1. Seele, Blut und Altar

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Larson
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1. Seele, Blut und Altar

Beitrag von Larson »

Zippo hat geschrieben: Di 7. Jul 2026, 13:22 Hast du nicht auch schon mal was kommentarlos übergangen ? z. Bsp. 3 Mo 17,11 ?
Ein kleiner Versuch, 3.Mo 17,11 etwas zu erhellen. Ich hatte dazu mal in 2-3 Sätzen gesagt, hier nun etwas ausführlicher_


Die folgende zusammengestellte Darlegung (hauptsächlich aus dem Kommentar von Samson Raphael Hirsch) ist nicht etwa eine „neue“ Interpretation. Sondern basiert auf alten Überlieferungen.
3.Mo 17,11. Denn die Seele / Nefesch des Fleisches ist im Blut gegenwärtig, und habe Ich es euch darum (für / gegen) dem Altar עַל־הַמִּזְבֵּ֔חַ (ʽal‾ haMizbeach) bestimmt, Sühne über eure Seelen zu erwirken; denn das Blut bedeutet: mit der Seele erwirkt man Sühne.

14. Denn die Seele alles Fleisches: sein Blut, das ist seine Seele; und ich habe zu den Kindern Israel gesagt: Das Blut irgendeines Fleisches sollt ihr nicht essen, denn die Seele alles Fleisches ist sein Blut; jeder, der es isst, soll ausgerottet werden.
Im Judentum ist die Seele (Nefesch) eben kein mystisches, körperloses Gespenst / Geist, das wie in der griechischen Philosophie (Platon) oder im späteren Christentum gefangen im Körper sitzt und darauf wartet, endlich „erlöst“ zu werden, um in den Himmel zu fliegen.
Jes 37,16 JHWH Zebaoth, Gott Israels, der du zwischen den Cherubim thronst, du allein bist es, der der Gott ist von allen Königreichen der Erde; du hast den Himmel und die Erde gemacht.
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Larson
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Re: 1. Seele, Blut und Altar

Beitrag von Larson »

1.1. Das Blut
1.Mo 9,4 Nur das Fleisch mit seiner Seele, seinem Blut, sollt ihr nicht essen;
1.Mo 9,4 Jedoch Fleisch (בָּשָׂר (bāsār)), dessen Blut (דָּם (dām)) noch in seiner Seele (בְּנַפְשׁ֥וֹ (bᵉNafscho)) ist, soll ihr nicht essen!
Man beachte die in diesen Versen und 3.Mo 17, wechselnden Ausdrücke für die Beziehung des Blutes zur Seele und die darin liegende Zurückweisung materialistischer Anschauung dieses Verhältnisses.

Fleisch von lebenden Tieren zu essen ist nicht gestattet. Es ist hier (noch) kein Verbot, Blut zu essen, denn es heisst hier nicht: „Jedoch Fleisch, in welchem noch seine Seele ist, nämlich sein Blut ist, sollt ihr nicht essen“.
Wir würden jedoch erwarten: נַפְשׁ֥וֹ בְּדָמ֖וֹ (nafscho bᵉDāmo) nicht: so lange noch das Blut in der Seele, sondern: so lange noch die Seele im Blute ist.

Allein, wenn vom Blut und vom Leben die Rede ist, ist das Gotteswort ausserordentlich präzis in seinem Ausdrucke. Selbst schon beim Tiere, insbesondere aber da, wo das Tier in den Menschen eingeht (essen), und der Mensch seinen Leib durch den Tierleib „ergänzt“, will das göttliche Wort jeder materialistischen Anschauung vorbeugen, welcher Kraft, Geist, Seele, Leben nichts als Attribute des Stoffes, Modifikationen desselben sind:
הַנֶּ֖פֶשׁ הוּא הַדָּ֖ם,
(5.Mo 12,23) …denn das Blut, es ist die Seele. Und iss auch nicht die Seele mit dem Fleisch,
als ob wirklich mit dem Blute auch die Seele vernichtet, und nicht vielmehr das Blut nur Organ und Vermittler der Seele wäre!

So lange das Tier lebt, ist nicht die Seele im Blute, sondern ist das Blut in der Seele, wird das Blut von der Seele umfangen und beherrscht; die Seele geht nicht in das Blut, sondern das Blut in die Seele auf.

