Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

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Rilke
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Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Rilke »

Helmuth hat geschrieben: Fr 26. Jun 2026, 18:03 Dazu mein erster Ansatz: Gott hat dem Menschen ein Gewissen gegeben und danach richtet er ihn eines Tages.
Ja, dem stimme ich zu. So viel kann man auch im ersten Kapitel des Römerbriefes lesen.
Jedoch möchte ich eine andere Stelle hinzufügen:
Jeremiah 17,9 hat geschrieben:Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus?
Ohne Gottes Gnade kann niemand gerettet werden, das Gewissen alleine genügt meiner Ansicht nach nicht, um von seinen Sünden freigesprochen zu werden.
Helmuth hat geschrieben: Fr 26. Jun 2026, 18:03 Also gesetzt den Fall man hat nicht die Schrift, was für viele Menschen etliche Jahrhunderte der Fall war, so werden diese ebenfalls nach ihrem Gewissen beurteilt.
Kurze Zwischenfrage von mir, musst nicht lange darauf eingehen, eine kurze Antwort genügt:
Glaubst du, dass jemand, der in seinem Leben - aus welchen Umständen und Gründen auch immer - nicht zum Glauben an den Herrn Jesus kommt, anhand seines Gewissens als gerecht beurteilt werden kann und Anteil am ewigen Leben hat?
Was immer ein endliches Wesen begreift, ist endlich.
- Hl. Thomas v. Aquin
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Oleander
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Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Oleander »

Rilke hat geschrieben: Fr 26. Jun 2026, 16:32 Demnach zeigt sich Gott auf zweifache Weise: persönlich im Leben des einzelnen Christen... ...
Auf welche Art zeigt er sich dir in deinem persönlichen Leben?
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben ...
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Helmuth
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Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Helmuth »

Rilke hat geschrieben: Fr 26. Jun 2026, 18:22 Ohne Gottes Gnade kann niemand gerettet werden, das Gewissen alleine genügt meiner Ansicht nach nicht, um von seinen Sünden freigesprochen zu werden.
Welche Chance hat dann ein Chinese aus dem 6. Jh. v. Chr, der sich aufrichtig gefragt hatte, ob sein Regime wrklich gerecht ist und versucht hat nach seinem Gewissen zu leben? Lieber ließ er sich töten, als einem für ihn gewissenlosen Befehl zu folgen.

Was du machst ist wieder recht typisch: Du geht dogmatisch an die Sache heran, denn die Schrft sagt dies und das. Das Wort Gottes ist ja nicht falsch, aber wendest du es auch wie Gott an? Die Konsequenz unserer Auslegung wäre: Der Mensch hätte aufgrund einer unserer Glaubensprämissen keine Chance.
Rilke hat geschrieben: Fr 26. Jun 2026, 18:22 Glaubst du, dass jemand, der in seinem Leben - aus welchen Umständen und Gründen auch immer - nicht zum Glauben an den Herrn Jesus kommt, anhand seines Gewissens als gerecht beurteilt werden kann und Anteil am ewigen Leben hat?
Für Millionen Fälle v. Chr. und auch noch lange danach kann man gar nicht anders beurteilt werden. Wie sollte das aussehen? Für das 21. Jh. ließe ich das nicht mehr gelten, weil ich denke, dass heute keiner mehr behaupten kann, noch nie etwas über Jesus gehört zu haben.

Es ist bereits Unrecht, wer das Evangelium gehört hat und es ablehnt. Das geschieht auch nicht nur ein einziges Mal. Der Wille Gottes ist die Verkündigung jeder Kreratur und welche Nation kennt Jesus noch nicht? Ich sehe darum auch Endzeitstimmung, der Herr kommt bald!

Aber es ist auch eine Sache, dass ich das Kinde nicht mit dem Bade ausschütte. So sage ich zu 99,99% trifft es m.E. heute nicht zu (der Prozentsatz ist fiktiv, aber es wird einen geben). Doch da es nicht unsere Sache ist, so darf ich mich sogar irren. Uns geht es ja lediglich um Erkenntnis, um nichts anderes.

Das wieder wäre nicht dogmatisch, denn letzten Endes weiß ich es doch nicht. Ich kann also keine Regel aufstellen, dafür ist jeder Fall zu individuell, wenn jedes unnütze Wort sogar gerichtet wird. Das Gericht deckt eines Tages alles auf.

Wie sich das also für den Teil der 0,01% verhält, weiß ich nicht, ich wüsste auch nicht, wer diese sein sollten. Und Hand aufs Herz, das ist zwar interessant zu diskutieren, aber auch juristisches Schattenboxen.

Für ein Urteil zum Tode gibt es aber auch objektive Kriterien, wie Gott es sagt. Deshalb komme ich zu einer weiteren Prämisse. Ich glaube nicht, dass ein Mensch schon verdorben zur Welt kommt. Er hat am Anfang noch kein betrübtes Gewissen und weiß gar nicht was Sünde ist.

Das sehe ich wie bei Adam und Eva. Das Gewissen dazu muss sich erst formen. Du wirst kaum eine erst 2-Jährige mit etwas belangen können, die gar nicht weiß, was sie tut. Denk an deine Tochter. ;)
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. - Johannes 3:16
Otto
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Registriert: Do 15. Feb 2018, 22:24

Re: Wie erhalten wir Glaubensgewissheit?

