Magdalena61 hat geschrieben: ↑Sa 2. Mai 2026, 02:28
Zippo hat geschrieben: ↑Mi 15. Apr 2026, 15:15
Warum knüpft der Hebräerbrief an diese Begegnung mit Abraham an und vergleicht den Sohn Gottes mit dem königlichen Priester Melchisedek ?
Man geht davon aus, dass die Adressaten dieses Briefes Judenchristen waren, die aufgrund ihrer Hinwendung zu Jesus Christus Anfeindungen und Verfolgung litten. So, wie der Brief geschrieben ist mit den vielen Anspielungen auf das AT, setzte der Verfasser vermutlich die Schriften des AT als bekannt voraus.
Ja, davon gehe ich auch aus. Da war ein Wechsel der Bündnisse, die Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat. Die Thora wurde in den Synagogen gelesen und da wird man immer mal wieder auch von Melchisedek gelesen haben, der in unserer Bibel in Kapitel 14 erscheint.
Der Tempeldienst war zur Zeit des Erstellung des Briefes möglicherweise noch möglich, aber 70 nach Christus wurde der Tempel niedergerissen, wie der Herr Jesus prophezeit hatte.Mt 24,1-2
Jetzt sollte eine Transformation geschehen, dem Tempel und dem priesterlichen Dienst des neuen Bundes, den der Herr Jesus Christus aufgerichtet hatte.
Da kommt dann der König von Salem namens Melchisedek wieder zur Sprache, der von Gott berufen war und dessen Priesteramt keinen Stammbaum brauchte. Hebr 7,1..
Magdalena
Er ruft die Gläubigen dazu auf, am Glauben an Jesus Christus festzuhalten. Sehr ernst:
Hebr. 6, 4-6.
Wenn man sieht, wie hier gegen das NT geschossen wird- obwohl wir im Forum NT sind und nicht etwa im Forum Bibelkritik!- kann man sich vielleicht ein wenig vorstellen, wie schwierig die Situation für die Judenchristen damals war.
Oder man liest sich die Apostelgeschichte durch und schaut, wie z. Bsp. Paulus behandelt wurde. 2 Kor 11,23.. Die Juden stellten ihm überall nach und einmal steinigten sie ihn sogar.
Sie konnten nicht einsehen, daß Paulus auf einmal das Ende des Gesetzes verkündigt hat, obwohl er ja eigentlich nur den Bund des Gesetzes gemeint hat. Das Gesetz an sich wollte er nicht auslöschen, er hat ihm nur seinen ihm zugedachten Platz im Evangelium zugewiesen. 1 Tim 1,8
Es sollte nicht mehr zu Rechtfertigung dienen, aber es sollte seine Aufgabe als Sittenwächter behalten und Erkenntnis der Sünde geben. Darüber hinaus offenbaren die Opferhandlungen und Feste des Gesetzesbundes auf vielfältiger Weise, was der Herr Jesus durch seinen Tod am Kreuz vollbracht hat. Darauf wollte der Hebräerbrief näher eingehen.
Magdalena
Warum der Vergleich mit Melchisedek?
Das ist jetzt mein persönlicher Eindruck: Weil die Person des Melchisedek den Judenchristen ein Begriff war, und dieser Priester war etwas Besonderes gewesen; möglicherweise hatten sie noch mündliche Überlieferungen und wussten somit einiges mehr als wir, aber sie konnten die Person und Funktion Melchisedeks vermutlich nicht in ihrer ganzen Tragweite einordnen.
Psalm 110 war sicherlich auch bekannt gewesen und man hat mit Melchisedek sicherlich auch den kommenden Messias in Verbindung gebracht, der zwar königlicher Abstammung sein sollte und Sohn Davids genannt wurde, aber auch zu priesterlichen Ehren kommen würde.
Magdalena
Einen anderen anzubeten als Gott alleine, das wäre eine schwere Sünde gewesen; Götzendienst, der die Todesstrafe nach sich zog. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Angst bei den Adressaten des Briefes eine ernste Sache war; sie waren ja schließlich nach den Richtlinien des Alten Bundes erzogen worden.
Deswegen wird auch in den ersten Kapiteln der Sohn Gottes in besonderer Weise hervorgehoben. Mit vielen Zitaten wird er mit den Engeln verglichen, das Werk Jesu wird in den höchsten Tönen gelobt, weil dieser Sohn Gerechtigkeit geliebt hat und weil er Fleisch und Blut angenommen hat. Weil er dem Tode die Macht genommen hat, dem der bis dahin die Gewalt darüber hatte und das ist Satan. Hebr 2,14
Nun kommt der Sohn Gottes, durch und um dessentwillen Gott alles geschaffen hat in einen anbetungswürdigen Zustand.