Das Blut ist die sinnliche Repräsentanz der Seele. Durch das Blut beherrscht die Seele den Leib als lebendiges Wesen, solange von der Seele das Blut gehalten wird. Denn Fleisch (Basar) und Nefesh (Seele) gehören zusammen und das Blut (Dam) ist das Mittel.
Jes 37,16 JHWH Zebaoth, Gott Israels, der du zwischen den Cherubim thronst, du allein bist es, der der Gott ist von allen Königreichen der Erde; du hast den Himmel und die Erde gemacht.
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Re: 1. Seele, Blut und Altar

Beitrag von Larson »

1.2. Die Seele von Mensch und Tier
1.Mo 1,24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Wesen נֶפֶשׁ (nëfësch) nach ihrer Art: Vieh und Gewürm und Tiere der Erde nach ihrer Art! Und es wurde so.
1.Mo 1,30 und allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, in dem eine lebendige Seele נֶ֣פֶשׁ חַיָּ֔ה (nëfësch chajāh) ist, habe ich alles grüne Kraut zur Speise gegeben.
1.Mo 9,4 Nur das Fleisch mit seiner Seele בְּנַפְשׁ֥וֹ (bᵉNafscho) , seinem Blut, sollt ihr nicht essen;
Beim Tier ist das Blut בְּנַפְשׁ֥וֹ (bᵉNafscho) ב־ „ in der Seele“, in einem organischen Zusammenhang.
1.Mo 1,27 Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie.
1.Mo 2,7 Und Gott der HERR bildete den Menschen, Staub von dem Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem נְשָׁמָה (nᵉSchāmāh) des Lebens; und der Mensch wurde eine lebendige Seele לְנֶ֥פֶשׁ חַיָּֽה (lᵉNëfësch chajāh).
Das Blut des Menschen aber ist לְנַפְשׁוֹ (lᵉNafscho) ל־, seiner Seele gehörig, bestimmt, Untertan; ganz so wie bei der Schöpfung der Tier- und Menschenseele jene mit dem Leibe zugleich der Erde entsprang, diese aber, einem dem irdischen Leibe völlig fremden Ursprünge ungehörig, als „Hauch Gottes“ in den Körper trat.
1.Mo 9,5 und wahrlich, euer Blut, nach euren Seelen, werde ich fordern אֶדְרֹ֔שׁ (ʽëdrosch) ; von jedem Tier werde ich es fordern, und von der Hand des Menschen אִ֣ישׁ (ʽijsch), von der Hand eines jeden, seines Bruders, werde ich die Seele des Menschen נֶ֥פֶשׁ הָֽאָדָֽם (nëfësch hāʽādām) fordern.
אֶדְרֹ֖שׁ (ʽëdrosch) דָּרַשׁ (dārasch): suchen, fordern, zurückfordern, zur Rechenschaft fordern.
Indem Gott von dem der Menschenseele übergebenen Blute אֶדְרֹ֖שׁ ausspricht, hat Er unser Blut als Sein Eigentum vindiziert (sich zueignen), und uns das Verfügungsrecht auch über das eigene Blut versagt.

Vom Tier fordert Gott das Menschenblut, Blut des Menschen (Dam HaAdam) und vom Mensch, vom Bruder (isch) fordert er Nefesch HaAdam. Wer das Leben anderer verkürzt ist Gott gegenüber verantwortlich.

Beim Tier ist das Blut בְּנַפְשׁ֥וֹ (bᵉNafscho) ב־ „ in der Seele“, in einem organischen Zusammenhang. Das Blut des Menschen aber ist לְנַפְשׁוֹ (lᵉNafscho) ל־, seiner Seele gehörig, bestimmt, Untertan;
Jes 37,16 JHWH Zebaoth, Gott Israels, der du zwischen den Cherubim thronst, du allein bist es, der der Gott ist von allen Königreichen der Erde; du hast den Himmel und die Erde gemacht.
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Re: 1. Seele, Blut und Altar

Beitrag von Larson »

1.2.1. Zusammengefasst:
Das hebräische ל־ (le-) zeigt eine Richtung, eine Bestimmung oder einen Zweck an.

Beim Menschen ist der Körper (und damit das Blut) nicht die Seele selbst, sondern das Werkzeug für die Seele. Das Blut dient der Seele.

