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Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 16:37
von Larson
Helmuth hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 15:30 Wie kann auch ein Christ und ein Nichtchrist völlig gleich denken, geht es um Jesus.
Ob Jesus wie ein Christ denkt? Oder denket Jesus das, was Christen meinen, was er denkt…
Helmuth hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 15:30 Daher: Beantworte mir du die Frage, wie ich sie Zippo anhand eines Beispiels demonstriert habe, ob die Talion gem. 2. Mose 21 im Einklang zu 3. Mose 24 steht oder nicht? Kommt man für einen gesetzten Rechtsfall mit beiden Gesetzestexten zum gleichen Urteil, müsste ein Richter jeweils danach vorgehen? Scheinbar enthalten sich da mehrerer ihrer Stiimme. Und du?
Darauf hatte ich dir geantwortet, man soll geben: Leben für Leben…

Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 17:08
von Larson
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 15:47 Wieso etwas "Nationales" es geht um die Worte, die in der Ich-Form formuliert werden. Das ist zunächst erst mal als Singular zu verstehen, nicht als Plural.
Israel, als Knecht Gottes, als Gottes Volk wird oft im Singular angesprochen. Weiter wird Israel sehr oft, wenn nicht meist im Kollektiv betrachtet, aber das weisst du ja auch schon. Und so auch hier, wenn es um Zion geht… um den Wiederaufbau usw.
2.Mo 4,22 Und du sollst zu dem Pharao sagen: So spricht der HERR: Mein Sohn, mein erstgeborener, ist Israel;
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 15:47 Unmittelbar noch nicht.
Und wann wäre das „unmittelbar“ zu ende, da Jesus von „heute“ spricht?
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 15:47 Das willst du woher wissen ? Ist nie jemand daraus befreit worden oder gab es diese Knechtschaft gar nicht ?
Tja, woher willst du wissen, was nicht geschrieben steht. Oder woher willst du wissen, ob das stimmt, was geschrieben steht, ausser dass hier der Schreiber in Lk etwas behauptet, was nun nicht wurde.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 15:47 In dem Fall wird ja richtig zitiert. Nur eben nicht nach alexandrinischer Lesart.
Nein, auch der alexandrinische Text weicht vom hebräischen ab, damit hast du nur eine weitere Textvariante. Die „verbinden zerbrochenen Herzen“ fehlen da ebenso (Text aus dem 4. Jahrhundert)
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 15:47 Ja, aber wo soll jetzt das Problem sein ?
Jesus las den Text in der Synagoge nach der hebräischer Vorlage und wohl kaum, wie ihn Lukas zitiert.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 15:47 Tatsächlich, ich beiße mich fest. Aber auf das, was da auch steht unter Berücksichtigung der Lesarten. Du kannst gerne die Glaubwürdigkeit des byzantinischen Textes in Frage stellen, aber dann sind wir nicht mehr bei Exegese, sondern bei Textkritik.
Wie schon mal gesagt und betont:
Es geht nicht um die Leseart, in welche du dich verbeisst, sondern um die Deutung des Textes aus Jesaja 61, welche ich immer wieder betone und hervorhebe, welche da überhaupt nicht in die Zeit Jesu passt.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 15:47 Den berücksichtigt aber schon der Sprechende in Jesaja 61,1 nicht wirklich. Er sagt nur, wem er verkündet. Was dann danach (im Text) folgt, das ist nicht mehr sein Handeln.
Der Adressat in Jesaja 61 ist eindeutig Israel, was aus dem Kontext hervorgeht (Kp 60-62). Und wie auch schon mal gesagt, es ist der Ewige, der da handelt, handeln wird.

Du hast auch eingeworfen, dass Jesus genau das erfüllt habe, das was er zitiert, aber offensichtlich war dem nicht so.

Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 17:10
von Helmuth
Larson hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 16:37 Darauf hatte ich dir geantwortet, man soll geben: Leben für Leben…
Das beschreibt 2. Mose 21. Von Geben steht aber nichts in 3 Mose 24. Also kann die Regelung auf Basis von 3. Mose 24 nicht danach erfolgen. Das konkrete Beispiel, das ich Zippo gegeben habe, kannst du ja nachlesen. Wie lauten dann die beiden Urteile?

Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 17:16
von ProfDrVonUndZu
Helmuth hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 16:14 Stimmst du damit mit mir überein, dass der Text auch Fehler enthält und es daher keine 100% Textsicherheit gibt? Oder meinst du, dass er schon zu 100% stimmt, nur reicht das nicht, weil das Verstehen eine andere Sache ist?
Die Texte, die wir haben, enthalten Fehler oder Schwächen. Die werden aber nur objektiv sichtbar an den jeweiligen Handschriften, noch nicht an Übersetzungen oder aufbereiteten Kopien im Internet. Keiner von uns wird wohl Zugang zu den Handschriften haben, geschweige denn, sie untersuchen zu können. Dafür gibt es Fachliteratur, die ich zum Teil in meiner Sammlung habe.

Ich gehe davon aus, dass die ursprünglichen Texte fehlerlos waren. Das kann man natürlich für gutgläubig oder naiv halten. Durch die Methoden der Textkritik lässt sich erkennen, welche Art Fehler bei der Überlieferung und beim Abschreiben passiert sein können. So lässt sich ein ursprünglicher Text relativ gut rekonstruieren. Aber auch hier gibt es vielleicht verschiedene mögliche Vorgehensweisen und auch diese sind alle nicht gegen Krtik immun.
Helmuth hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 16:14Ich kann meine Sichtweise zwar aus meiner Sicht objektiv belegen, indem ich Texte schlicht gegenüberstelle und die darin enthaltenen Ungereimtheiten offenlege, nur wird das von der Gegenseite mit einem einzigem Dogma vom Tisch gefegt.
Wenn es um traditionelle Dogmen geht, dann muss man berücksichtigen, dass diese nicht einfach über Nacht aus einer Laune heraus entstanden, sondern eine Entstehungstradition und eigene Überlieferungsgeschichte haben. Man kann dies nur offenlegen. Mit einer bloßen Abwertung der Dogmen kommt man generell nicht weit. Unterscheiden muss man traditionelle Dogmen von intuitiven Rückschlüssen, bei denen sich auf den gesunden Menschenverstand berufen wird. Dieser gesunde Menschenverstand hat immer auch kulturelle Vorbedingungen und Prägungen. Auch mit solchen Behauptungen wie "Aber ich lese die Texte im Heiligen Geist" sollte man sehr vorsichtig sein.
Helmuth hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 16:14Auf der anderen Seite erfolgen aufwändige Bemühuneg um eine Text-Harmonisierung. Diese sind dann aber in meinen Augen wieder nicht selten dümmer als die Polizei erlaubt, werden aber als klar und logisch biblisch fundiert deklariert.
Das berücksichtigt meistens die Textkritik anhand der Handschriften nicht. Das ist auch sehr mühsam. Nehmen wir als Beispiel Lukas 4,18-19 nach der alexandrinischen Lesart, was ein Zitat aus Jesaja 61,1-2 ist. Diese ist im Vergleich zu Übersetzung LXX und der byzantinischen Lesart verkürzt. Die einen sehen hier eine grobe Fälschung und falsche Lehre. Klar kann man sowas nie ausschließen, aber ein Textkritiker geht da behutsamer mit dem Urteil vor. Es kann verschiedene objektive Gründe für die Auslassung gegeben haben. Vielleicht war eine Vorlage, von der abgeschrieben wurde, beschädigt, so dass man den Text nicht um das ergänzt hat, was da eigentlich hätte stehen sollen, sondern einfach den Text zusammenzog. Möglicherweise ist das in manchen Handschriften sogar kenntlich gemacht. Das weiß ich in dem Fall nicht genau. Aber selbst dann, wenn man es nicht gemacht hat, könnte das nur bedeuten, dass man soweit noch nicht gedacht hat.

Bei den jüngeren Handschriften nach der byzantinischen Lesart gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder war die Vorlage, von der abgeschrieben wurde, vollständig. Oder, wenn auch sie lückenhaft oder beschädigt war, hat man den Text entweder aus dem Gedächtnis nach der LXX (nicht ganz exakt) abgeschrieben und ergänzt, oder selber vom hebräischen Text übersetzt. Dass dieser dann der LXX nahezu entspricht, wäre dann nur zufällig. Es gäbe immer sehr viele Eventualitäten zu berücksichtigen und der Vorwurf der groben Fälschung und falschen Lehre ist eigentlich immer der am wenigsten Naheliegende.