Beitrag von Otto »

Hallo Rilke,
da deine Antworten eigentlich Helmuth galten, gehe ich einfach mal davon aus, dass du nichts dagegen hast, wenn ich mich hier kurz einklinke und auch meine Gedanken dazu beitrage.
Rilke hat geschrieben:Aber ich gebe dir ein Beispiel. A und B lesen die Schrift. A schließt daraus, dass Jesus ein von Gott gesandter Mensch ist, und B wiederum, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist.
Die Antwort gibst du dir im Grunde schon selbst mit den Worten: „A schließt daraus…“ und „B wiederum…“. Was du hier beschreibst, ist kein göttliches Wirken, sondern ein rein menschlicher Vorgang. Das Lesen und Auslegen der Schrift ist und bleibt immer ein Akt des persönlichen Verständnisses.
Rilke hat geschrieben:Beide meinen, in ihrem persönlichen Glauben durch eine Bekräftigung des Heiligen Geistes bestätigt zu sein.
Beide irren sich, denn subjektive Gewissheit ist kein Beweis für Wahrheit. Ein Glaube und das Gefühl von Rechtzuhaben entwickeln sich nun mal zwischen den eigenen Ohren. Jemand, der felsenfest an eine flache Erde glaubt, ist sich psychologisch auch absolut sicher, die Wahrheit besser als alle anderen verstanden zu haben. Er würde genauso behaupten, er spüre die „Bekräftigung des Heiligen Geistes“. Gefühle sind aber keine Fakten. ;)
Rilke hat geschrieben:A und B beantworten die zentrale Glaubensfrage: 'Wer ist der, an den ich glaube und dem ich mein Leben übergebe?' nicht nur unterschiedlich, sondern widersprüchlich. Beide können jedoch sagen, dass sie die Schrift gelesen, um die Leitung des Heiligen Geistes gebetet und ihr Gewissen geprüft haben.
Das hat keinerlei Aussagekraft. Die Bibel ist kein Arithmetik-Buch, aus dem eine einfache, mathematische Wahrheit wie 5x2=10 hervorgeht. Sie ist ein hochkomplexes Buch der Ideen, Weltanschauungen, Gleichnisse und des lebendigen Wortes. Weil sie so vielschichtig ist, muss sie interpretiert werden.Und, eine Interpretation kommt immer vom eigenen ich...
Rilke hat geschrieben:Die Frage beinhaltet aber keine nebensächlichen Lehrsätze, sondern den zentralen Punkt des Glaubens selbst: Wer ist Jesus?
Ja, absolut. :thumbup:
Rilke hat geschrieben:Deswegen stimme ich dir zwar zu, dass der Heilige Geist uns persönlich korrigiert, wie du das beim Ehebruch Beispiel gut gezeigt und erklärt hast.
Hier müssen wir ansetzen: Wer das Richtige tun will, muss nicht erst mystisch von oben korrigiert werden. Ein Gebot wie „Du sollst nicht ehebrechen“ steht unmissverständlich geschrieben. Entweder man hat den Willen, sich daran zu halten, oder eben nicht. Wenn der persönliche Wille zur Umkehr fehlt, nützt auch der Heilige Geist nichts. Es ist eine Frage der menschlichen Eigenverantwortung, nicht einer magischen Intervention.
Rilke hat geschrieben:Aber ich würde hinzufügen, dass es für verbindliche Glaubensfragen auch eine verbindliche Bezeugung der Wahrheit geben muss.
Selbst wenn es so eine äußere, verbindliche Instanz gäbe: Das letzte Wort und die finale Verantwortung liegen immer beim Individuum selbst. Jeder Mensch muss für sein eigenes Leben und seinen Glauben geradestehen. Das bedeutet, man muss diese angebliche „verbindliche Bezeugung“ im eigenen Verstand erst einmal persönlich auf „Grün“ setzen, indem man sie prüft. Und diese Prüfung darf nicht auf Bauchgefühlen basieren, sondern auf der Frage: Stimmt diese Bezeugung mit der eigentlichen Quelle der Wahrheit – der Bibel als Ganzes – überein?
Rilke hat geschrieben:Also meine Frage wäre: Leitet der Heilige Geist die Erkenntnis von A und/oder B in ihrem Glauben, wer Jesus ist, also kommt es hier zu einer persönlichen Korrektur des Heiligen Geistes?
Wenn der Heilige Geist die Erkenntnis der Menschen unabhängig von ihrem eigenen Willen und ihrer Voreingenommenheit steuern würde, dann müssten logischerweise alle Menschen auf der Erde dieselbe Wahrheit erkennen und wahre Christen sein. Tun sie aber nicht. Deine Frage lenkt vom eigentlichen Kern ab. Die entscheidende Frage ist nicht, was A und B fühlen oder wer angeblich geleitet wird.

Die Frage ist: Wessen Meinung wird durch den biblischen Gesamttext in sich widerspruchsfrei beglaubigt? Und da gibt es formal und logisch nur drei Optionen:

1. A denkt richtig und interpretiert den Gesamttext korrekt.
2. B denkt richtig und interpretiert den Gesamttext korrekt.
3. Keiner von beiden hat recht, weil beide den Text falsch auslegen.
LGrüße von Otto
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