Der Mensch besitzt eine gottgegebene, freie, geistige Seele (Odem Gottes, Neschamah), die über der reinen Biologie steht. Das Blut und der Körper sind die physische Hülle und das Instrumentarium, das dieser höheren Seele auf der Erde zur Verfügung gestellt wird, um Gottes Willen zu tun. So stammt die Seele des Menschen nicht aus der Erde (wie beim Tier), Gott bläst sie in diese Hülle (aus Staub der Erde) ein. Dies macht den Menschen frei, moralisch handlungsfähig und unabhängig von Naturzwängen. (Das Tier lebt in seinen Instinkten, kann deshalb werde „gut“ noch „böse“ sein, obwohl der Mensch es als solches empfindet und interpretiert).
So ist der Mensch im Bilde Gottes, Ihm (im Wesen) ähnlich, aber gebunden im Körper.
Jes 37,16 JHWH Zebaoth, Gott Israels, der du zwischen den Cherubim thronst, du allein bist es, der der Gott ist von allen Königreichen der Erde; du hast den Himmel und die Erde gemacht.
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Re: 1. Seele, Blut und Altar

Beitrag von Larson »

1.3. Gott spricht von Seiner Seele
Jer 6,8 Laß dich warnen, Jerusalem, damit sich meine Seele nicht ganz von dir entfremde, daß ich dich nicht zur Wüste mache, zu einem unbewohnten Lande!
Jer 5,9 Sollte ich dies nicht heimsuchen?, spricht der HERR, oder sollte an einer Nation wie dieser meine Seele sich nicht rächen?
Meine Seele rächt sich“ bedeutet im Hebräischen nicht blinde Zerstörungswut, sondern dass Gottes innerste Gerechtigkeit und Integrität es verlangen, das Unrecht aufzudecken. Er kann nicht wegschauen, wenn Menschen einander quälen.
Jes 1,14 Eure Neumonde und eure Festzeiten hasst meine Seele; sie sind mir zur Last geworden, ich bin des Tragens müde.
Wenn Gott sagt „meine Seele hasst es“, meint er: Es widerspricht Seinem gesamten Wesen. Er will keine leblosen, blutigen Rituale, bei denen das Herz des Menschen fehlt.
Jes 42,1 Siehe, mein Knecht, den ich stütze, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat: Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er wird den Nationen das Recht mitteilen.
Hier spricht Gott im totalen Gegensatz dazu von Seiner tiefen Liebe und Freude.

Was meint nun Gott, wenn er von Seiner Seele Nefesch sprich? Er meint damit Seinen Willen, Seine Liebe, Seine Gerechtigkeit, Sein inneres Wesen.
Jes 37,16 JHWH Zebaoth, Gott Israels, der du zwischen den Cherubim thronst, du allein bist es, der der Gott ist von allen Königreichen der Erde; du hast den Himmel und die Erde gemacht.
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Re: 1. Seele, Blut und Altar

Beitrag von Larson »

1.4. Speisegebote
3.Mo 17,13 Und jedermann von den Kindern Israel und von den Fremden, die sich in eurer Mitte aufhalten, der ein Wildbret oder einen Vogel erjagt, die gegessen werden, soll ihr Blut ausfließen lassen und es mit Erde bedecken.
Auch hier ist גֵּר (ger: Fremdling) hervorgehoben; denn auch das Verbot des Blutgenusses beginnt erst mit dem Judentum, obgleich אֵבֶר מִן הֵחַי (ein Körperteil eines lebendigen Wesens)auch dem Noachiden verboten ist.
Das Verbot des Blutgenusses schon in 3.Mo 7,26.27. Ebenso das Fett חֵלֶב (chelëv: Fett) in Zusammenhang mit den Opfergesetzen 3.Mo 3,17
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Re: 1. Seele, Blut und Altar

Beitrag von Larson »

1.5. Das Opfer, der Altar
3.Mo 17,11 נֶ֣פֶשׁ הַבָּשָׂר֮ בַּדָּ֣ם הִוא֒ (nëfësch haBāsār baDām hiwʽ) Denn die Seele des Fleisches ist im Blut, ….
die נֶ֣פֶשׁ des Leibes, dieses unsichtbare Wesen, in welchem die eigentliche Tierindividualität und Menschenpersönlichkeit beruht, ist im Blute gegenwärtig.

Vermittelst des Blutes, dieses den ganzen Leib in allen Teilen durchströmenden Mediums, regiert die empfindende, erkennende und wollende Seele Nerven und Muskeln, die nur die Organe ihrer (der Seele) Tätigkeit sind.
Das im Körper allgegenwärtige Blut ist der allgegenwärtig sichtbare Bote der im Körper unsichtbar allgegenwärtig herrschenden Seele. Es ist somit der sichtbare Repräsentant der Seele und daher ganz geeignet, im Opfer die Erhebung und Hingebung der Seele an Gott sowie deren treues Beharren bei Gott zum symbolischen Ausdruck zu bringen.
3.Mo 17,11 וַאֲנִ֞י נְתַתִּ֤יו לָכֶם֙ עַל־הַמִּזְבֵּ֔חַ (wʽănij nᵉtatijw lāchëm ʽal‾ haMizbeach) …. auf den Altar gegeben ….
Auf dem Altare, für die Symbolik des Opfers, hat Gott es uns zum Ausdruck für unsere Seele gegeben, dort bedeutet das Blut:

… בַּנֶּ֥פֶשׁ יְכַפֵּֽר (banëfësch jᵉchaper) durch die Seele bedeckt es… Er wird Sühne leisten mit seiner (eigenen) Seele, das Blut sühnt die Seele… dass Sühne nur mit unserer Seele, unserem Leben erwirkt werden könne.

בַּנֶּ֥פֶשׁ יְכַפֵּֽר (banëfësch jᵉchaper) kann nämlich nicht heissen: es bewirkt Sühne für die Seele. ב־ bei כָּפַר (kāfar: bedecken) bezeichnet überall nicht den Gegenstand, sondern Mittel der Sühne (3.Mo 7,7; 3.Mo 5,8; ….


Wie der Priester das Blut an den Altar hinanschwingt, oder mit ruhigem Finger ihm auf den Höhen des Altares seinen Platz anweist, so hat unsere Seele unser Blut aufs Neue zu Gott hinan emporzuheben, oder mit erneuter Kraft der Besonnenheit ihm seinen bleibenden Stand auf den Gotteshöhen zu festigen, wenn eine verfehlte Vergangenheit gesühnt und eine neue gottnahe Zukunft angebahnt werden soll.

3.Mo 17,11 spricht vom Sühne-Akt selbst (Blut kommt an die Altarwand/-hörner). 4.Mo 4,25 beschreibt, was man im nächsten Schritt mit dem verbleibenden Rest des Blutes tut (es wird an den Fuß des Altars gegossen).
Je nach Opferart gibt es dafür feste Regeln:
Beim Ganzopfer (Ola) oder Friedensopfer (Schlamim) wird das Blut an die Ecken des Altars gesprengt, sodass es zwei Wände gleichzeitig trifft.
Beim Sündopfer (Chatat) wird das Blut mit dem Finger direkt an die oberen „Hörner“ des Altars gestrichen.
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Re: 1. Seele, Blut und Altar

Beitrag von Larson »

1.6. Sinnbild
Indem das Blut des Tieres (solange es noch frisch ist) an den Altar gebracht wird, geschieht symbolisch Folgendes:

Der Mensch bringt nicht einen materiellen Wert (das Tier als Besitz), sondern er bringt das „Leben des Tieres“ als Stellvertreter für sein eigenes Leben vor Gott.
Während das Blut an den Altar gegossen wird, soll der Opfernde begreifen:
„Das, was dort mit dem Blut des Tieres geschieht – diese totale Hingabe an Gott –, das sollte eigentlich mit meinem Leben, mit meiner Energie und meiner Tatkraft geschehen.“
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Larson
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Re: 1. Seele, Blut und Altar

Beitrag von Larson »

1.7. Sühne
Das Wort „Sühne“ ist im deutschen Sprachraum (wie auch in der christlichen Dogmatik) massiv durch die mittelalterliche Rechts- und Gerichtssprache geprägt. Wenn man „Sühne“ hört, denkt man fast automatisch an:
Abbüssung einer Schuld.
Ableistung einer Strafe (jemand muss den Schaden „bezahlen“).
Genugtuung (Satisfaktion) für einen beleidigten Herrscher.

Im Hebräischen hat das Wort für Sühne – כַּפָּרָה (kapārāh) ) bzw. das Verb לְכַפֵּר (lᵉChaper) – eine andere, tiefere und beziehungsorientierte Bedeutung.

Im Wesentlichen zwei konkrete Bedeutungen: Zudecken und Reinigen / Abwischen.
So wird Sünde zugedeckt, vor den Augen Gottes verborgen, damit die Beziehung zum Ewigen wieder stimmt. Also ein Akt göttlicher Liebe, Gott sieht nicht mehr auf das Fehlverhalten, sondern auf dem umkehrenden Menschen.

Das Bestreichen von Altar usw. ist kein Akt der Bestrafung, sondern ein Reinigungsprozess, der „Fleck“ wird weggewischt, das Ziel ist nicht Strafe, sondern Reinigung.


Sühne (Kappara): Sühne bedeutet im Hebräischen eigentlich „Zudecken“ oder „Wiederherstellen einer Beziehung“. Die Beziehung zu Gott wird wiederhergestellt, indem das Leben symbolisch zu seinem Ursprung (dem Altar) zurückgebracht wird.