Aber ein umgekehrter Fall wäre auch noch möglich. Nämlich, dass man in späteren Handschriften der LXX die griechschen Zitate im NT aus dem AT rückeingefügt hat. Es passieren hier nämlich oft Missverständnisse. Die LXX gilt zwar als ca. 200 v.Chr. geschrieben. Dies betrifft aber nur die Pentateuch. Die restlichen Schriften sind erst später nach und nach übersetzt und aufgeschrieben worden. Man sollte nun nicht auf die Idee kommen, wenn wir von der LXX reden und sie uns in unserem Bibelprogramm anschauen, als hätten wir diese ältesten Schriften der Übersetzung zur Verfügung. Die älesten Handschriften, die wir davon haben, sind bestenfalls Fragmente, einige davon aus der Qumran-Höhle. Siehe hier : https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der ... dschriften

Die meisten Ausgaben der Septuaginta, ob gedruckt oder digital, dürften vor allem auf dem Codex Vaticanus und dem Codex Sinaiticus basieren. Beide weichen voneinander ab und die modernen Editionen sind eine Rekonstruktion.
Die LXX hat eine ähnliche Überlieferungstradition des Textes wie das NT. Das wird oft vergessen.

Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 17:20
von Larson
Helmuth hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 17:10 Also kann die Regelung auf Basis von 3. Mose 24 nicht danach erfolgen.
Ich hatte dir bei meiner Antwort folgenden Vers beigefügt:
3.Mo 24,18 Und wer ein Vieh totschlägt, soll es erstatten: Leben um Leben.
Erstatten ist ein Geben. Also für das zuvor lebende, aber nun tote Vieh soll ein lebendes gegeben werden, leben für Leben. Und so wird stichwortartig dann das mit der Verletzung / Bruch erwähnt, also nicht dass man eine Verletzung gibt, sondern mit seinem gesunden Arm, Auge usw. was auch immer, dem anderen in seinem Leben weiter hilft.

Einzig als Ausnahme bei einem Todschlag Vers 21, wo der Mörder hingerichtet werden soll, da man dem Getöteten nichts weiter ersetzen kann.

Auch hier, der Kontext macht es aus, nicht ein Bruchstück einer Rechtsordnung.

Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 17:45
von Helmuth
Larson hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 17:20 Ich hatte dir bei meiner Antwort folgenden Vers beigefügt:
3.Mo 24,18 Und wer ein Vieh totschlägt, soll es erstatten: Leben um Leben.
Das ist nicht mein Rechtsfall, und so nebenbei war es auch nicht der, um den es in 3. Mose 24 gegangen ist. Ich habe einen vorgegeben, also lies ihn bitte durch. Aber ich sehe schon, in welche Richtung es geht. Mal sehen was nun kommt.

Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 17:55
von Larson
Helmuth hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 17:45 Das ist nicht mein Rechtsfall
Sorry, ich habe von dir dieses Handabhacken noch im Kopf…?

Im Kontext in 3. Mose wird von einerlei Recht gesprochen, wo auch stichwortartig verschiedene Verstösse aufgeführt werden.

Ein Rechtsfall wird nicht subjektiv auf einen „Paragraphen“ beurteilt, sondern im Kontext mit dem ganzen Recht.

Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Verfasst: Mi 3. Jun 2026, 18:05
von Helmuth
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 17:16 Ich gehe davon aus, dass die ursprünglichen Texte fehlerlos waren. Das kann man natürlich für gutgläubig oder naiv halten.
Diese Position kenne ich, teile die zwar auch nicht, da sie nur spekulativer Natur ist und damit nichts sicherer macht, aber das hat mit meiner Problematik wieder nichts zu tun. Es geht mir nicht um einen fehlerlosen Grundtext, sondern um den Vergleich zweier Stellen.

Also z.B. Parallelstellen zwischen Matthäus und Lukas, oder wie ich gerade ein Bespiel abhandle zwischen 2. Mose 21 und 3. Mose 24. Es geht dabei um unterschiedliche Stellen, diese aber aus ein und demselben Text. Du kannst dazu auch deine Meinung abgeben. Ich wäre daran gerade sehr interessiert.
ProfDrVonUndZu hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 17:16 Wenn es um traditionelle Dogmen geht, dann muss man berücksichtigen, dass diese nicht einfach über Nacht aus einer Laune heraus entstanden, sondern eine Entstehungstradition und eigene Überlieferungsgeschichte haben.
Dazu ein einfacher Grundsatz: Richtig ist richtig und falsch ist falsch. Die Zeitspanne wie lange schon etwas Falsches im Umlauf ist, macht es damit nicht richtig. Das ist wie Falschgeld. Es wird nicht echt, nur weil alle es annehmen und nicht erkennen. Manches ist zugegeben auch echt diffiziel, wenn z.B. religiöse Emotionen daran beteiligt sind.