Magdalena
Die Juden hatten das Gesetz und ihre Priester -- du musst mal Kapitel 7 weiterlesen; das ist die alte Auseinandersetzung: "Gerechtigkeit durch das Gesetz oder durch den Glauben"/ "Knechtschaft Hagar und oder das freie Jerusalem" (
Gal. 4).
Da haben wir uns schon eine Weile drüber ausgetauscht. Melchisedek wird als der Höhere angesehen, weil er den segnet, aus dessen Lenden Levi hervorgegangen ist, der mit dem Priestertum im Gesetzesbund vertraut gemacht wurde.
Magdalena
Wer ist Melchisedek?
Hebr. 7, 1-3 (LUT): Dieser Melchisedek aber war König von Salem, Priester des höchsten Gottes; er ging Abraham entgegen, als der vom Sieg über die Könige zurückkam, und segnete ihn;
ihm gab Abraham auch den Zehnten von allem. Erstens heißt er übersetzt:
König der Gerechtigkeit; dann aber auch: König von Salem, das ist:
König des Friedens. Er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit.
König der Gerechtigkeit: z.B.
Jes. 11,5;
Jer. 23,6
Ps. 45; 7-8;
König des Friedens: z.B.
Jes. 9,5;
Die genannten Bibelstellen sprechen von einem König und Spross Davids, der Gerechtigkeit bringen wird, was mit dem Herrn Jesus, wenn auch auf ungewöhnliche Weise geschehen ist.
Psalm 45 ist herausragend, weil er von einem Gott des Gottes spricht.
[Ps 45,6-7] 7 Gott, dein Stuhl bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reiches ist ein gerades Zepter. 8 Du liebest Gerechtigkeit und hassest gottlos Wesen; darum hat dich Gott, dein Gott, gesalbt mit Freudenöl mehr denn deine Gesellen.
Dieser Psalm wurde zur Krönung der Könige in Israel verlesen, man muß also denken, daß sich auch Könige bei dem Wort elohim angesprochen fühlten. elohim=die Mächtigen, aber es wird im Hebräerbrief auch zitiert und damit wird der Sohn Gottes bezeichnet.
[Heb 1,6-9] Von den Engeln spricht er zwar: „Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen“, aber von dem Sohn: „Gott, dein Stuhl währt von Ewigkeit zu Ewigkeit; das Zepter deines Reichs ist ein richtiges Zepter. Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, gesalbt dein Gott mit dem Öl der Freuden über deine Genossen.“
Der Sohn Gottes wird sicherlich nicht nur im untergeordeneten Sinn als elohim, also übersetzt Gott bezeichnet, aber es bleibt doch die Unterordnung unter den Vater, der seinen Erstgeborenen in der Weise würdigt.
Frieden hat der Herr Jesus sicherlich in besonderer Weise gebracht, nämlich den Frieden mit Gott.
[Röm 5,1-2] Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir auch den Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darin wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll.
Magdalena
Der Autor sagt den Judenchristen mehr oder weniger: Ihr kennt Ihn schon.
Abraham akzeptierte Melchisedek ohne Wenn und Aber und ordnete sich unter.
Es gibt Ausleger, die Melchisedek aufgrund "so gleicht er dem Sohn Gottes" nicht mit dem Sohn Gottes identifizieren. Ich meine, die fett markierten Begriffe sowie "ohne Anfang der Tage noch Ende des Lebens"... können sich nur auf einen Einzigen beziehen, nämlich auf den Menschensohn. Aber, wie gesagt: Das ist meine private Erkenntnis, die ich zwar mit vielen Christen teile, aber eben nicht mit allen.
LG
Den Melchisedek kannten sie schon und in dem Herrn Jesus Christus sollten sie den kennenlernen, auf den dieser König von Salem zeigt. Der Sohn Gottes hat die überragend höhere Bedeutung, wie der König von Salem in 1 Mo 14, der Abraham nach dem Kampf gegen die Könige entgegenkam. Da kann man ein Vergleich starten, wie es eben ein Vorbild zu seinem Abbild sein kann. Aber beide waren nicht Priester, weil sie einen Stammbaum hatten, sondern sie waren von Gott berufen.
Gruß Thomas