tätigkeit reich werden könne. Das ist aber nur ihre Ausrede. Mit der bloßen informellen Erlaubnis wird das Vermögen dazu ja noch nicht mitgeliefert. Selbst wenn jeder tatsächlich dazu im Stande wäre und das auch umsetzen würde, hätten wir das Problem, dass eine Gesellschaft aus Unternehmern keine angestellten Beschäftigten mehr hätte, die die Drecksarbeit erledigen würden. Es ist ja nicht so, als hätten wir zu wenig Ressourcen auf der Welt. Das Problem ist eher der Lebensstandard. Ein Lebensstandard wie ihn die Reichen in Dubai haben auf alle Welt übertragen, dürfte wohl das Ende des Planeten bedeuten. Oder was meinst du dazu ? Egal, wie groß die Welt auch wäre, egal, wie viele Energie- und Rohstoffquellen wir auch erschließen, eine Reiche Clique kommt sofort und okkupiert sie, um den Rest der Welt davon auszuschließen. Die Standards mögen steigen auf ein höheres Niveau für alle, aber an der Ungleichheit würde sich nichts ändern.
Johncom hat geschrieben: ↑Mo 27. Apr 2026, 01:28Erstaunlich, dein Allgemeinwissen. Und Malthus, den kannte ich auch nicht, zeigt ja auch auf, dass wissenschaftliches Erkennen eben morgen schon ad acta gelegt werden kann.
Ich erwähnte Malthus hier schon öfter mal. Seine Methoden waren ziemlich fraglich und vor allem ideologisch. Auch heutige Wissenschaft mag nicht ganz ideologiefrei sein, aber sie grundsätzlich damit zu diskreditieren, dass ihr Stand morgen schon wertlos sein könnte, halte ich für überzogen. Also noch mal eine ähnliche Frage, wie ich grad schon stellte zur Wiederholung : Glaubst du, die Ressourcen der Erde wären unbegrenzt und somit auch eine unendliche Steigerung aller Lebensstandards möglich ?
Johncom hat geschrieben: ↑Mo 27. Apr 2026, 01:28Und es wird oft benutzt, um die Allgemeinheit in der Vorstellung des Mangels zu halten. Auch um Krisen zu beschwören.
Das stimmt schon, aber das System lebt halt mit seinen Widersprüchen. Einerseits gibt es ständige Knappheit, andererseits sei es allen möglich, ebenso reich werden zu können. Der Schlüssel zum Reichtum wäre eben Tüchtigkeit, Risikobereitschaft. Risikobereitschaft impliziert aber die Gefahr des Scheiterns. Wir sehen nur die wenigen Erfolgreichen. Die unzähligen Gescheiterten werden mit keinem Wort gewürdigt (Survivor-Ship-Bias). Die waren einfach zu faul, selber Schuld usw. Ich halte Risikobereitschaft, wenn man diesen Begriff ernst nimmt, für eine Art Todessehnsucht und kalkulerten Selbstmord. Also genau das, wovor uns Jesus eigentlich gewarnt hat. Eine Lebensführung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Ruin hinausläuft.
Matthäus 16,25 Denn wer irgend sein Leben erretten will, wird es verlieren; wer aber irgend sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.
Nun hat es in der Weltgeschichte immer risikobereite Unternehmer gegeben. Helden, wie Odysseus, gehörten dazu. Die Sichtweise auf sie schwankte zwischen Anerkennung und Kritik. In der Zeit der kirchlichen Vorherrschaft wurden das Unternehmertum und die Seefahrer kritisch gesehen. Das änderte sich im langsam im Spätmittelalter und seit kapitalistischen Zeiten werden sie gefeiert und verherrlicht. Sie sehen sich als Säulen der Gesellschaft und Politik und Journalismus stützen das. Ich versuche das Thema immer wieder auf die Rolle des Katechons bei Paulus zurückzuführen. Denker, wie Schmitt, entfremden den Begriff und konfessionelle Betrachtungen verschieben die Erwartung auf ihn meistens in eine unbestimmte Zukunft. Sie implizieren damit : Jetzt ist noch alles in Ordnung, aber bald könnte es richtig schlimm werden. Wie schlimm es tatsächlich ist, sieht man nur dann nicht, wenn man sich selber sehr gut darin eingerichtet hat. Und an diesem Wohlstand versucht man dann auch ziemlich fest zu halten.