Am Richtigen stoße ich mich auch nicht, und das tut üblicherweise auch keiner, sondern daran, dass etwas nicht richtiger wird, nur weil man es dogmatisch fixiert hat. Da hat m.E. der Heilge Geist auch nicht mitgewirkt.

Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Verfasst: Do 4. Jun 2026, 05:40
von Helmuth
Larson hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 17:55 Sorry, ich habe von dir dieses Handabhacken noch im Kopf…?
Welcher Schadensfall ist grundsätzlich unerheblich. Beides sind Körperverletzungen ohne Todesfolge.
Larson hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 17:55 Im Kontext in 3. Mose wird von einerlei Recht gesprochen, wo auch stichwortartig verschiedene Verstösse aufgeführt werden.
Unerheblich für meinen Fall, und wenn dem so gilt, wie du sagst, dann auch für meinen Fall.
Larson hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 17:55 Ein Rechtsfall wird nicht subjektiv auf einen „Paragraphen“ beurteilt, sondern im Kontext mit dem ganzen Recht.
Unerheblich für meinen Fall. Es ist ein entsprechender Fall, daher muss das Gesetz dazu auch greifen.

Es wird aber klarer, wohin die Reise geht. Du gedenkst nicht den Rechtsfall zu behandeln. Dann erwarte von mir nicht, dass ich annehme, dass du dafür überhaupt kompetent wärst ihn zu burteilen. Du palaverst herum. Man muss nicht juristisch gebildet sein, das verlangt keiner. Aber dann mach den Mund nicht so weit auf, wenn du keine Ahnung hast.

Anders bei Rilke, er ist akademisch ausgebildeter Jurist und sollte solche Fälle beurteilen können. Aber auch er verweigert scheinbar die Antwort. Zuletzt habe ich den Prof. gebeten. Er geht darauf auch nicht ein, na vielleicht kommt noch was.

Im Grunde palavern hier recht viele im Forum herum zur Fehlerthematik, mich wohl eingeschlossen, aber diese konkrete Frage will kein Schwein beanworten. Dann kann man fragen: Tja, warum denn nicht? 8-)

Re: Die Bibel: Widersprüchlich und voller Fehler?

Verfasst: Do 4. Jun 2026, 14:06
von ProfDrVonUndZu
Helmuth hat geschrieben: Mi 3. Jun 2026, 18:05 Also z.B. Parallelstellen zwischen Matthäus und Lukas, oder wie ich gerade ein Bespiel abhandle zwischen 2. Mose 21 und 3. Mose 24. Es geht dabei um unterschiedliche Stellen, diese aber aus ein und demselben Text. Du kannst dazu auch deine Meinung abgeben. Ich wäre daran gerade sehr interessiert.
Ich weiß dein Interesse zu schätzen, aber ich habe in der Vergangenheit schon meine Ansicht zu der Rechtsvorstellung im mosaischen Gesetz dargelegt. Für mich ist dabei ganz wesentlich, was Jesus über die Schrift sagt und umgangssprachlich als Goldene Regel bezeichnet wird:
Matthäus 7,12 Alles nun, was immer ihr wollt, daß euch die Menschen tun sollen, also tut auch ihr ihnen; denn dies ist das Gesetz und die Propheten.
In 3. Mose 24,22 betont Gott die Wichtigkeit von einerlei Recht untereinander. Dies halte ich für die Kernbotschaft der gesamten Rechtsvorstellung und im Einklang mit Jesu "Goldene Regel". Ich kritisierte an anderer Stelle diese Worte Jesu, dass mit dieser Regel die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Menschen nicht beachtet werden. Nun habe ich dort schon länger nichts mehr geschrieben und diese spezielle Frage noch nicht wirklich aufgelöst. Ich kann hier etwas spoilern, dass das vermeintliche Problem der goldenen Regel gar kein ungelöstes und unter den Teppich gekehrtes Problem aus der Perspektive des mosaischen Gesetzes ist, und das ist die Perspektive, von der Jesus aus zu den Juden redet. Das Gesetz Mose proklamiert nicht bloß die Gleichheit und Ebenbürdigkeit der Menschen, sondern es wirkt selber maßgeblich daran mit, diese auch so gut wie möglich herzustellen und zu erhalten durch vorgeschriebene Eigentumsordnungen. Damit unterscheidet sich das Gesetz Mose von modernen liberalen Verfassungen, die die Eigentumsordnungen einfach als gegeben hinnehmen und weitgehend dem Zufall überlassen. Aus liberaler Sicht wäre die Eigentumsordnung des Gesetz Mose fieser Sozialismus.