Sühne geschieht im Judentum durch das Leben, das im Blut pulsiert, und die Hinwendung des Menschen zu Gottes Willen.
Das jüdische Opfer ist kein „stellvertretendes Strafgericht“, bei dem Gott Blut sehen muss, um besänftigt zu werden, oder dass Gott nur deswegen vergeben könnte oder nur deswegen vergibt.(das wäre ein heidnisches Opferverständnis!). Es ist ein Akt der Erneuerung und der Hinwendung des lebendigen Menschen.

3.Mo 5,11 Wenn aber sein Vermögen nicht einmal zur Beschaffung zweier Turteltauben oder zweier jungen Tauben ausreicht, so bringe er als seine Opfergabe für das, wodurch er sich vergangen hat, ein Zehntel Epha Feinmehl als Sündopfer dar, ohne jedoch Öl daraufzugießen oder Weihrauch hinzuzufügen; denn es ist ein Sündopfer.
Hier steht, dass jemand, der sich kein Tier leisten kann, feines Mehl (Soleth) als Sündopfer (Chatat) bringen darf. Und der Vers endet mit den Worten: „...und der Priester erwirke für ihn Sühne wegen seiner Sünde... und es wird ihm vergeben.“
Also auch hier, nicht das „Blut“ erwirkt Sühnung.

Zentrale Aussage Gottes:
Hos 14,3 Nehmet Worte (der Reue) mit euch und kehret um zum HERRN! Sagt zu ihm: »Vergib uns alle Schuld und laß es dir gnädig gefallen, daß wir statt der Farren dir die Frucht unserer Lippen (= Gelübde, Buß- und Danklieder) als Opfer darbringen!
Wenn nun behauptet wird, das Sterben, der Tod oder das Blut des Tieres sühnt, steht das im direkten Widerspruch zum hebräischen Text.
Der Text sagt: Das Blut sühnt durch das Leben (die Seele des Opfernden), das in ihm ist.
Jes 1,18 Kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der HERR. Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie weiß werden; wenn sie rot sind wie Karmesin, wie Wolle sollen sie werden.

Ps 79,9 Hilf uns, Gott unseres Heils, um der Herrlichkeit deines Namens willen; und errette uns und vergib unsere Sünden um deines Namens willen!
So gibt es weitere Stellen, wo Gott vergibt. Deshalb steht so oft, dass man den Namen JHWH erkennen soll.
Ps 83,19 und erkennen, dass du allein, dessen Name JHWH ist, der Höchste bist über die ganze Erde!
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Sunbeam
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Re: 1. Seele, Blut und Altar

Beitrag von Sunbeam »

Larson hat geschrieben: Sa 11. Jul 2026, 10:49 1.2.1. Zusammengefasst:
Das hebräische ל־ (le-) zeigt eine Richtung, eine Bestimmung oder einen Zweck an.

Beim Menschen ist der Körper (und damit das Blut) nicht die Seele selbst, sondern das Werkzeug für die Seele. Das Blut dient der Seele.

Der Mensch besitzt eine gottgegebene, freie, geistige Seele (Odem Gottes, Neschamah), die über der reinen Biologie steht. Das Blut und der Körper sind die physische Hülle und das Instrumentarium, das dieser höheren Seele auf der Erde zur Verfügung gestellt wird, um Gottes Willen zu tun. So stammt die Seele des Menschen nicht aus der Erde (wie beim Tier), Gott bläst sie in diese Hülle (aus Staub der Erde) ein. Dies macht den Menschen frei, moralisch handlungsfähig und unabhängig von Naturzwängen. (Das Tier lebt in seinen Instinkten, kann deshalb werde „gut“ noch „böse“ sein, obwohl der Mensch es als solches empfindet und interpretiert).
So ist der Mensch im Bilde Gottes, Ihm (im Wesen) ähnlich, aber gebunden im Körper.
Großen Dank, ich empfinde deine für mich wertvollen Beiträge hier als einen vertiefenden Blick in das Judentum, dem jüdischen Glauben überhaupt. In seinen Ausführungen ebenso wie in den Beispielen an Hand der Tora.

Interssante Sache, wirklich lesenswert und aufschlussreich:!:
Denn wenn sich die Christenmenschen zu fein dazu sind, so erledigt das eben ein Freigeist/Agnostiker/armes Ketzerlein und wohl heißer Anwärter auf ein virtuelles Autodafe).
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